11.11.2020 | Tutorials

Bier zu karbonisieren ist eigentlich kein Hexenwerk. Jeder der einmal verstanden hat, wie sich CO2 im Wasser verhält, kann eigentlich alle Schritte logisch herleiten. In diesem Artikel gehe ich auf genau diese Schritte ein und zeige dir, wie du dein Bier im Keg zwangskarbonisieren kannst.

Wenn du gar keine Kegs besitzt und einfach nur wissen willst, wie man Bier karbonisiert, dann schaue doch einfach mal hier nach. Dieser Artikel geht nur auf die sog. Zwangskarbonisierung ein, für die man ein Keg benötigt.

Falls du noch keine Kegs hast, dann schaue dir diese Beitragsreihe doch von Beginn an. Zunächst gehe ich in Teil 1 auf die Vor- und Nachteile des Keggings ein. Teil 2 behandelt dann alles Rund um die Anschaffung einer Minimalausstattung.

Umstieg auf Kegs – Teil 1: Pro und Contra
Umstieg auf Kegs – Teil 2: Equipment fürs Keg
Umstieg auf Kegs – Teil 3: Bier karbonisieren

Bier karbonisieren – Der Prozess

1. Bier abfüllen ins Keg

Als erstes muss das Bier natürlich ins Keg gefüllt werden. Hier braucht ihr keinen Schnick Schnack.

Füllt einfach das Bier per Bierheber oder direkt über den Hahn ins Keg und achtet darauf, dass es möglichst wenig plätschert und somit nicht unnötig Sauerstoff ins Bier gelangt.

Bier wird zum karbonisieren abgefüllt

Die Füllhöhe spielt übrigens auch eine Rolle. Ich lasse oben immer ca. 2cm Platz zwischen Bieroberfläche und Unterseite der Ventile.

Übrigens: Aus Erfahrung kann ich sagen, dass wenn zu viel Bier im Keg ist und der Freiraum oben zu klein ist, dass dann die Zwangskarbonisierung etwas länger dauert.

Auch zu wenig Bier im Keg ist nicht ideal, da so sehr viel Sauerstoff im Keg verbleibt – also nicht durch das Bier herausgedrückt wird – und über die im Schritt 5 erwähnte Methode nicht mehr zuverlässig entfernt werden kann.

2. Lagerort und -Temperatur bestimmen

Überlege dir, wo du dein Bier bis zum Ausschank lagern möchtest. Viele lagern in Kühlschränken oder Gefriertruhen, aber auch ein kalter Keller ist hier möglich.

Wichtig ist, dass die Temperatur einigermaßen stabil ist und kühl, also bei unter 10°C liegt. Dann lagert das Bier am besten.

Technisch gesehen kannst du bei jeder Temperatur karbonisieren. Du musst diese Temperatur halt nur kennen und dafür sorgen, dass sie während der Karbonisierung nicht großartig schwankt. Kaltstellen geht selbstverständlich nach dem Karbonisieren immer noch.

3. Gewünschte Karbonisierung festlegen

Kohelsäure im Wasser

Damit der nötige Druck für die Zwangskarbonisierung ermittelt werden kann, muss noch festgelegt werden, wie viel CO2 nachher ins Bier soll. Für die verschiedenen Bierstile gibt es Richtwerte. Du kannst dich also daran orientieren, aber bist in deiner Entscheidung natürlich frei. Wähle einfach die Karbonisierung aus, die dir im Bier am besten schmeckt.

CO2 wird in der Regel in g/Liter angegeben. Um ein Gefühl für die Mengen zu bekommen, sind hier einmal die Werte für Mineralwasser aufgeführt: [1]

  • Mineralwasser klassisch / classic: 7-8 g/Liter
  • Mineralwasser medium: 4-5,5 g/Liter
  • Mineralwasser ohne Kohlensäure: < 1 g/Liter

Interessanterweise sind diese Werte quasi analog zu unseren Bier-Stilen. Ein höher karbonisiertes Bier, z.B. ein Weizen / Wit, hat in der Regel 6,5 – 9 g/Liter CO2.

Der Hauptanteil der Bierstile wird wohl in der Hobbybrauer Szene (und wahrscheinlich auch in der Industrie) im Bereich 4-5,5 g/Liter karbonisiert. Das ist halt ein Bereich, der zu vielen Stilen und Geschmäckern passt.

