TLDR: Hopfenanbau

Beim Hopfenanbau zieht man Hopfen an hohen Gerüsten und erntet die weiblichen Dolden fürs Bier. Deutschland ist mit 18.961 Hektar und 965 Betrieben (2025) der größte Hopfenproduzent der Welt. Der Großteil wächst in der Hallertau in Bayern. Im Hopfengarten klettern die Triebe von Ende April bis Ende Juni auf ca. 7 Meter und geerntet wird je nach Sorte ab Ende August, im eigenen Garten reicht schon eine Pflanze für mehrere Sude.

Seit 2021 wächst bei mir ein Hallertauer Tradition an der Gabionenwand. Ein Hopfengarten in der Hallertau ist natürlich eine ganz andere Nummer 🙂 Trotzdem laufen im Prinzip die gleichen Arbeiten, nur eben im Kleinen. In diesem Beitrag zeige ich dir den Hopfenanbau in Deutschland mit seinen Anbaugebieten und das Hopfenjahr im Hopfengarten. Außerdem erfährst du, wie du Hopfen im eigenen Garten anbaust. Für die einzelnen Arbeiten gibt es eigene Beiträge, etwa Hopfen pflanzen im Garten, Hopfen schneiden und Hopfen ernten und trocknen.

Was ist Hopfenanbau?

Beim Hopfenanbau wird die Kletterpflanze Hopfen (Humulus lupulus) auf großen Feldern an Gerüsten gezogen, um ihre Dolden zu ernten. Diese Felder nennt man übrigens Hopfengärten.

Nahaufnahme einer reifen grünen Hopfendolde an der Rebe zwischen weiteren Dolden und Blättern im Sonnenlicht

Hopfen ist mehrjährig. Jedes Frühjahr treibt er aus dem Wurzelstock neu aus und klettert dann im Uhrzeigersinn an einem Draht nach oben. Fürs Bier zählen übrigens nur die Dolden der weiblichen Pflanzen, da nur sie das Lupulin mit den Bitterstoffen und Aromen tragen.

Das Lupulin siehst du, wenn du eine reife Dolde aufschneidest. Es ist das gelbe Pulver zwischen den Blättern der Dolde und das brauchen wir beim Brauen. Bei meiner ersten Ernte war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht, da auf den Bildern anderer Hobbybrauer immer viel mehr Lupulin zu sehen war.

Im Hopfengarten stehen dafür hohe Gerüste mit Drähten, an denen der Hopfen ca. 7 Meter hoch wächst. Aus jedem Stock wachsen im Frühjahr 40-60 Triebe, von denen nur 2-3 an den Aufleitdraht angeleitet werden. Laut dem Verband Deutscher Hopfenpflanzer schaffen die Triebe dann 7 Meter in 70 Tagen. Ganz schön schnell!

Ein Hektar Hopfen braucht ca. 250-280 Arbeitsstunden im Jahr, Getreide nur ca. 10. Die zwei Arbeitsspitzen sind das Anleiten im Frühjahr und die Ernte. Beides schaffen die Betriebe laut Verband nur mit Saisonarbeitskräften. Bei mir im Garten war ja schon die Ernte von einer Pflanze eine Mordsarbeit 🙂

Seit wann gibt es Hopfenanbau?

Hopfen wird bei uns eigentlich schon sehr lange angebaut. In der Hallertau ist der Hopfenanbau seit dem 8. Jahrhundert belegt. Das steht zumindest bei Wikipedia.

Im Bier hat sich der Hopfen erst nach und nach durchgesetzt. Hopfen ist ab dem 6. Jahrhundert belegt und ab etwa dem 12. Jahrhundert hat ihn das Würzekochen weiter gestärkt. Im Mittelalter wurde Bier am Niederrhein und in den heutigen Niederlanden aber noch mit Grut gewürzt, also mit einer Mischung aus Kräutern.

Im 14. Jahrhundert sind dann die gewerblichen Brauereien in den Niederlanden auf Hopfen umgestiegen, auch wegen des Preises. So beschreibt es zumindest der Bierhistoriker Roel Mulder. Die ganze Geschichte steht in meinem Beitrag Kräuterbier und Grutbier.

