11.12.2020 | Rezeptbewertung

Dein erstes NEIPA Rezept?

Color Beer Icon
Endlich ein NEIPA Rezept gebraut! Der Bierstil „New England India Pale Ale“ ist bei mir in den letzten 2 Jahren sehr beliebt geworden.

Angefangen hat alles in Holland, als ich im Craft Beer Shop eine Dose „zum Probieren“ gekauft und verköstigt habe. Das Bier war sowas von lecker, dass ich unbedingt mal selbst eins brauen wollte.

Leider habe ich mich aber bisher nicht so wirklich an eins herangewagt. Ich weiß gar nicht warum. Naja, ich hatte andere Projekte und hatte nie die Muße mich in die Thematik NEIPA einzulesen.

Nach einer kleinen Recherche auf Maischemalzundmehr bin ich dann auf das High Gravity NEIPA von ollinator2000 gestoßen. Dieses NEIPA Rezept hats mir dann doch irgendwie angetan und passte auch zu den Zutaten, die ich noch vorhanden hatte.

Alles rund um dieses Craft Beer Rezept und eine Bewertung meinerseits gibt’s in dieser Rezeptbewertung.

Das High Gravity NEIPA Rezept

Olli hat in diesem NEIPA Rezept eine relativ einfache Version dieses Stils geschaffen. Sowohl die Hopfenauswahl als auch die verwendete Hefe sind Standard in vielen anderen Rezepten und bestimmt bei vielen vorrätig.

Gerade wegen der oft komplexen Hopfenauswahl und der damit verbundenen höheren Kosten, werden viele Hobbybrauer von NEIPA Rezepten abgeschreckt. Nicht selten werden 5 verschiedene Hopfensorten in großen Mengen eingesetzt.

Hopfengabe

Das kann ein Bier kostentechnisch schon in die Höhe schnellen lassen. Oft kommen auch sehr spezielle und teurere Sorten zum Einsatz, was sich finanziell auch noch mal bemerkbar machen kann.

Qualität hat halt wie immer ihren Preis und diese Komplexität ist sicherlich gerechtfertigt.

Aber für einen Hobbybrauer Einsteiger ist das oft schon eine Ansage, zumal man sich noch nicht so richtig sicher fühlt und häufig noch Infektionen befürchtet.

Ein NEIPA ist nicht schwer

..behaupte ich jetzt mal. Wer den Brauprozess verstanden hat, der arbeitet mit diesem Rezept genauso wie immer. Aber trotzdem gibt’s ein paar Besonderheiten bei einem NEIPA Rezept.

Die größte Hürde ist das Brauwasser. Wenn du dein Wasser noch nicht aufbereitest, dann ist dein NEIPA Resultat nicht so, wie du es dir vorstellst und vielleicht von Kaufbier-Varianten kennst. Dazu unten mehr.

Neipa fertig in Pfanne

NEIPAs arbeiten in der Regel mit sehr wenig Bittereinheiten. Oft wird vollständig auf Hopfengaben während des Kochens verzichtet. Das ist auch in diesem Rezept der Fall. Die erste Hopfengabe kommt erst, wenn das Kochen schon vorbei ist.

Es wird vor dem Whirlpool gehopft und mit 15 Minuten Nachisomerisierung gearbeitet. Das heißt für dich: 90 Minuten kochen, Platte / Flamme ausstellen und Hopfen reinknallen. Dann 15 Minuten warten und erst dann kühlen.

Jede Minute die der Hopfen länger über 80°C verweilt, macht das Bier bitterer. Das kann bei der im Rezept angegebenen Menge schon sehr viel ausmachen.

Pass daher auf, dass der Hopfen nicht länger heiß ist. Wenn du nicht kühlen kannst, dann würde ich anders vorgehen: Weißt du deine Nachisomerisierungszeit (Zeit von 100°C auf 80°C durch natürliche Abkühlung), dann subtrahierst du einfach 15min davon. Z.B. es braucht normalerweise 20 Minuten, dann schmeißt du den Hopfen erst nach 5 Minuten nach Kochende rein.

Ich denke das Prinzip ist klar.

Pass auch auf, dass du nicht zu viel plätscherst. Ein NEIPA ist sehr anfällig für Oxidation, noch mehr als andere Bierstile. Wenn du die Top 6 Hobbybrauer Fehler bereits kennst und für dich abgestellt hast, dann bist du auf der sicheren Seite.

Schüttung und Rasten

Die Schüttung besteht aus einer bunten Mischung aus PaleAle-, Weizen-, Pilsner- und Wiener Malz. NEIPAs haben in der Regel eine sehr helle-gelbe Farbe und sind absichtlich trüb. Sie erinnern mich optisch immer an Orangensaft.