Englische Ales werden zum Beispiel mit 3-4 g/Liter karbonisiert. Ich habe aber schon von vielen Hobbybrauern gehört, dass sie auch dieses Bier mit 4-5,5 g/Liter karbonisieren.


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4. Spundungsdruck ermitteln

CO2 im Bier

Wie üblich in meinen Beiträgen, möchte ich dieses Thema nicht mit Fachwissen erklären. Fachwissen habe ich nicht und vielmehr geht es mir um einfache und praktische Erklärungen, quasi so, wie ich es verstanden habe.

Kohlensäure im Bier

Man spricht von Kohlensäure, wenn CO2 in Wasser gelöst ist. Stelle dir einfach vor, dass CO2 eine weitere Zutat im Brauprozess ist. Wie bei einer Hopfengabe, kennst du die gewünschte Menge und musst die Gabe zunächst ausrechnen und dann später hinzugeben.

Jetzt ist CO2 aber kein Festkörper, sondern Gas und muss erst noch in das Bier gebracht werden. Die Menge an CO2, die das Bier aufnehmen kann, hängt von der Umgebungstemperatur ab.

Wenn das Bier kalt ist, nimmt es mehr CO2 auf, als wenn es warm ist. Das führt im Umkehrschluss dazu, dass wenn das Bier warm wird, wieder Kohlensäure automatisch entweicht. Es sei denn, wir geben Druck auf das Bier!

Der Druck ist neben der Temperatur somit die zweite Eigenschaft und Stellschraube bei der Zwangskarbonisierung.

Der Sättigungsdruck 

Überprüfung beim Bier karbonisieren durch ManometerDa wir bereits die Umgebungstemperatur und die gewünschte Kohlensäure ermittelt haben, brauchen wir nun nur noch den Druck – den sog. Spundungs- oder Sättigungsdruck suchen. Warum?

Oben haben wir gelernt, dass Druck verhindern kann, dass Kohlensäure entweicht. Ohne Druck würde die Kohlensäure also solange entweichen, bis nur noch ein geringer Anteil gelöst ist. Halt wie bei einem stillen Wasser. Das Bier wäre schal.

Egal welches Bier wir karbonisieren möchten, wir arbeiten immer mit Kohlensäuren Mengen, die ohne Druck entweichen würden. Selbst bei englischen Ales 😉

Jetzt kann man sich aber folgende Frage stellen: Wir haben doch noch gar keine Kohlensäure im Bier. Wie kommt die denn nun endlich da rein?

Der Druck verringert oder erhöht die Menge an CO2, die das Bier bei einer Temperatur aufnehmen wird. Das ist der Grund, warum man mit Druck das CO2 im Bier behalten kann. Gleicherweise kann man mit dem Druck aber auch bestimmen, wie viel CO2 das Bier aufnehmen soll.

Dieser Sättigungsdruck bei einer Temperatur definiert also die Menge an Kohlensäure im Bier. Hierzu gibt es Rechner im Internet, aber am einfachsten ist das Ablesen aus der Spundungstabelle.

Im Hobbybrauer Wiki findet sich eine gute Version: Tabelle

Beispiel: Dein Fass wird bei 6 °C verweilen und du möchtest 5,5 g/Liter CO2 im Bier, dann musst du den Druck auf 1,13 Bar stellen.

Gibt man nun den ermittelten Sättigungsdruck bei einer bestimmten Temperatur auf das Bier, löst sich nach und nach das CO2 im Bier, bis es die Sättigungsmenge erreicht hat.

Im nächsten Punkt wird dann erklärt, wie dieser Schritt praktisch aussieht.

5. Bier Zwangs-karbonisieren

Nun kommt das eigentliche Zwangskarbonisieren. Den benötigten Sättigungsdruck bei gegebener Umgebungstemperatur haben wir ja bereits im Schritt 4 ermittelt.

Schließe jetzt die CO2 Flasche an das Keg. Ich habe festgestellt, dass nach dem Druckminderer an der CO2 Flasche ca. 0,1 bis 0,2 Bar abfallen. Das liegt wahrscheinlich an meinem Rückschlagventil, daher gebe ich in der Regel immer 0,2 Bar mehr auf das Keg.

Bier karbonisieren durch Zwangskarbonisierung

An dieser Stelle habt ihr das Bier im Keg und der Sättigungsdruck ist auch eingestellt. Im Kopfraum befindet sich nun eine Mischung aus Sauerstoff und CO2. Dieses gilt es jetzt noch zu entfernen.