Hopfenanbau in Deutschland

Deutschland ist der größte Hopfenproduzent der Welt. 2025 haben 965 Betriebe in 6 Bundesländern auf 18.961 Hektar Hopfen angebaut. Laut Verband sind das 35% der weltweiten Hopfenfläche und exportiert wird der deutsche Hopfen in mehr als 100 Länder.

Das mit großem Abstand größte Anbaugebiet ist natürlich die Hallertau in Bayern. Sie gilt sogar als größtes Hopfenanbaugebiet der Welt. Von den 43.141 Tonnen Rohhopfen aus der Ernte 2025 kamen allein 37.250 Tonnen aus der Hallertau, also ca. 86%.

AnbaugebietBundeslandErnte 2025
HallertauBayern37.250 Tonnen
TettnangBaden-Württemberg2.724 Tonnen
Elbe-SaaleSachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen2.505 Tonnen
SpaltBayern615 Tonnen
BitburgRheinland-Pfalz47 Tonnen
Deutschland43.141 Tonnen
Erntezahlen 2025 laut Verband Deutscher Hopfenpflanzer

Weltweit wuchs 2025 auf 52.660 Hektar Hopfen und geerntet wurden 109.188 Tonnen. Recht knapp dahinter liegen auf Platz 2 die USA mit 17.057 Hektar. Bei der Alphasäure, also dem Stoff für die Bittere im Bier, kam Deutschland 2025 sogar auf 43% der weltweiten Menge.

Viele Hopfensorten sind übrigens nach ihrem Anbaugebiet benannt. Den Hallertauer Tradition kennst du vielleicht schon aus meinen Rezepten. Dazu kommen z.B. der Tettnanger und der Spalter Select. Wo der Hopfen dann tatsächlich gewachsen ist, verrät der Name aber nicht. Mein Hallertauer Tradition wächst ja z.B. bei mir an der Gabionenwand 🙂

Leicht hatten es die Hopfenbauern 2025 nicht. Der Sommer war sehr warm und vor allem zu trocken, bis Ende Juli endlich der Regen kam. Viele Bestände haben sich dann noch erholt. In Spalt und Tettnang gab es aber nur schlechte Erträge.

Außerdem wird weltweit immer weniger Bier getrunken und laut Verband sind die Hopfenlager voll. 2025 wurden in Deutschland 1.326 Hektar gerodet und 44 Betriebe haben mit dem Hopfen aufgehört. 2026 sind es laut Verband nur noch 17.861 Hektar.

Das Hopfenjahr

Das Hopfenjahr beginnt im Frühjahr mit dem Austrieb und dem Anleiten und endet im Hopfengarten mit der Ernte. Bei mir im Garten kommt Ende Oktober noch der Rückschnitt dazu.

ZeitIm HopfengartenBei mir im Garten 2021 und 2022
März bis AprilDie ersten Triebe kommen aus dem Boden2022 kamen die ersten Triebe schon Ende Januar, Anfang April habe ich sie vor einem Frost abgeschnitten
Ende April bis Ende Juni2-3 Triebe je Stock anleiten, den Rest wegschneiden, die Triebe ranken bis zur Gerüsthöhe2021 die Jungpflanze im Mai gepflanzt, 2022 dann 2 der 3 Triebe nach links und rechts gebogen
Zweite Maihälfte und JuniAufackern, also Erde an die Pflanzen häufen2021 einmal die Woche mit Flüssigdünger gedüngt
Juni bis AugustBestandskontrolle auf Schädlinge und Krankheiten2021 Läuse und Raupen abgesammelt, Mitte August kamen die ersten Dolden
Ende August bis SeptemberErnte mit der Pflückmaschine, danach trocknenErnte von Hand im September
Herbst und WinterRuhezeit bis zum nächsten AustriebEnde Oktober auf Bodenhöhe abgeschnitten und Erde über den Stumpf gehäuft
Das Hopfenjahr als Zeitleiste: im Hopfengarten Austrieb, Anleiten, Kontrolle, Ernte mit Maschine und Ruhezeit, im eigenen Garten Schnitt, Pflanzen, Düngen, Ernte von Hand und Rückschnitt

Das Anleiten und Ausputzen, also das Wegschneiden der übrigen Triebe, ist im Hopfengarten echte Handarbeit und wird kniend erledigt. Ein Hektar braucht dafür alleine ca. 50 Arbeitsstunden. Außerdem treibt der Wind die Triebspitzen immer wieder vom Draht. Daher muss mehrmals von Hand nachgeleitet werden.