Malz mahlen

Außerdem kommt, wie fast immer bei NEIPAs, eine Menge Haferflocken hinzu. In diesem Rezept sind es allerdings nur 5%. In anderen Rezepten habe ich auch schon 15% Gaben gesehen. Diese führen zu dem ebenfalls stiltypischen weichen Mundgefühl.

Unvermälztes Getreide, welches durchaus in einigen NEIPA Rezepten vorkommt, wird in diesem Rezept nicht verwendet. Es würde in der Regel das weiche Mundgefühl weiter unterstützen.

Eine Kombirast bei 67°C für 60 Minuten und schon bist du fertig mit der Maische.

Im Rezept wird eine Einmaischtemperatur von 55°C angegeben. Der Rezeptautor möchte, dass wir eine kurze Zeit im Bereich der Eiweißrast maischen. Das passiert ja automatisch, da das Aufheizen ja auch eine Weile dauert.

Das ist bei unseren Malzen heutzutage eigentlich nicht mehr notwendig. Eine kurze Eiweißrast kann aber dafür sorgen, dass die Hefe besser mit Nährstoffen versorgt wird.

Viele machen die Kombirast aber im Thermoport und können nach dem Einmaischen kaum noch richtig aufheizen.

Daher empfehle ich dir:

  • Kannst du die Maische heizen, dann maische bei 55°C ein und heize auf 67°C
  • Ansonsten ignorierst du die Einmaischtemperatur und errechnest dir deine eigene um auf 67°C zu kommen

Zum Bottichmaischen: Ich mache das zu selten und habe da keine Erfahrung. Kannst du nach dem Einmaischen bei 55°C in deinem Thermoport durch Zubrühen auf 67°C kommen? Schreibt mir mal eure Meinung in die Kommentare.


Hobbybrauer News:
Kein Spam und keine aufdringlichen Mails!

„Der Hopfen macht das Bier“

Eigentlich macht das die Hefe aber beim NEIPA ist das Bier sowas von Hopfenbetont, dass ich mir diese provokante Aussage mal erlaube 😉

Wie oben beschrieben kommt erst einmal eine Hopfengabe aus Citra, Mosaic und Nelson Sauvin nach Flameout in die Würze.

Dann wirst du auch noch 2 Mal Hopfen während der Gärung hinzufügen.

Hopfengabe in Gärung

Das erste Mal stopfst du das Bier mit Citra und Mosaic ca. 24 Stunden nach Beginn der Gärung.

Am Ende der Gärung (5 Tage) kommt dann noch einmal eine Citra und Mosaic Mischung hinzu.

Das soll dem Bier eine beachtliche Hopfennote bringen, wobei ich bei diesen Mengen schon nicht mehr von einer „Note“ sprechen will. Es wird wohl eher eine Bombe 🙂

Hefe untypisch aber OK

Neipa Messung SpindelDie US-05 wird ganz bestimmt seinen Dienst tun. Du wirst mit der ein sehr gutes Ergebnis erzielen, da bin ich mir sicher. Aber richtig typisch für ein NEIPA ist sie nicht. Sie wird eher bei klassischen IPAs verwendet und eher weniger bei NEIPAs.

Ein Vorteil ist natürlich, dass man eine US-05 Trockenhefe auch schon mal auf Vorrat hat und vielleicht vor dem Brautag nicht unbedingt bestellen muss.

Falls du dem NEIPA aber eher eine klassischere Note geben möchtest, dann empfehle ich dir die Flüssighefe „Wyeast 1318„. Sie verleiht dem NEIPA durch die englischen Ester einen besonderen Touch. Ist aber keinesfalls ein Muss!

Wasseraufbereitung

Eine ordentliche Wasseraufbereitung ist aber leider Pflicht bei einem NEIPA Rezept. Gerade wegen der hohen Menge an Hopfen, sollte man sich das Wasser für dieses Bier besonders vornehmen. Leider gibt es hier keinen Hinweis des Rezeptautors.

Gute Wasserwerte helfen ebenfalls dem Mundgefühl und können einen großen Einfluss auf das Ergebnis haben.

Aufsalzen

Das Thema ist sehr komplex und ich werde es in einem anderen Artikel in Zukunft einmal erklären. Wenn du dich bereits mit der Wasseraufbereitung auskennst, dann stelle das Bier wie folgt ein:

Ca 94 ppm
Mg 8 ppm
Na 0 ppm
Cl 149 ppm
SO4 59 ppm

In Summe sollte ein NEIPA Wasser eher weich sein. Außerdem profitiert dein NEIPA von einem hohen Chloride Wert. Der Sulfat Wert sollte entweder dem Chloride Wert gleich sein oder eben kleiner.