Dazu wartet ihr ein paar Sekunden und zieht das Druckablass-Ventil am Keg hoch, sodass Gas entweicht. Diesen Vorgang wiederholt ihr ca. 5 Mal. Erfahrungsgemäß reicht das aus, zumindest hatte ich bisher keine wirklichen Probleme mit Oxidation.

Keg nicht vollgefüllt

Wenn du allerdings dein Keg nicht vollständig gefüllt hast, dann funktioniert diese Methode wahrscheinlich nicht zuverlässig. Dann musst du einen anderen Weg finden, um den Sauerstoff aus dem Keg fernzuhalten.

Zu wenig Bier im Keg

Eine Methode wäre das Fluten des Kegs mit CO2. Dazu füllst du das leere Keg zunächst komplett mit Wasser und drückst dieses dann wieder vollständig heraus. Zurück bleibt ein leeres Keg mit CO2. Dann lässt du den Druck ab und öffnest das Keg. Jetzt schlauchst du langsam und vorsichtig das Bier in das Keg.

CO2 ist schwerer als Luft, daher vermischt sich der Sauerstoff nicht automatisch wieder mit dem CO2. Wenn du vorsichtig bist, hast du am Ende also eine CO2 Decke oben im Keg und kannst es verschließen und das Bier karbonisieren. Weitere Infos hier: Braumagazin.de – Soda Kegs

Hierdurch wird natürlich eine Menge CO2 und Wasser verschwendet, deshalb bevorzuge ich das vollständige Befüllen der Kegs. Es gibt auch praktische 9,45 Liter Kegs.

6. Wartezeit: 5-7 Tage

Die nächste Dimension beim Zwangskarbonisieren ist die Zeit. Nachdem du den Sättigungsdruck eingestellt hast, kannst du leider nicht direkt loszapfen. Das CO2 löst sich nur langsam im Wasser, daher ist eine Wartezeit nötig.

In der Regel lasse ich mein Bier immer 5-7 Tage karbonisieren. Wichtig ist, dass der Druck gehalten wird. Baust du nur kurz den Druck auf und schließt dann wieder die CO2 Flasche, wird der Druck nach einigen Stunden wieder abfallen, da das CO2 im Kopfraum langsam vom Bier aufgenommen wird.

Lasse also die CO2 Flasche aufgedreht und prüfe am besten vorher das ganze System auf Leckagen, damit kein CO2 unkontrolliert austritt.

Einige Hobbybrauer schütteln und rollen das Keg beim zwangskarboniseren. Dadurch soll das Bier unmittelbar aufkarbonisiert sein. Mit dieser Methode habe ich keine Erfahrung gesammelt, da mein Bier eh vor dem Ausschank immer mindestens eine Woche kalt steht. Daher kombiniere ich das immer mit der Zwangskarbonisierung.

7. Zwangskarbonisierung fertig 🙂

Am Ende hast du ein perfekt karbonisiertes Bier. Im Prinzip ist das Vorgehen doch recht einfach, oder? Wenn du es einmal durchgespielt hast sollte es in Zukunft einfach von der Hand gehen.

Alternativen

Zwangskarbonisieren ist super einfach und kostet kaum Zeit. Eigentlich perfekt. Am Ende kostet CO2 aber Geld und lässt sich unter Umständen einsparen.

Alternativ kannst du sowohl Grünschlauchen, als auch mit Zucker oder Speise arbeiten. Beide Methoden hatte ich ja bereits im Teil 2 erläutert.

Mir ist es der Mehraufwand an Zeit nicht wert, aber das mag jeder selber entscheiden dürfen.

Fazit

Ich hoffe ich konnte dir das Thema etwas näherbringen. Zwangskarbonisieren ist einfach und jeder der Kegs besitzt, kann so die Kohlensäure exakt dosieren. Durch den Druck lässt sich Kohlensäure entnehmen, oder mehr hinzugeben.

Meine Biere haben sich Schaumtechnisch total verbessert. Diese Methode spart Zeit, kostet aber Geld.

Mosaik Foto aller Biere die zwangskarbonisiert wurden

 

Quellen

[1] Mineralwasser Wikipedia
[2] Bild: Wasserglas von Manfred Richter auf Pixabay
[3] Bild: Perlung Schaumkrone von Hans Braxmeier auf Pixabay


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