13.04.2020 | Infos

Einleitung

Mein Umstieg auf Kegs: Seit einigen Jahren braue ich jetzt schon Bier und habe bislang immer in Flaschen abgefüllt. Jeder von euch kennt das Prozedere: Flaschen organisieren, evtl. alte Etiketten entfernen, Flaschen reinigen, ausspülen, Zucker dosieren, und und und….

Naja, das klingt jetzt alles negativ. Eigentlich kann das recht viel Spaß machen, wenn man nicht gerade Zeitdruck hat. Ehrlich gesagt hat es sogar etwas Meditatives. Von daher finde ich das Abfüllen in Flaschen immer noch toll.

Trotzdem habe ich mir die Frage gestellt, was der Umstieg auf Kegs bedeutet, bzw. was ich letztendlich davon habe. Am Ende habe ich mich tatsächlich für die Anschaffung von NC-Kegs entschieden und möchte euch in dieser Beitragsreihe erklären, wie der Umstieg bei mir aussah und welche Erfahrung ich gesammelt habe.

Die Beitragsreihe:

Umstieg auf Kegs – Teil 1: Pro und Contra
Umstieg auf Kegs – Teil 2: Equipment
Umstieg auf Kegs – Teil 3: Zwangskarbonisierung

 

Meine Pros und Cons

Dieses sind meine eigenen Pros und Cons und können unter Umständen von anderen Hobbybrauern anders gesehen werden. Denkt einfach mal selber drüber nach, was euch mit und ohne Kegs stört und wie stark ihr die einzelnen Punkte gewichtet.

Pro Fässer:

  • Schnelles Abfüllen
  • Kontrollierte Karbonisierung
  • Grünschlauchen ohne Angst
  • Wahl: Nachgärung Ja / Nein
  • Weniger Stauraum und Gewicht pro Liter
  • Kein Bodensatz mehr im Glas
  • Zapfen macht Spaß 🙂

Durch den Umstieg auf Kegs ist der Abfülltag schneller durch, da wir lediglich das Fass vorbereiten müssen und dann umschlauchen können. Das Auswaschen der Flaschen, Zucker dosieren, Umschlauchen in Flaschen etc. dauert bei mir doch immer recht lange.

Außerdem kann ich entweder durch Grünschlauchen + Spundaparat, oder durch Zwangskarbonisierung den gewünschten CO2 Gehalt einstellen (ohne Angst vor Überkarbonisierung). Das gibt mir auch die Möglichkeit zu entscheiden, ob ich eine Nachgärung im Fass machen möchte, oder das CO2 einfach aus der Flasche hinzugebe.

Auch nehmen 20 Liter Bier in Flaschen deutlich mehr Platz ein und wiegen auch viel mehr als ein 20 Liter Fass. Und abgesehen vom nicht mehr vorhandenen Bodensatz, macht das Zapfen des eigenen Biers Spaß und kommt auf einer Party besser an als Flaschenbier.

In einem anderen Artikel Fertiges Bier in einem Monat habe ich bereits darauf hingewiesen, dass durch den Einsatz von Kegs in Summe Zeit eingespart werden kann. Dort gibt es auch noch weitere Tipps, um schneller an sein Bier zu kommen 🙂

Contra Fässer:

  • Hohe Anschaffungskosten
  • Viel zusätzliches Equipment (Stauraum)
  • Neue Kühlmöglichkeit muss her
  • Reinigung der Zapfanlage
  • Nicht mehr so mobil

Der Umstieg auf Kegs ist zunächst einmal eine kostspielige Angelegenheit. Mehr dazu folgt im Teil 2 dieser Reihe. Dort werdet ihr feststellen, dass viel zusätzliches Material benötigt wird.

Außerdem lassen sich Fässer nur schlecht im herkömmlichen Kühlschrank verstauen. Flaschen kann man da meiner Meinung nach besser handhaben. Ich spreche hier nicht von der Lagermöglichkeit, sondern vom Kühlschrank im Haus, um schnell mal ein Bier rauszunehmen. Hat man sein Bier nur noch in Fässern, dann benötigt man entweder eine Zapfanlage im Haus, oder muss für jedes Bier zum Fass-Kühlschrank laufen.

Eine Zapfanlage muss auch gelegentlich gereinigt werden. Flaschen braucht man nach dem Gebrauch nur kurz ausspülen. Und ich kann nicht mal eben ein, zwei Flaschen Bier mit zum Nachbarn nehmen, da eine vollständige Zapfeinrichtung benötigt wird.

Die Reinigung vor dem Abfüllen ist für mich neutral. Ich muss zwar keine Flaschen mehr spülen, aber dafür die Kegs reinigen. Auch kann ich nichts zur Haltbarkeit sagen, da einfach die Erfahrung fehlt.

 

Umstieg auf Kegs: Ganz oder gar nicht?!

Jeder Hobbybrauer hat andere Interessen und Gründe auf Kegs umzusteigen. Der Umstieg muss ja auch nicht bedeuten, dass von nun an euer Bier ausschließlich ins Fass läuft. Es gibt auch Möglichkeiten, die o.g. Cons zu kompensieren.