Ich habe mich hier für ein Chloride / Sulfat Verhältnis von 2,5 entschieden.

Falls du keine Wasseraufbereitung anwenden kannst und hartes Wasser hast, empfehle ich dir ausnahmsweise den Kauf von Wasser aus dem Supermarkt. Das ist zwar nicht optimal, aber bestimmt besser als ohne.

Gute Erfahrung habe ich mit dem Purania im 5 Liter Gebinde gemacht.

Mein High Gravity NEIPA Rezept

Neipa mit Schaum

Schaum Neipa

 

Hops Icon
Malt Icon
Fruit Icon
Sweet Icon
Sour Icon

 

Reifezeit: 1 Woche.  (Hier die Liste der Reifezeiten)

Aussehen: Das High Gravity NEIPA Rezept zaubert ein super helles und gelbes Bier. Neben der stiltypischen Farbe ist es auch passend trüb, so wie es sich für ein NEIPA gehört. Der Schaum ist feinporig und haftet mittelmäßig am Glas. Die Standhaftigkeit des Schaums ist eher im Mittelfeld.

Aroma: Ein Aroma aus tropischen Früchten – hauptsächlich Grapefruit – sticht hervor. Es ist nicht nur im Hintergrund, sondern total im Vordergrund. Eine klasse Aroma Bombe. Die Kombination der Hopfen ist gut getroffen. Es gibt keine unpassenden Aromen.

Geschmack: Leicht rezent und nicht aufdringlich. Auch im Geschmack ist dieses High Gravity NEIPA Rezept sehr fruchtig. Das Mundgefühl ist weich und eine Bittere ist leicht wahrnehmbar.

Fazit

Neipa im Garten portrait

Olli hat mit diesem High Gravity NEIPA Rezept ein schön solides NEIPA für zwischendurch geschafft.

Schaut man nur auf die Stil-Beschreibung eines NEIPAs, so fehlt diesem Bier vielleicht ein noch weicheres Mundgefühl. Auch eine leichte englische Ester Note kann man hier vermissen.

Dieses Rezept hat seine Stärken aber an anderer Stelle: Es ist sehr unkompliziert und ein guter Einstieg in das Brauen von NEIPA Rezepten.

Olli verwendet kein unvermälztes Getreide und die Hopfenauswahl ist überschaubar und auch in anderen Rezepten Standard. Außerdem brauchst du keine Spezial-Hefe bestellen, sondern kannst deine US-05 aus dem Kühlschrank aufbrauchen.

Einzig allein die Wasseraufbereitung könnte für einige ein Problem sein. Dieser Stil ist sehr davon abhängig und bringt ohne ein gescheites Wasser eventuell spürbare negative Eigenschaften mit sich.

Am Ende des Tages hat mir das High Gravity NEIPA auch aus dem Grund sehr gut gefallen, da es bereits nach einer Woche im Keg getrunken werden kann.

So ein Rezept ist dann besonders interessant, wenn man es eilig hat und ein fertiges Bier in nur einem Monat haben möchte.


Kommentar schreiben

Kommentar

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an unseren Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung (Link)

Kommentare

Hi,
Glückwunsch zum tollen Blog. Gefällt mir sehr gut.
Kannst du mir sagen, ob die Menge für das Hopfenstopfen je Zugabe oder die Gesamtmenge ist. Möchte ja auch nicht zu viel nehmen.

Hab heute das Bier gebraut und bin sehr gespannt wie es später schmeckt.

Viele Grüße
Marco

HI Marco,

danke für dein Feedback!

Der Hopfen wird 2 Mal gegeben. Also bei MMuM stehen 30 Liter Ausschlagvolumen, dann müsstest du laut Rezept 30g + 40g einmal zu Beginn geben und dann später noch einmal 30g + 40g 🙂

Ich hoffe dir gefällt das Bier genauso wie mir. Kannst ja mal ein Kommentar hinterlassen, wie es war.

Viele Grüße und gut Sud!

Danke.
Heute hab ich die erste Portion Hopfen in den Gärkessel gegeben.
Es riecht so lecker nach Maracuja am Gärröhrchen. Ich kann es kaum abwarten das Bier zu probieren.
Viele Grüße
Marco

Ich kann das gut nachempfinden. Das Aroma war echt richtig stark!
Braue das Rezept auf jeden Fall noch einmal nach in der Zukunft. Du brauchst auch gar nicht mehr so lange warten. Das Bier sollte in 1-2 Wochen schon trinkbar sein 🙂

VG

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen