29.04.2021 | Leserbier

Ich freue mich immer wenn ich sehe, dass auch Leser aus anderen Ländern Interesse an meinem Blog haben. Dieser Beitrag bezieht sich auf den Hobbybrauer Laurens aus den Niederlanden. Er hat mir zwei Bierchen zukommen lassen und seine Geschichte ist auch superspannend.

Also, los geht’s:

Über den Hobbybrauer

Laurens ist 43 Jahre alt, Papa und wohnt wie gesagt in den Niederlanden. Das Bild zeigt ihn in der Brauerei „De Leckere“, er selbst braut eher auf einer kleineren Anlage 😉 Mehr dazu unten.

Konkret kommt Laurens aus Zoetermeer, eine Gemeinde im schönen Südholland. Glücklicherweise liegt das direkt neben der Heineken Brauerei, wobei er selber das Heineken als eher langweilig bezeichnet. 🙂

Innerhalb einer halben Stunde ist er aber in Den Haag oder Rotterdam, wo es wiederum viele kleine Brauereien mit leckeren und vielseitigen Bieren gibt.

Ich war vor zwei Jahren auch mal mit dem Auto in Südholland unterwegs und kann es jedem nur empfehlen. Eine tolle Gegend, mit interessanten kleinen Orten und toller Landschaft. Es gibt auch viele kleine Brauereien, etwas anders als bei uns hier in Deutschland.

Besonders gut fand ich die Brauerei de Molen, die neben der großen Brauerei, etwas außerhalb, einen Ausschank in einer kleinen Windmühle im Ort betreibt.

Aber jetzt mal wieder zurück zu Laurens.

Laurens ist bereits seit 8 Jahren Hobbybrauer und hat inzwischen viel Erfahrung gesammelt. Er braut ca. alle 2 Wochen, damit er immer wieder die geerntete Hefe wiederverwenden kann. Am liebsten braut er deutsche Biere, wie ein Dunkel oder Landbiere, da diese Stile in seiner Gegend total unbekannt sind.

Seine Inspiration holt er sich direkt aus Deutschland 🙂 Laurens hat ein paar Freunde in der Nähe der deutschen Grenze, die ihm ab und an mal mit Bier versorgen.

Neben den deutschen Bieren trinkt er auch gerne mal ein belgisches Blonde.

Hopfenanbau

Wie ihr seht, funktioniert der Hopfenanbau auch super in Südholland 🙂 Laurens baut inzwischen Cascade, Nordbrauer, Fuggle und Hallertauer in seinem Garten an und kann sich damit bei einigen Suden komplett selbst versorgen.

Für mich auch ein spannendes Thema, weil ich auch ab dieses Jahr den eigenen Hopfen anbauen möchte.

Laurens Brauanlage

Laurens braut sein Bier mit wenig Equipment und zeigt, wie man mit wenig viel erreichen kann. Er besitzt eine 20 Liter Pfanne, eine Läuterhexe, ein paar Eimer und einen temperaturgesteuerten Kühlschrank. Das wars!

Zwei Gegenstände sind für ihn unersetzlich: Einmal die Läuterhexe und zum anderen die STC-1000 Temperatursteuerung, durch die er die Gärtemperatur seiner Biere exakt steuern kann und auch viel Zeit einspart.

Die Biere

Laurens hat mir gleich zwei verschiedene Biere zukommen lassen. Einmal handelt es sich um ein Pilsner, welches er mit Cascade gehopft hat und das zweite Bier ist sein Versuch, das belgische Meisterwerk „Tripel Karmeliet“ zu klonen.

Cascade Lager

 

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Aussehen: Gold-gelbe Farbe, Schaum gut haftend und feinporig. Hält auch lange an. Das Cascade Lager ist klar. Sieht auch schon sehr rezent aus 🙂

Aroma: Frisches Aroma mit leicht süßlich fruchtiger Note und einem Hauch von Kräutern.

Geschmack: Mittelmäßig rezent, eher trocken mit angenehmer Bittere, die nicht lange nachhängt. Geschmacklich ist das Bier dann eher mild und erdiger als fruchtig. Angenehmes Mundgefühl.

Fazit: Optisch sieht das Bier wie ein gutes Lagerbier aus, aber das Cascade Lager kann mehr: Die Aroma-Kombination aus Cascade und Fuggle passen sehr gut zusammen, wobei die fruchtigen Nuancen nur sehr dezent durchkommen.

Das passt aber sehr gut zu einem Lager. Außerdem erkenne ich noch eine eher kräuterige Note. Ich tippe hier auf den Fuggle. Das Cascade Lager ist ein eher trockeneres Bier mit gutem Mundgefühl.

Geschmacklich ist das Bier lecker, man könnte es aber noch etwas mit einer kleinen Karamellmalz-Gabe pimpen, da das tolle Aroma im Geschmack eher verwässert. Trotzdem finde ich das Bier gelungen und es kommt bei anderen bestimmt gut an. Bei meiner Frau ist das auf jeden Fall sehr gut angekommen 🙂

Kommentar vom Brauer:

Ich mag Pilsner und ich mag IPA. In meinem Garten habe ich Cascade, Nordbrau, Fuggle und Hallertau. Ich hatte letzten Herbst so viel Hopfen, dass ich unbedingt eine IPA brauen wollte. Ich musste nur wieder die S-189 verwenden, also kombinierte ich sie in einem Rezept.

Das Rezept ist ideal für diejenigen, die wenig Zeit haben: 45 Minuten Maischen, Nicht ausspülen, sondern das gesamte Brauwasser auf einmal hinzufügen. 30 Minuten kochen, fertig in weniger als drei Stunden. Das alles geht zu Lasten der Effizienz des Sudhauses, Aber die Zeit ist momentan der entscheidende Faktor für mich.

Das amerikanische Weblog `Brülosophy‘ hat gelegentlich interessante Experimente. Ich finde zwar nicht alles fantastisch, aber ihre Forschung nach der Verkürzung des Brautages hat hilfreiche Tipps. Für einen Helles mache ich das vielleicht nicht so, aber für ein Bier mit einer Schiffsladung Hopfen…

Rezept

Cascade Lager
Charakter:
  • 10 Liter Ausschlag
  • ~ 11°P 35 IBU 10 EBC 4,7%vol
Brauwasser:
  • 14,1 Liter Hauptguss
  • 0 Liter Nachguss
  • Ca41  Mg8 Na51 Cl47 So4 46 (mg/l) ph 8,4
Schüttung:
  • 73% Swaen Pilsner
  • 27% Swaen Munich Light
Maischplan:
  • 45 Minuten 65°C Kombirast
Kochen (30 Minuten !! ):
  • 30 Min. 20g Nordbrau (6% Alpha)
  • 5 Min. 20g Cascade (4,5% Alpha)
  • 5 Min. 20g Fuggle (5% Alpha)
  • 1 Min. 40g Cascade (4,5% Alpha)
  • Alpha geschätzt, da eigener Anbau!
Keller:
  • Hefe: Fermentis S-189 12°C

Tripel Karmeliet

 

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Aussehen: Gold-gelbe Farbe, der Schaum ist stabil, haftet gut am Glas und ist sehr feinporig. Auch hier sieht man das CO2 schön aufsteigen, da auch das Tripel sehr klar ist.

Aroma: Interessante Note. Zunächst an Kaugummi erinnert, dann wurde es aber eher fruchtig nach süßen Früchten. Sehr alkoholisch.

Geschmack: Mittelmäßig rezent. Der Geschmack erinnert mich an Apfelkorn 🙂 (aber nicht wegen Acetaldehyd), sondern wegen der fruchtigen alkoholischen Note. Das Tripel ist eher schwer und bitter. Die Bittere ist aber ganz gut eingebunden, bzw. wird vom Rest gut überdeckt.

Fazit: Auch dieses Bier ist optisch sehr ansprechend. Das Aroma ist fruchtig und alkoholisch. Diese alkoholisch fruchtige Note erinnerte mich an Apfelkorn.

Das Bier ist aromatisch und geschmacklich auf jeden Fall sehr dominant, um nicht zu sagen kantig. Passt glaube ich sehr gut zusammen, aber das Bier könnte glaube ich noch etwas länger kalt lagern. Da es jetzt schon sehr gut trinkbar ist, wird es nach weiteren 6 Monaten Lagerung bestimmt genial.

Kommentar vom Brauer

Es hat nicht geklappt. Ich bin mit dem Versuch nicht unzufrieden, aber das reichhaltige Aprikosen- und Orangenaroma des Originals zeigt sich nicht wirklich. Ich würde es auch beim nächsten Mal etwas weniger bitter machen.

Es ist nicht zu bitter aber Tripel Karmeliet soll ein wenig süß schmecken. Das Rezept stammt jedoch vom Schatzmeister des ältesten Brauereiverbandes der Niederlande.

Es könnte sein, dass mein Heizelement nach drei Tagen kaputt ging. Heutzutage muss man Glühbirnen aus Polen holen, das hat eine Weile gedauert.

Rezept

Tripel Karmeliet Klon
Charakter:
  • 10 Liter Ausschlag
  • ~ 18,9°P 38 IBU 9 EBC 8,3%vol
Brauwasser:
  • 17 Liter Hauptguss
  • 6 Liter Nachguss
  • Ca41  Mg8 Na51 Cl47 So4 46 (mg/l) ph 8,4
Schüttung:
  • 57,2% Swaen Pilsner
  • 21,4% Weizenmehl
  • 7,1% Haferflocken
  • 7,1% Dinkelflocken
  • 7,1% Kristallzucker
Maischplan:
  • 53°C 20 Minuten
  • 63°C 30 Minuten
  • 72°C 30 Minuten
  • 78°C 5 Minuten Abmaischen
Kochen (90 Minuten):
  • 90 Min. 48g Hersbrucker (3,1% Alpha)
  • 5 Min. 2,5g Koriandersamen
  • 5 Min. 7,5g Orangenschale
Keller:
    • Hefe: Fermentis T-58 20,5°C

Tipps & Tricks von Laurens

  • Ordentlich und sauber arbeiten
  • Das Rezept einhalten.
  • Am liebsten am Anfang sehr einfache Rezepte brauen. Je mehr Zutaten, desto schwieriger wird es, einen Fehler zu finden.
  • Andererseits sollten Sie etwas nicht zu schnell wegwerfen. Manchmal sind meine besten Biere die Biere, bei denen am Brautag alles schief gelaufen ist!

Schlusswort

Laurens, danke für die Teilnahme und die leckeren Biere. Deine Geschichte und die Biere haben mir sehr viel Spaß bereitet.

Auch finde ich die Tipps sehr hilfreich für Hobbybrauer Einsteiger!

Du hast viel Erfahrung, das merkt man. Auch finde ich es interessant, dass du nur 30 Minuten kochst. Ich habe ja mal einen Beitrag über das Verkürzen vom Kochen geschrieben, aber du toppst hier alles was ich bislang gesehen hatte. Und das ohne Fehlgeschmack!

Danke für’s Lesen und bis zum nächsten Mal 🙂

Tobi

 

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