Bier selber brauen: Brauanleitung in 6 Schritten
Praxisnah, verständlich und in 6 Schritten zu deinem ersten eigenen 20 Liter Bier. Hol dir zusätzlich 5 erprobte Einsteiger-Rezepte als E-Book.

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Schritt-für-Schritt
10 Jahre Erfahrung
Dein eigenes Bier selber brauen
Diese Anleitung bringt es auf den Punkt: Praxisnah, verständlich und ohne unnötigen Schnickschnack. Wir führen dich Schritt für Schritt zum Ziel, damit schon dein erster Sud ein voller Erfolg wird – ohne, dass du dafür Chemie studiert haben musst.
Zeit: 6 Stunden
Kosten: ab 200€
Schwierigkeit: Leicht
Wie viel Vorwissen brauche ich?
Keins. Diese Anleitung ist für Anfänger geschrieben. Du musst kein Chemie studiert haben und auch kein Braumeister sein. Wenn du einen Einkocher bedienen und ein Thermometer ablesen kannst, reicht das völlig.
Für erfahrenere Brauer habe ich an den relevanten Stellen Tobi-Tipps eingebaut. Die kannst du beim ersten Sud getrost ignorieren und dir später vornehmen, wenn du merkst, dass du noch mehr rausholen willst.

In dieser Anleitung zum Bier selber brauen geht es um das eigene Bier brauen zuhause, also dem richtigen tuen und lässt viele Details und Grundlagen zum Bierbrauen außen vor.
Mit dem ersten Brautag bist du bereits ein Hobbybrauer und du solltest dich dem Zoll und den Steuern für Hobbybrauer auskennen.
Welche Brauausrüstung brauche ich?
Um dein eigenes Bier zu brauen, brauchst du natürlich eine gewisse Brauausrüstung. Ich zeige dir das minimale Browse Setup, mit dem du direkt starten kannst. Außerdem reden wir über wichtige Messgeräte, Reinigung und Desinfektion und natürlich auch über die Zutaten.
- Einkocher (*) (ca. 30 Liter, 2000 Watt)
- Gäreimer mit Hahn (*) (ca. 30 Liter) plus Läuteraufsatz (Läuterhexe (*) oder Läuterblech)
- Monofilamentfilter (*)
- Silikonschlauch (*) (ca. 2 Meter)
- Gärröhrchen
- Großer Kochlöffel
- Abfüllröhrchen
- Große Küchentöpfe (10 bis 15 Liter) für den Nachguss
Es gibt eine Einsteiger-Ausrüstung, die für diese Brauanleitung sehr gut passt und sehr günstig ist. Passend dazu empfehle ich dir einen kurzen Blick auf die Top 5 Einkocher im Test. Alternativ schaue dir meinen Brauanlagen Vergleich an, der die wichtigsten Anlagen aufzeigt und die Vor- und Nachteile herausarbeitet.
Am Ende ist es aber auch entscheidend, den richtigen Gäreimer auszuwählen. Mein Gärbehälter-Ratgeber hilft dir dabei in Kürze.

Du willst kompakter, familienfreundlicher oder einfach nur in der Küche brauen? Dann habe ich eine Lösung für dich: Der 9er ist eine Küchenbrauanlage für 9 Liter.
- Digitales Küchenthermometer (*)
- Bierspindel (*) mit Spindelzylinder (*) oder Refraktometer (*)
- Brauerjod (*) (für die Jodprobe)
- Feinwaage (*) für Hopfen
- Dosierhilfe für Zucker (*)
- Messbecher (*) (mindestens 1 Liter)
- Küchenwaage
Ob du wirklich das ganze Brauzubehör im Detail benötigst, hängt davon ab, was du schon alles daheim hast.
- ChemiPro Oxi (*) (Reinigungsmittel)
- Isopropanol 70% (*) oder San Nachspüler (*) (Desinfektionsmittel)
- 40 saubere 0,5-Liter Bügelflaschen (*)
Die Reinigung und Desinfektion von den Gerätschaften ist essenziell. Immerhin arbeitest du mit einem Lebensmittel.
Für ein Bier brauchst du vier Zutaten: Malz, Hopfen, Wasser und Hefe. Durch die Variation dieser Grundzutaten und das gezielte Verändern des Brauprozesses schmiedest du dir dein eigenes Bier. Das macht das Hobby so spannend.
- 2000 g Wiener Malz geschrotet (*)
- 1360 g Münchner Malz geschrotet (*)
- 910 g Pilsner Malz geschrotet (*)
- 280 g Karamellmalz geschrotet (*)
- 57 g Cascade (*) oder 57 g Tradition (*)
- 1x Notti Brauhefe (*)
- Haushaltszucker für die Nachgärung
Die 6 Hauptschritte des Brauprozesses
Bevor wir ins Detail gehen, hier der Überblick. So läuft ein Brautag ab, und das passiert danach:
1. Maischen: Zucker herstellen
Beim Maischen vermischst du geschrotetes Malz mit heißem Wasser. Über die Temperatur aktivierst du Enzyme im Malz, die Stärke in Zucker umwandeln. Dieser Zucker ist später das Futter für die Hefe. Diese Maischverfahren solltest du kennen.

2. Läutern: Malz herausfiltern
Du trennst die flüssigen Bestandteile (die sogenannte Würze) von den festen (dem Treber). Beim Anschwänzen wäschst du mit heißem Nachgusswasser noch den restlichen Zucker aus den Körnern. Um den Zusammenhang der einzelnen Schritte besser zu verstehen, empfiehlt sich auch ein Blick auf die Bierherstellung und den Brauprozess.

3. Würzekochen und Hopfengabe
Die Würze kocht etwa 60 Minuten. Dabei kommen die Hopfengaben rein, unerwünschte Fehlaromen werden ausgetrieben und das Bier wird stabilisiert. Was man mit Hopfen noch machen kann.

4. Ausschlagen: Filtern und Kühlen
Nach dem Kochen filterst du Hopfen und Trubstoffe aus der Würze, bevor sie in den Gärbehälter kommt. Ab hier gilt: Alles muss keimarm sein.

5. Hefegabe: Würze wird zu Jungbier
Sobald die Würze auf die richtige Temperatur abgekühlt ist, kommt die Hefe dazu. Ab jetzt heißt es nicht mehr Würze, sondern Jungbier. Die Hefe wandelt den Zucker in Alkohol und CO2 um. Das dauert bei einem Ale etwa 7 bis 14 Tage. Deine Hauptaufgabe: Geduld haben und den Deckel drauf lassen.
Das Thema Hefe ist sehr komplex und hier stark vereinfacht dargestellt. Für dein erstes Bier empfehle ich dir trotzdem die Trockenhefe zu rehydieren. An einem Hefestarter solltest du dich beim ersten Mal nicht versuchen und für spätere Sude aufsparen.

6. Abfüllung und Nachgärung
Nach der Hauptgärung füllst du das Bier in Flaschen ab. Mit einer kleinen Zuckergabe entsteht in der Flasche die gewünschte Kohlensäure. Danach reift das Bier noch ein paar Wochen im Kühlschrank. Was bei der Nachgärung passiert.

Die Rohstoffe im Detail
Lerne Wasser, Malz, Hopfen und Hefe in Kürze besser kennen.
Das Brauwasser

Nutze ganz normales Leitungswasser. In Deutschland ist die Trinkwasserqualität so gut, dass du dir darüber beim ersten Sud keine Gedanken machen musst. Einfach den Hahn aufdrehen und loslegen.

Dein regionales Wasserprofil beeinflusst den Geschmack. Unterschiedliche Mineralstoffe wie Magnesium und Kalzium können das Ergebnis verändern. Für den Anfang ist das aber irrelevant. Wenn du später tiefer einsteigen willst, kannst du die Werte beim Wasserwerk anfragen und dein Brauwasser aufbereiten. Ein etwas einfacheren Einstieg bekommst du, wenn du das Thema Restalkalität verstehst.
Malz

Malz ist vermälztes Getreide. Es gibt viele Sorten, von hell bis dunkel, und jede bringt andere Aromen und Farben ins Bier. In unserem Rezept verwenden wir vier verschiedene Malzsorten: Wiener Malz, Münchner Malz, Pilsner Malz und Caramellmalz Hell.

Achte darauf, dass du geschrotetes Malz kaufst. Geschrotetes Malz sollte innerhalb von sechs Wochen verarbeitet werden, weil es mit der Zeit an Qualität verliert. Dabei spielt es eine wichtige Rolle, wie du das Malz richtig lagerst.
Hopfen

Hopfen verleiht deinem Bier Bitterkeit, Aroma und erhöht die Haltbarkeit. Achte auf die Angaben im Rezept. In der Regel verwendest du Typ-90-Pellets, das sind kleine gepresste Hopfenstücke. In dieser Brauanleitung hast du die Wahl zwischen einem Klassiker und einem fruchtigen Hopfen.
Hefe

Die Hefe ist der heimliche Star deines Bieres. Sie wandelt den Zucker in Alkohol und CO2 um und beeinflusst maßgeblich den Geschmack.
Es gibt obergärige Hefen (für Ales, Weizen etc.) und untergärige Hefen (für Pils, Lager etc.). Obergärige Hefen arbeiten bei Zimmertemperatur (20 bis 23 °C), untergärige brauchen Kühlung (7 bis 10 °C). Für den Anfang bleiben wir bei obergärig, weil du dafür keine spezielle Kühlung brauchst.

Trockenhefe solltest du vor dem Anstellen rehydrieren. Wie das geht, erkläre ich im Abschnitt zur Hefegabe.
Weitere Zutaten

Kreativität ist ausdrücklich erlaubt. Neben den vier Grundzutaten kannst du als Hobbybrauer auch Rohfrucht, Früchte, Kräuter, Gewürze, Beeren, Nüsse oder sogar Kaffee einsetzen. Aber das ist Kür, nicht Pflicht. Für den ersten Sud bleiben wir beim Rezept.
Soweit zu den wichtigesten Rohstoffen für dein erstes Bier. Um ein noch besseres Verständnis dafür zu bekommen, kannst du dir nach dem ersten Sud ja einmal die Bier Zutaten im Detail anschauen.
Das Einsteiger-Ale: Dein Braurezept für 20 Liter
Ein unkompliziertes und fehlertolerantes Bierrezept zum selber brauen.
Dieses Rezept ist für den Einstieg perfektioniert. Es ist unkompliziert, tolerant gegenüber Fehlern, braucht keine spezielle Kühlung und kann problemlos in der Küche vergoren werden.
Du braust ein Pale Ale, das schön fruchtig und nicht zu bitter ist. Ein sehr gutes Anfängerbier, besonders wenn du bisher nur Pils, Helles oder Export kennst.
Die Angaben im Braurezept und ihre Bedeutung
Wie rechnest du ein Braurezept um?
Falls du eine andere Menge brauen willst: Dreisatz auf Basis der Ausschlagmenge funktioniert als grobe Schätzung. Für genaue Umrechnungen nimm ein Brautool wie Brewfather oder den Kleinen Brauhelfer. Die Zeiten und der Ablauf bleiben gleich, nur die Mengen ändern sich.
Ein Hinweis: Braue nie kleinere Mengen als 15 Liter. Darunter werden die Verluste unverhältnismäßig groß und das Ergebnis leidet.
Warum ein Ale und kein Pilsner oder Münchner Hell?
Viele Einsteiger wollen direkt ihr Lieblingsbier brauen, doch wenn es sich dabei um einen Pilsner oder einen Münchner Hell handelt, dann rate ich für den ersten Sud davon ab. Ein Pilsner oder ein Münchner Hell sind so genannte Lagerbiere und benötigen etwas mehr Erfahrung, denn hier kommt es auf eine kühle und kontrollierte Gärführung an. Ein Thema, was viele Einsteiger zu Beginn überfordert.
Wenn du zum ersten Mal ein Braurezept liest, können die ganzen Fachbegriffe, Messwerte und Einheiten einschüchternd wirken. Hier eine kurze Erklärung der wichtigsten Werte:
Das ist der Zuckergehalt deiner Würze vor der Gärung, angegeben in °P (Grad Plato). Je höher die Stammwürze, desto mehr Futter hat die Hefe und desto stärker wird dein Bier. 12 °P ergeben ungefähr 5 % Alkohol.
Die Würzemenge, die nach dem Kochen und Filtern in den Gärbehälter kommt. Das ist ein grobes Richtmaß für deine Endmenge, nicht exakt, weil du durch Verdunstung und Trub Verluste hast.
Wie effizient du den Zucker aus dem Malz in die Würze bekommst. Das variiert je nach Anlage und Erfahrung. Für den Anfang: Mach dir keinen Kopf, das pendelt sich ein.
Die Farbe deines Bieres. Höher heißt dunkler. Ein Pilsner hat ungefähr 4 EBC, ein Stout über 90.
Wie bitter dein Bier schmeckt. Höher heißt bitterer. Unser Pale Ale bewegt sich in einem angenehmen Bereich.
Wie viel Kohlensäure dein Bier haben soll. Das steuerst du über die Zuckermenge bei der Nachgärung.
Konzentriere dich jetzt erst einmal auf dieses Rezept. Weitere Rezepte spannende Rezepte findest du selbstverständlich auf meinem Blog und in meinem eigenen E-Book „Top 5 Bier Rezepte“.
Die Vorbereitung auf den Brautag
Vor dem Brautag solltest du einige Punkte beachten und wissen. Ich habe dir eine Liste mit Themen vorbereitet, die dich bei deinem ersten Brautag unterstützen und Fehler vermeiden.
Lade dir diese Brauanleitung als Printout PDF herunter und drucke sie aus
Ich empfehle dir, diese Brauanleitung auch einmal auszudrucken damit du beim Brautag schnell durchschauen kannst. Ich habe sie dir kostenlos hier als Download zur Verfügung gestellt.
Darf ich überhaupt Bier selber brauen Zuhause?
In Deutschland ist die Herstellung von bis zu 500 Litern Bier pro Kalenderjahr für den Eigenbedarf steuerfrei. Du bist dich auch nirgendswo registrieren lassen, solange du unter diesem Wert bleibst.
Wo soll ich Zuhause mein Bier brauen?
Die Küche ist der naheliegendste Ort: Strom, Trinkwasser, Abfluss und Arbeitsfläche sind vorhanden. Das ist erstmal alles, was du brauchst.
Allerdings: Die Abzugshaube schafft den Wasserdampf beim Hopfenkochen meistens nicht, und am Ende kleben Boden und Schränke. In vielen Fällen ist ein Balkon oder der Garten der bessere Arbeitsplatz. Da musst du dann für eine ordentliche Stromversorgung sorgen und am besten vorher dein Vorhaben mit den Nachbarn besprechen. Bierbrauen ist zwar nicht so schmutzig wie Grillen, aber die Gerüche können empfindliche Menschen stören.
Sauberkeit ist wichtig, aber du brauchst keine sterile OP-Atmosphäre. Normal sauber reicht völlig.
Bereite dich mental vor
Spiele den Ablauf vorher einmal gedanklich durch, denn manche Schritte überschneiden sich zeitlich. Das hilft enorm. Bier brauen kann beim ersten Mal ganz schön unübersichtlich sein.Eine mentale Vorbereitung schafft Sicherheit.
Der Zeitaufwand und das richtige Timing
Vom ersten Aufheizen bis zum fertigen Bier im Glas vergehen mehrere Wochen. Hier die grobe Zeitleiste:
- Vorbereitung (1 bis 2 Wochen vorher): Ausrüstung und Rohstoffe besorgen, Brautag planen.
- Brautag (6 bis 8 Stunden): Maischen, Läutern, Kochen, Hopfenseihen, Hefegabe. Plane am besten ein Wochenende ein.
- Hauptgärung (7 bis 14 Tage): Die Hefe arbeitet. Du wartest und lässt den Deckel zu.
- Abfülltag (2 bis 3 Stunden): Flaschen vorbereiten, Zucker dosieren, abfüllen.
- Nachgärung (14 Tage): Flaschen bei Zimmertemperatur stehenlassen. Die Kohlensäure baut sich auf.
- Reifung (mindestens 7 Tage, besser 4 bis 6 Wochen): Im Kühlschrank. Das Bier wird mit jeder Woche besser.

Plane den Brautag am Wochenende. Bereite alles am Vortag vor, damit du am Brautag nicht in Stress verfällst, weil etwas fehlt. Kaffee, Snacks und vielleicht ein gutes Bier für die Nerven sind empfohlen.
Ich freue mich für dich!
Du betrittst die Welt eines einzigartigen Hobbys. Ich braue jetzt seit über 10 Jahren mein Bier selber und habe neben den Rohstoffen, dem Brauprozess und den Bierstilen auch viele neue Freunde gefunden. Bier selber brauen verbindet!

Tobias Meyknecht, Malzknecht, Hobbybrauer seit 2016
BEKANNT DURCH





Dein erster Brautag
Nachdem du die 6 Schritte, das Rezept und die Rohstoffe kennst, deine Ausrüstung organisiert hast, steht jetzt endlich der erste Brautag vor der Tür.
Alle Materialien, Rohstoffe und dein Equipment sind vorbereitet? Dann geht es los. Du brauchst insgesamt 28,2 Liter Wasser: 18,2 Liter für den Einkocher (Hauptguss) und 10 Liter in Töpfen (Nachguss). Plane den Aufbau entsprechend.
Schritt 1: Maischen (Zucker herstellen)
Am Ende des Brautags brauchst du eine zuckerhaltige Flüssigkeit (die sogenannte Würze). Die Bierhefe wandelt dann diesen Zucker in Alkohol und CO2 um. Im ersten Schritt, dem Maischen, hilfst du Enzymen im Malz dabei, die Stärke im Korn in Zucker umzuwandeln. Über die Temperatur regelst du, welche Zuckerarten hergestellt werden.
Du maischt hier ganz klassisch mit einer Infusionsmaische in einem Einkocher. Wenn du später kürzer Maischen (Fortgeschrittene) und deinen Brautag allgemein verkürzen möchtest, gibt es noch eine Alternative, die sich Brew in a Bag (BIAB) nennt.

Einmaischen
Erhitze 18,2 Liter Wasser im Einkocher auf 60 °C. Gib unter ständigem Rühren das geschrotete Malz hinzu. Rühre gründlich um, damit keine Klumpen entstehen.
Vertraue dabei nie ausschließlich der Temperaturanzeige deines Einkochers. Miss immer mit dem Thermometer nach und rühre regelmäßig um, damit die Temperatur im ganzen Topf gleichmäßig ist.
Halte die Temperatur bei 57 °C für 5 Minuten. Das ist die sogenannte Eiweißrast.
Die Rasten und der Maischeplan
Jetzt musst du die Maische für bestimmte Zeiten bei bestimmten Temperaturen halten. Durch die Aktivierung verschiedener Enzyme erzeugst du die ideale Zuckerzusammensetzung für dein Bier.
- Nach den 5 Minuten bei 57 °C heizt du auf 63 °C und hältst diese Temperatur 45 Minuten. Das ist die Maltoserast. Hier entstehen vergärbare Zucker, also das Futter für die Hefe.
- Danach auf 72 °C aufheizen und 20 Minuten halten. Das ist die Verzuckerungsrast. Hier entstehen auch nicht-vergärbare Zucker, die dem Bier Körper und Restsüße geben.
Heize beim Aufheizen den Einkocher auf voller Stufe. Sobald du dich der Zieltemperatur näherst, reduziere die Leistung. Das System ist träge, die Temperatur steigt nach dem Abschalten noch ein paar Grad weiter.
Rühre während des Heizens und auch zwischendurch regelmäßig um. Das verhindert Anbrennen und sorgt für gleichmäßige Temperaturen.

An dieser Stelle kannst du am besten schon einmal das Nachgusswasser vorbereiten und den Läutereimer zusammenbauen. In diesem Rezept brauchst du 10 Liter Wasser auf ca. 78 °C. Weitere Details dazu zu Beginn von Schritt 2.

Die Jodprobe
Am Ende der Verzuckerungsrast bei 72 °C prüfst du, ob die Enzyme fertig sind. Entnimm etwas Maische auf einen Teller oder eine Untertasse und tropfe etwas Brauerjod dazu.
Wird die Mischung bläulich oder violett, ist noch Stärke vorhanden. Halte die Temperatur weitere 10 Minuten und wiederhole die Probe.
Bleibt die Farbe orange oder bräunlich, ist die Umwandlung vollständig. Weiter geht es.
Abmaischen
Heize die Maische auf 76 °C. Auf keinen Fall über 78 °C, da sonst die Enzymarbeit aufhört und unerwünschte Gerbstoffe gelöst werden können. Sobald 76 °C erreicht sind, bist du bereit für den nächsten Schritt.
Schritt 2: Läutern (Malz herausfiltern)
Du hast nun Zucker produziert, den die Hefe später vergären kann. Jetzt müssen alle Feststoffe (der Treber) aus der Flüssigkeit entfernt werden. Im sogenannten Läutern filterst du das Malz heraus und wäschst möglichst viel Zucker aus den Körnern.
Nachgusswasser erhitzen und Läuterbottich vorbereiten
Erhitze 10 Liter Wasser in Töpfen auf ca. 78 °C und halte diese Temperatur. Du brauchst das Wasser gleich zum Anschwänzen. Baue deinen Läuteraufsatz (Läuterblech oder Läuterhexe) in den Gäreimer ein.
Abmaischen und Läuterruhe
Fülle die Maische mit einem Messbecher vorsichtig in den Gäreimer. Hahn geschlossen halten! Stelle den Läutereimer auf einen Tisch, damit du genug Höhe hast, um die Würze später ablaufen zu lassen.
Sobald die Maische vollständig im Eimer ist, deckele den Eimer zu und warte 15 bis 20 Minuten (bei einem Läuterblech) bzw. 30 Minuten (ohne Läuterblech). In dieser Zeit setzt sich der Treber am Boden ab und bildet einen natürlichen Filter. Die Würze sammelt sich oben.
Nutze die Wartezeit sinnvoll: Reinige den Einkocher gründlich und bereite den Schlauch und Trichter vor, damit du alles schnell anschließen kannst.
Läutern (Vorderwürze klären)
Nach der Ruhezeit öffnest du den Hahn vorsichtig und lässt die ersten 3 bis 4 Liter in einen Messbecher laufen. Diese Vorderwürze ist noch trüb. Gieße sie vorsichtig oben wieder in den Eimer zurück. Nutze dabei eine Schöpfkelle oder einen Deckel als Prallschutz, damit du den Treber nicht aufwirbelst.
Bewege den Hahn zu Beginn ein paar Mal schnell auf und zu. Wechsle nach etwa 500 ml den Messbecher, damit du erkennen kannst, wann die Würze klar wird.
Sobald die Würze klar abläuft, hänge den Schlauch unter den Hahn und lasse die Würze direkt in den Einkocher laufen. Stelle ein kleines, gleichmäßiges Rinnsal ein. Nicht zu schnell, der natürliche Filter im Treber braucht Zeit.

Positioniere den Läutereimer direkt über dem Einkocher und befestige den Silikonschlauch am Hahn. So läuft die Würze ohne Umwege durch.
Anschwänzen: Nachguss draufgeben
Behalte den Flüssigkeitsspiegel im Gäreimer im Auge. Sobald nur noch etwa 2 bis 3 cm Wasser über dem Treber stehen, gib vorsichtig heißes Nachgusswasser nach. Verwende eine Schöpfkelle oder einen Deckel, damit du den Treber nicht aufwirbelst.
Der Treber darf niemals trocken laufen. Gib das Nachgusswasser nach und nach hinzu, bis es vollständig verbraucht ist. Dann lasse den Treber trocken laufen. Das dauert weitere 10 bis 15 Minuten.

Wer etwas Zeit sparen will: Ab ca. 10 Litern Füllstand im Einkocher kannst du bereits anfangen, die Würze zu erhitzen.
Mache den Einkocher beim Läutern nicht randvoll. Mindestens 6 cm Abstand zum oberen Rand, weil sich beim Kochen Schaum bildet.
Einkocher auf volle Leistung. Du kannst den Deckel auflegen, um das Aufheizen zu beschleunigen. Sobald es kocht: Deckel runter! Wir wollen, dass die unerwünschten Stoffe abdampfen können.
Übrigens der Läuterprozess ist ja relativ zeitaufwändig. Mit Batch Sparge kannst du schneller läutern. Noch schneller geht es mit einem Vorderwürzesud, den ich aber erst fortgeschrittenen Brauern empfehlen würde.
Extraktgehalt messen
Um zu bestimmen, wie gut du gemaischt hast, kannst du an dieser Stelle eine erste Extraktmessung machen. Bei einem Refraktometer musst du den abgelesenen Wert von Brix in Grad Plato umrechnen.
Mit der Bierspindel: Fülle den Messzylinder etwa 3/4 mit Würze und kühle die Probe auf 20 °C ab (die Spindel ist auf diese Temperatur geeicht). Setze die Spindel ein und drehe sie leicht wie einen Kreisel, damit sich Luftbläschen lösen. Wert ablesen und notieren.
Mit dem Refraktometer: Gib einen Tropfen Würze auf das Prisma und lies den Wert ab. Das Refraktometer braucht viel weniger Probenmenge, deshalb empfehle ich es für Anfänger.
Der Wert wird unter deiner Plan-Stammwürze liegen, weil du später durchs Kochen noch Wasser verdampfst und die ganze Würze konzentrierst, wodurch die Stammwürze wieder ansteigt.
Die finale Stammwürze messen wir am Ende des Kochens, wenn sich der Extraktgehalt nicht mehr verändert.
Schritt 3: Würzekochen mit Hopfen
Jetzt muss deine Würze ca. eine Stunde kochen. Beim Kochen werden unerwünschte Fehlaromen ausgetrieben (wie DMS, das nach gekochtem Gemüse schmeckt), Eiweiße fallen aus und das Bier wird stabilisiert. Hier kommt auch der Hopfen zum Einsatz. Damit du schneller fertig bist, wird die Würze kürzer gekocht als in vielen anderen Rezepten.
Bis deine Würze kocht, dauert es etwas. Nutze die Zeit zum Reinigen des Gäreimers und zum Abwiegen der zwei Hopfengaben: 25 g und 32 g.
Die Würze sollte wallend kochen. Leichtes Rollen ist auch OK. An der Oberfläche bilden sich Flocken und Schaum (Eiweiße, der sogenannte Würzebruch). Das ist völlig normal.
Während der Aufheizphase wirst du feststellen, dass sich die Würze optisch verändert. Kein Grund zur Panik.

Miss die Stammwürze vor dem Kochen mit der Bierspindel oder dem Refraktometer. Das gibt dir eine erste Einschätzung, ob du in der richtigen Richtung unterwegs bist.
Die Hopfengaben
Je länger Hopfen kocht, desto mehr Bitterstoffe werden gelöst. Kurzes Kochen oder späte Zugaben bringen mehr Aroma. Die Zeitangaben im Rezept beziehen sich immer auf die Dauer bis zum Kochende.
Erste Hopfengabe: Sobald die Würze kocht, gibst du 25 g Hopfen hinzu und stellst den Timer auf 60 Minuten.
Zweite Hopfengabe: 10 Minuten vor Kochende kommen die restlichen 32 g Hopfen dazu.
Bei jeder Hopfengabe wirst du ein angenehmes Hopfenaroma wahrnehmen. Das ist einer der besten Momente am Brautag.
Stelle 10 Minuten vor Kochende auch dein Paddel oder deinen Kochlöffel in die kochende Würze. Ab jetzt muss alles, was mit der Würze in Kontakt kommt, keimarm sein.
Schritt 4: Ausschlagen (Whirlpool und Hopfenseihen)
Nach dem Kochen hast du deine erste eigene Würze hergestellt. Bevor die Hefe dazu kann, müssen Hopfen, Eiweiß und anderer Trub herausgefiltert werden.

Der Whirlpool
Nach 60 Minuten Kochen schaltest du den Einkocher ab. Nimm dein (abgekochtes!) Paddel und versetze die Würze in eine sanfte Rotation. Drehe einen gleichmäßigen Strudel, aber schlage die Würze nicht schaumig. Du willst keine Luft reinbringen.
Durch die Rotation bildet sich ein Trubkegel in der Mitte des Einkochers. Dort sammeln sich Eiweiß- und Hopfenreste, die nicht in dein Bier sollen. Der Hahn sitzt am Rand, dadurch kannst du die klare Würze sauber abziehen.
Paddel entfernen und 20 Minuten warten. In dieser Zeit setzt sich der Trub.

Wenn du einen Würzekühler hast, desinfiziere ihn und hänge ihn jetzt in den Einkocher. Durch die Rotation kühlt das Bier gleichmäßig ab und der Trubkegel bildet sich trotzdem.
Hygiene im Kaltbereich
Bis jetzt war alles heiß genug, dass Keime kein Problem waren. Ab jetzt geht es in den Kaltbereich, und hier ist Gründlichkeit gefragt.
Alles, was mit der Würze in Kontakt kommt, muss desinfiziert werden. Lege den Monofilamentfilter, den Schlauch, das Thermometer und alles andere, was mit der Würze in Berührung kommt, in den Gäreimer und desinfiziere es mit dem empfohlenen Desinfektionsmittel. Etwas warmes Wasser, ein wenig Lösung, und nach 1 bis 2 Minuten bist du fertig.
Das kannst du alles schon während der 20-Minuten-Wartezeit erledigen.
Hopfenseihen und Umschlauchen
Nach der Wartezeit kannst du die Würze abseihen. Dabei filterst du alle Reste von Hopfen, Eiweiß und anderen Trubstoffen heraus.
Hänge den desinfizierten Monofilamentfilter in oder vor den Gäreimer und lasse die Würze langsam durch den Filter in den Gärbehälter laufen.
Beobachte den Flüssigkeitsstand im Einkocher. Je weniger Würze in der Pfanne ist, desto mehr zerfällt der Trubkegel. Am Ende kannst du die Pfanne etwas kippen, aber achte darauf, dass nicht zu viel Trub durchgeht. Wenn einzelne Stücke im Filter landen, höre auf. Es ist normal und eingeplant, dass 1 bis 2 Liter Würze im Einkocher verbleiben.
Am Ende solltest du etwa 20 Liter Bier haben. Falls es etwas weniger oder mehr ist: Nicht schlimm, das muss sich erst einspielen.
Kühlung der Würze und Vorbereitung der Hefe
Die Würze muss auf die Anstelltemperatur abgekühlt werden. Für unsere Notti Trockenhefe sind das 20 bis 23 °C.
Verschließe den Gärbehälter und lasse die Würze über Nacht bei Zimmertemperatur abkühlen. Fülle den Gärspund nur mit wenig Wasser, da die Würze beim Abkühlen Volumen verliert und sonst Wasser in den Eimer gezogen wird.
Dein Einkocher ist jetzt voll mit Hopfenharzen und Eiweiß. Reinige ihn gründlich, bevor alles eintrocknet und hart wird.
Nach dem Kochen hast du deine erste eigene Würze hergestellt. Bevor die Hefe dazu kann, müssen Hopfen, Eiweiß und anderer Trub werden.

Stammwürze messen
Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um die Stammwürze zu bestimmen. Zusammen mit der Messung nach der Hauptgärung kannst du damit später den Alkoholgehalt berechnen.
Die Stammwürze ist der Zuckergehalt deiner Würze. Je höher, desto mehr Zucker hat die Hefe zum Vergären, und desto stärker wird dein Bier. Du solltest hier bei etwa 12°P liegen, falls nicht, ist es beim ersten Mal auch nicht schlimm.

Wenn deine Stammwürze höher ausgefallen ist als gewünscht, kannst du mit abgekochtem Leitungswasser verschneiden. Dafür gibt es meinen Braurechner.
Schritt 5: Hefegabe und Hauptgärung: Dein Jungbier entsteht
Am nächsten Morgen (oder sobald die 20 bis 23 °C erreicht sind) kannst du die Hefe vorbereiten.
Trockenhefe rehydrieren und Hefe Anstellen
Zu Beginn empfehle ich Trockenhefe. Sie ist einfacher zu handhaben als Flüssighefe, und wenn du die Trockenhefe richtig rehydrierst, wandelt sie deine Würze in kürzester Zeit ohne Probleme in Bier um.
Du brauchst: ein sauberes Glas oder einen Kolben, abgekochtes Wasser (auf ca. 25 °C abgekühlt), eine Schere und Desinfektionsmittel.
- Desinfiziere Glas, Schere und deine Hände mit Isopropanol.
- Gib etwa 100 ml abgekochtes, lauwarmes Wasser ins Glas.
- Öffne den Hefebeutel und streue die Trockenhefe auf das Wasser. Nicht umrühren!
- 15 Minuten ruhen lassen.
- Vorsichtig aufschwenken und weitere 30 Minuten warten.
- Die Hefe ist jetzt einsatzbereit.
- Hefe hineingeben (anstellen)
Ab jetzt heißt es Jungbier, nicht mehr Würze.
Schließe den Deckel, fülle das Gärröhrchen bis zur Markierung mit Wasser und stecke es in die Öffnung im Deckel. Das Gärröhrchen ist ein Ventil: CO2 kann raus, aber keine Luft (und keine Insekten) kommt rein.
Danach alles gut verschließen und 14 Tage nicht anrühren.
Herzlichen Glückwunsch! Dein erster Brautag ist geschafft. Die Hefe übernimmt jetzt die Arbeit.
Hauptgärung
Innerhalb von 24 Stunden sollten die ersten Gäranzeichen sichtbar sein: ein paar Schauminseln auf der Oberfläche, Luftblasen, die durch das Gärröhrchen aufsteigen. Manchmal dauert es auch einen Tag länger. Keine Panik, es gibt eine Soforthilfe, wenn die Hefe nicht ankommt.
Während der Gärung wandelt die Hefe den Zucker in Alkohol und CO2 um. An der Oberfläche bildet sich eine Schaumdecke (die sogenannten Kräusen). Das sieht wild aus, ist aber völlig normal.
Drei wichtige Punkte während der Hauptgärung
1. Gärtemperatur konstant halten. Versuche, die Temperatur bei 20 bis 23 °C zu halten. Ein kühler Raum in der Wohnung reicht meistens. Starke Temperaturschwankungen können Fehlaromen erzeugen.
2. Gärbehälter geschlossen lassen. Auch wenn es verlockend ist: Lass den Deckel drauf. Die schützende CO2-Schicht über dem Bier wird beim Öffnen aufgewirbelt, und im schlimmsten Fall trägst du Mikroorganismen ein. Schau alle paar Tage kurz nach dem Gärröhrchen, das reicht.
3. Nicht zu früh abfüllen. Wenn du zu früh abfüllst, arbeitet die Hefe in den Flaschen weiter, baut zu viel CO2 auf, und im schlimmsten Fall platzen Flaschen. Geduld zahlt sich hier wörtlich aus.
Hab keine Angst vor üblen Gerüchen oder komisch aussehender Oberfläche. Das ist in der Regel normal.

Während der Gärung kann man auch Hopfenstopfen (Dry hopping) machen. Dabei gibst du erneut Hopfen hinein und löst extrem viel Aroma raus. Perfekt für IPAs und NEIPAs.
Gärende bestimmen
Nach etwa 14 Tagen kannst du eine Probe nehmen. Entnimm vorsichtig mit desinfizierten Händen und einer frischen Pipette (beim Refraktometer) oder einem desinfizierten Messbecher etwas Jungbier und miss den Restextrakt.

Notiere den Wert. Wiederhole die Messung nach 3 weiteren Tagen. Wenn sich der Wert nicht mehr verändert, ist die Hauptgärung abgeschlossen.
Die Probe nicht zurück in den Gärtank geben. Probiere sie stattdessen. Das ist dein erster Vorgeschmack!
Mit der Stammwürze vor der Gärung und dem Restextrakt nach der Gärung kannst du den Alkoholgehalt bestimmen. Dafür gibt es Online-Rechner, zum Beispiel meinen Alkoholrechner.
Schritt 6: Abfüllung und Nachgärung
Die Hauptgärung ist vorbei, jetzt bist du wieder dran. Dein Bier braucht Kohlensäure und muss reifen. Fast geschafft!
Flaschen reinigen
Wasche jede Flasche einmal gründlich mit heißem Wasser durch. Bei Bügelflaschen: Nimm die Bügelverschlüsse vorher ab und koche sie separat in Wasser ab.
Für die Reinigung eignet sich ChemiPro Oxi. Beachte aber: Oxi ist ein Reinigungsmittel, kein Desinfektionsmittel. Zum Desinfizieren nimm Star San HB oder ChemiPro San. Der starke Schaum ist normal. Die Flaschen müssen danach nicht gespült werden, das ist geschmacklich und gesundheitlich unbedenklich.