Ein Beispiel ist die fehlende Mobilität: Durch einen Gegendruckabfüller oder eine Bier-Pistole, könnt ihr das Bier aus dem Fass direkt in Flaschen abfüllen.

Das werde ich allerdings in dieser Beitragsreihe nicht weiter ausführen, da ich mich gegen diese Methode entschieden habe. Damit das nämlich ohne Schaumorgie funktioniert, müssen einige Dinge beachtet werden, was mir in Summe einfach zu aufwändig erschien.

Ich werde in Zukunft jedes Bier in Kegs abfüllen,

  • was eine Karbonisierung bis 6,0g/l CO2 hat
  • wo Flaschengärung nicht Stil-typisch ist
  • was nicht länger als ein Jahr lagern soll

Warum? Die Erklärung folgt in den nächsten Abschnitten:

Weizen ins Keg?

Zunächst muss man wissen, dass viele Fässer nicht für hohe Drücke ausgelegt sind. Ein NC-Keg zum Beispiel lässt einen Druck größer 3 Bar über das Überdruckventil automatisch ab (falls vorhanden!).

Schaut man in die Spundungstabelle wird deutlich, dass schon ein leicht-karbonisiertes Weizen mit 6,5g/l bei 20°C mit beinahe 3 Bar auf das Fass drückt. Niemand wird bei 20°C zapfen, aber wenn ich das Fass mal aus irgendwelchen Gründen im Sommer nicht mehr kühlen kann, dann entweicht das CO2 direkt aus dem Fass.

Außerdem könnte das Zapfen beeinträchtigt werden: Um das unnötige Entgasen des CO2 beim Zapfen zu verhindern, muss der Zapfdruck deutlich höher sein als der gegenwärtige Spundungsdruck. Theoretisch sollte ein gut gekühltes Weizen im Fass auch noch vernünftig zapfbar sein, aber ich habe es noch nicht probiert.

Weizen ist für mich sowieso kein Bier, was ich gerne zapfen möchte. Da gehört der Bodensatz einfach mit ins Glas 🙂

Spezialbiere ungern ins Keg

Biere die länger als ein Jahr lagern sollten, möchte ich ebenfalls nicht in Kegs abfüllen. Warum? Für mich sind diese Biere immer Spezialbiere, die häufig sehr schwer daherkommen oder einfach keine hohe Drinkabilitiy haben. Außerdem möchte ich von einem Bier, worauf ich so lange gewartet habe, möglichst lange etwas haben. Das heißt, dass hier hin und wieder mal ein – zwei Gläser getrunken werden, in Summe jedoch sehr sparsam damit umgegangen wird.

Flasche aufmachen, genießen und gut ists. Kein Verlust in den Bierleitungen, Reinigung des Zapfhahns etc., nur weil einmal ein Glas getrunken wird.

Flaschen kann man außerdem besser verschenken und transportieren – genau das, was ich gerade mit Spezialbieren häufig mache, z.B. zu Weihnachten. Ein gutes Beispiel ist das Weihnachtsbier Xmas Ginger Ale von Hanghofer. Dieses Bier würde ich an Weihnachten nie aus dem Keg servieren.

 

Nachdem jetzt klar ist, an welchen Pros und Cons ich mich orientiert habe und wie ich in Zukunft meine Biere abfülle, zeigt der nächste Teil dann die einzelnen Komponenten, die für den Umstieg auf Kegs nötig sind. Ich zeige euch dann, welches Equipment man für eine Minimalausstattung benötigt und wie es funktioniert.

Danke für deinen Besuch!

 

 

Bildquellen:

[1] Asurnipal / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)


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Kommentare

Hallo,
ein sehr schön erklärter Beitrag. Ich überlege auch, auf Kegs zu erweiern, bin daher auf den nächsten Teil gespannt.
Gruß Markus

Hi Markus,

danke für dein Interesse. Der zweite Artikel ist gerade in Arbeit, wird allerdings noch ein paar Wochen dauern. Schau einfach regelmäßig vorbei, dann wirst du ihn nicht verpassen 🙂

VG

Es ist eine reine Equipment Frage. Ich karboniesiere schon unter Druck und schlauche genau so in’s Keg, wo alles für wenigstens 4 Wochen kühl ruht. Zu meinem großen Glück konnte ich im Forum einen großen GDA finden, der eine Mikroprozessorsteuerung hat und mit CO2 und Druckluft vom Konpressor funktioniert. Damit ist alles schnell abgefüllt, falls ich Flaschen benötige – und mein Nachbar kennt meine Garage und weiß, wie die Zapfanlage funktioniert 🙂
Interessamte Webseite, auch Deine Doku der Bauabschnitte!
Grüße, Michael

Hi Michael,

es ist super interessant: Bei einigen artet das Abfüllen mit GDA sehr oft zu einer Schaumparty aus und andere wie du, sind total zufrieden.

Neben einem guten Equipment, ist es glaube ich auch nicht unbedingt Einsteiger-freundlich und jeder muss sich erstmal mit der ganzen KEG-Thematik beschäftigen. Vielleicht versteht man dann besser die Zusammenhänge und kann dann Probleme beim GDA-Abfüllen verhindern.

Vielleicht schaue ich mir das tatsächlich auch noch mal genauer an 🙂

Danke und viele Grüße
Tobi

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