Verwende für Kessel, Brauzubehör und Flaschen niemals klassisches Spülmittel. Dieses ist der Feind des Bierschaums und kann sich nachhaltig auf dein Ergebnis auswirken.
Was du auf keinen Fall tun solltest: Flaschen im Backofen sterilisieren. Hohe Temperaturen machen die Flaschen porös. Während der Nachgärung kann das zum Platzen führen.
Nachgärung und Karbonisierung
Während der Hauptgärung ist die Kohlensäure durch den Gärspund entwichen. Für die Kohlensäure im fertigen Bier gibst du jetzt Haushaltszucker in jede Flasche. Die verbliebene Hefe verstoffwechselt den Zucker in der geschlossenen Flasche zu Alkohol und CO2.
Dosierung (exakt einhalten!):
- 0,5-Liter-Flasche: 3,8 g Haushaltszucker
- 0,33-Liter-Flasche: 2,5 g Haushaltszucker
Verwende eine Dosierhilfe oder Feinwaage. Die Dosierhilfe hat meistens eine Angabe für jede Flaschengröße. Glattgestrichen den Zucker einfüllen.


Trenne befüllte Flaschen von leeren. Bei 40 Flaschen kommt man schnell durcheinander.
Bier abfüllen
Fülle das Bier aus dem Gäreimer direkt in die vorbereiteten Flaschen. Ein Abfüllröhrchen hilft enorm beim sauberen Abfüllen. Es hat ein Ventil, das sich öffnet, wenn du es auf den Flaschenboden drückst, und schließt, wenn du die Flasche wegnimmst.
Drücke das Abfüllröhrchen auf den Flaschenboden und drehe den Hahn auf. Höre kurz vorm Überlaufen auf. Verschließe jede Flasche sofort nach dem Befüllen. Erst dann kommt die nächste an die Reihe.
Wenn dir das Flaschenabfüllen nicht gefällt, könntest du alternativ auf Kegging statt auf Flaschen setzen.
Am Ende verbleibt Hefe und Trub im Gäreimer. Diese Menge ist eingeplant, der Verlust ist normal.

Fülle eine Flasche mit einem Flaschenmanometer statt einem normalen Verschluss. So kannst du den Druck in der Flasche überwachen und weißt genau, wann die Nachgärung abgeschlossen ist.
Nachgärung und Reifung
Stelle die Flaschen bei Zimmertemperatur für 14 Tage hin. Das ist die Nachgärung. Die Hefe verstoffwechselt den Zucker in der geschlossenen Flasche und baut die gewünschte Kohlensäure auf.
Danach ab in den Kühlschrank. Mindestens 7 Tage, besser 4 bis 6 Wochen. Die Kälte ermöglicht die Reifung und den finalen Geschmack. Das Bier wird mit jeder Woche besser.
Aber hey, du darfst nach den ersten 7 Tagen im Kühlschrank schon probieren. Stelle dir auch ein paar Flaschen zur Seite und probiere die in 1 bis 2 Monaten noch einmal. Du wirst einen Unterschied feststellen.
An anderer Stelle habe ich die Reifung und Lagerung einfach erklärt und obendrein noch eine Lagerzeit-Tabelle für die vielen Bierstile entwickelt.
Die Verkostung deines selbstgebrauten Bieres
Der Moment auf den du so lange gewartet hast
Endlich. Öffne eine Flasche und gieße das Bier vorsichtig in ein Bierglas. Am Flaschenboden liegt eine dünne Hefeschicht. Lass die in der Flasche, die schmeckt nicht besonders.
Jetzt darfst du bewerten. Und bei der Bewertung geht es nur um eins: Wie schmeckt dir das Bier?
- Farbe: Hell, goldgelb, honigfarben, kupferfarben?
- Schaum: Vorhanden? Cremig, feinporig? Wie lange hält er?
- Trübung: Klar, leicht trüb, wolkig? (Trübung ist bei einem Hobbybrauer-Bier völlig normal und kein Fehler.)
- Geruch: Fruchtig, malzig, hopfig, Zitrusnoten?
- Geschmack: Malzig, Karamell, fruchtig, bitter? Wie ist das Mundgefühl?
- Gesamteindruck: Dein persönliches Urteil. Kein Biersommelier der Welt kann dir sagen, ob dir dein Bier schmeckt. Das entscheidest nur du.
Wenn du dir mehr Hopfenaroma wünschst, mehr Frucht oder ein klareres Bier: Experimentiere beim nächsten Sud mit den Zutaten. Das ist der Reiz dieses Hobbys.
Kommt dir irgendetwas komisch vor? Dann könnte das ein sog. Fehlaroma sein. In meinem Online Fehlaroma-Seminar lernst du die wichtigsten Stoffe kennen und kannst sie im Anschluss von guten Aromen unterscheiden.

Ab der zweiten Woche der Reifung lohnt sich eine wöchentliche Probeverkostung. Der Geschmack verbessert sich Woche für Woche. Die Haltbarkeit von selbstgebrautem Bier ist übrigens deutlich länger als bei Kaufbier. Das liegt unter anderem an der fehlenden Filtration.
Tipps und häufige Fehler
Vermeide schon beim ersten Sud diese typischen Anfängerfehler
Es wäre falsch zu sagen, dass beim Bierbrauen immer alles glattgeht. Das Gegenteil ist der Fall. Bierbrauen ist oft auch Improvisation. Sei es das Vergessen eines offenen Hahns, das Verschlafen einer Hopfengabe oder ein Überdosieren von Zucker.
Beim Maischen, beim Läutern und beim Kochen tickt immer eine Uhr und du musst zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendetwas tun. Das führt irgendwann zu Fehlern, was aber nicht schlimm ist. Am Ende ist das Ergebnis immer ein trinkbares Bier.
Was hilft:
Bewahre die Ruhe und nimm dir ausreichend Zeit. Bereite alles am Vortag vor. Spiele deinen Brautag einmal gedanklich durch. Übe dich in Geduld bei der Gärung und auch danach. Und: Lade einen Kumpel ein und braut gemeinsam.
Die Top 6 Anfängerfehler, die du vermeiden kannst:
- Den Gäreimer vor Ende der Gärung öffnen
- Nicht genug rühren (Anbrennen beim Maischen)
- Mit Deckel kochen (Fehlaromen bleiben im Bier)
- Beim Läutern Unterdruck aufbauen (Filter setzt sich zu)
- Zu früh abfüllen (Flaschenbomben)
- Bei einer Whirlpool-Hopfung über 80 °C den Hopfen zugeben
Weitere Details zu den 6 häufigsten Anfängerfehler.
Falls du meinst, die Hefe fängt nicht an zu gären: In der Regel ist sie einfach nur langsam und wird in Kürze loslegen. Keine Panik.
Die nächsten Schritte nach deinem ersten Bier
Während das erste Bier in der Gärung ist, wirst du schon das nächste planen wollen.
Vor dem Bier ist nach dem Bier. An dieser Stelle sind die meisten Hobbybrauer angefixt und wollen mehr. Ich habe dir hier eine Liste mit möglichen nächsten Schritten aufgebaut:
Tobis Angebot für Hobbybrauer
- Küchenbrauerei: 9 Liter Bier, kompakt, schnell und ohne Reinigung. 9er Brauanlage kaufen
- Endvergärer Braukurs: intensiviere dein Wissen in meinem umfangreichen online Braukurs
- Braukompass: erhalte jeden Sonntag drei spannende Tipps für dein eigenes Bier
- Podcast: alle zwei Wochen eine neue spannende Episode beim Bier & Brauen Podcast
- Community: komm in mein Hobbybrauer Forum Braunauten.de und tausche dich mit über 700 Hobbybrauern aus
- Fehlaroma Seminar: sechs aromen in zwei Stunden und alles online. Online Aroma Seminar
Spannende Beiträge
- Rezepte: weitere spannende Bierrezepte in meinem E-Book und in der Bier-Rezept Liste.
- Small Batch Brewing: ich habe mich auf kleine Sude zum Experimentieren spezialisiert
- Ohne Alkohol: Alkoholfreies Bier selber brauen ist die absolute Königsklasse für Hobbybrauer.
FAQ: Häufige Fragen zum Bier selber brauen
Die häufigsten Fragen von Einsteigern zum Thema Bier brauen
Quellenverzeichnis
Die wichtigsten Quellen und Anlaufstellen
Die folgenden Quellen habe ich für diese Brauanleitung herangezogen. Sie eignen sich auch hervorragend zum Weiterlesen, wenn du tiefer in einzelne Themen einsteigen willst.
- Brücklmeier, Jan: Bier brauen. Grundlagen, Rohstoffe, Brauprozess. Verlag Eugen Ulmer, 2. komplett überarbeitete Auflage. Das deutschsprachige Standardwerk für Hobbybrauer. Über 500 Seiten zu Ausrüstung, Rohstoffen, Brauprozess, Hefezucht, Sensorik und Fehlersuche. ulmer.de
- Brücklmeier, Jan: Bier verstehen. Sorten, Verkostung, Rezepte. Verlag Eugen Ulmer. Kompakter Einstieg in Bierstile, Verkostung und Rezeptentwicklung. kaisergranat.com
- Palmer, John J.: How to Brew: Everything You Need To Know To Brew Beer Right The First Time. 4. Auflage, Brewers Publications, Boulder 2017, ISBN 978-1938469350
- Narziss, Ludwig: Abriss der Bierbrauerei. 8. Auflage, Wiley-VCH, Weinheim 2017, ISBN 978-3-527-34036-1
- Kunze, Wolfgang: Technologie Brauer und Mälzer. 12. Auflage, VLB Berlin, Berlin 2023, 978-3-921690-99-4
- Amylasen und Stärkeabbau beim Maischen. Hobbybrauer-Kompendium. Erklärt die Funktionsweise von Alpha- und Beta-Amylase, ihre Temperaturoptima und die Auswirkungen auf den Vergärungsgrad. hobbybrauer-kompendium.de
- Dimethylsulfid (DMS): Bierfehler des Quartals. Braumagazin. Warum DMS entsteht, wie es nach gekochtem Gemüse schmeckt und wie du es durch richtiges Kochen (ohne Deckel!) und schnelle Kühlung vermeidest. braumagazin.de
- Mysterium Nachisomerisierung. Braumagazin. Warum dein Bier nach dem Kochen weiter Bitterkeit aufbaut und wie du damit umgehst. braumagazin.de
- Einfache Berechnung des Alkoholgehalts. Braumagazin. Erläutert die Balling-Formel zur ABV-Berechnung aus Stammwürze und Restextrakt. braumagazin.de
- Berechnungen in der Brauerei. Braumagazin. Umfassende Formelsammlung für Hobbybrauer: Verdünnung, Mischkreuz, Ausbeute und mehr. braumagazin.de
- Anstelltemperatur und Gärführung. Hobbybrauer-Kompendium. Temperaturbereiche für ober- und untergärige Hefen und deren Einfluss auf Fehlaromen. hobbybrauer-kompendium.de
- Carbonisieren. Hobbybrauer Wiki. Methoden der Karbonisierung (Zucker, Speise, Zwangskarbonisierung) und deren Vor- und Nachteile. hobbybrauer.de/forum/wiki
- Alphasäure. Hobbybrauer Wiki. Erklärt den Zusammenhang zwischen Alphasäuregehalt, Sorte und Jahrgang und warum Hopfenmengen angepasst werden müssen. hobbybrauer.de/forum/wiki
- Hopfengabe. Hobbybrauer-Kompendium. Zeitpunkte der Hopfenzugabe (Bitterhopfung, Aromahopfung, Whirlpool) und deren Wirkung auf das Bier. hobbybrauer-kompendium.de
- Bier: Zoll online. Zoll.de. Offizielle Informationsseite des deutschen Zolls zu den Regelungen für Haus- und Hobbybrauer. zoll.de
- Hobbybrauer-Reform: 500 Liter steuerfrei ab 2025. fachanwalt.de. Zusammenfassung der Änderungen durch das Jahressteuergesetz 2024: Anhebung von 200 auf 500 Liter, Wegfall der Anmeldepflicht. fachanwalt.de
- Biersteuergesetz (BierStG), § 29 Abs. 2 und Biersteuerverordnung (BierStV), § 41. Rechtsgrundlage für die Steuerbefreiung von Haus- und Hobbybrauern.
- Brewfather. Web-basiertes Brautool für Rezeptentwicklung, Maischpläne und Bestandsverwaltung. brewfather.app
- Der Kleine Brauhelfer. Open-Source-Brausoftware für Windows, macOS und Linux. Berechnet Schüttung, Hopfengaben, Karbonisierung und dokumentiert deine Sude. kleiner-brauhelfer.de