Das Nachleiten kenne ich auch aus meinem Garten. 2022 musste ich den Haupttrieb alle paar Tage neu in die Gabionenwand einfädeln, da er sonst einfach nur nach oben gewachsen wäre 🙂

In der zweiten Maihälfte und im Juni wird im Hopfengarten dann aufgeackert. Dabei kommt Erde an die Pflanzen, was den Trieben Halt gibt. Außerdem können sich im Damm neue Wurzeln bilden.

Bei mir war 2022 der Frühjahrsschnitt das große Thema. Anfang April war Nachtfrost angesagt und im Buch Hopfenliebe von Toni Nottebohm steht, dass man die ersten Triebe zeitig entfernt und auf spätere wartet. Daher habe ich fast alle Triebe abgeschnitten. Ob das eine gute Idee war, wusste ich damals selbst nicht 🙂 Ein paar Tage später kamen aber schon neue Triebe hinterher. Wann du Hopfen schneidest und wie viele Triebe du stehen lässt, steht im Beitrag Hopfen schneiden.

Wie wird Hopfen geerntet?

Im Hopfengarten wird Hopfen heute natürlich mit Pflückmaschinen geerntet, je nach Sorte ab Ende August bis in den September. Danach werden die Dolden dann direkt getrocknet, damit sie haltbar bleiben.

In der Hallertau werden dazu in der Regel die Reben samt Draht vom Gerüst geholt und auf dem Hof von der Pflückmaschine gepflückt. Danach kommen die Dolden zum Trocknen in die Darre. Früher war das alles noch harte Handarbeit.

Im Garten ist es das heute noch. Für meine erste Ernte 2021 habe ich ca. 1 Stunde gebraucht und hatte am Ende 1 Eimer voll Hopfen 🙂 Woran du reife Dolden erkennst und wie ich sie getrocknet habe, steht im Beitrag Hopfen ernten und trocknen.

Wo wächst Hopfen?

Weltweit wächst Hopfen vor allem in Deutschland und den USA, die 2025 zusammen ca. 68% der weltweiten Hopfenfläche hatten. In Deutschland wird er in der Hallertau, in Tettnang, im Gebiet Elbe-Saale, in Spalt und bei Bitburg angebaut.

Wild wächst Hopfen vor allem auf dem Land, gerne an Waldrändern oder an Bachufern. Es ist eigentlich lustig, wie viel Hopfen bei uns in der Natur wächst. Wenn man sich damit nicht beschäftigt, dann fällt er einem kaum auf.

Bei mir in der Gegend waren die meisten wilden Pflanzen leider männlich und hatten keine Dolden. Wo man Wildhopfen findet und worauf du dabei achten musst, zeige ich dir im Beitrag Wildhopfen zum Brauen.

Hopfen im eigenen Garten anbauen

Hopfen kannst du auch im eigenen Garten anbauen und schon eine Pflanze reicht für mehrere Sude. Schwer ist das in meinen Augen nicht, auch wenn mich im ersten Jahr vor allem die Raupen echt fertig gemacht haben 🙂

Reife Hopfendolden hängen dicht an Hopfenranken über einer Natursteinmauer im Garten

Bei mir waren es im ersten Jahr ca. 670g frische Dolden und im dritten Jahr ca. 1,5-2kg. Du brauchst dafür eigentlich nur einen sonnigen Platz und eine Rankhilfe, die hoch genug ist. Die wichtigsten Schritte sind folgende:

  1. Robuste Sorte wählen, für Einsteiger z.B. Hallertauer Tradition
  2. Jungpflanze im Mai an einen sonnigen Platz setzen, wie im Beitrag Hopfen pflanzen im Garten
  3. Rankhilfe mit mindestens 4-5 Meter Höhe bauen
  4. Triebe anleiten und regelmäßig düngen
  5. Blätter immer wieder auf Läuse und Raupen kontrollieren
  6. Dolden im Spätsommer ernten und trocknen

Wichtig ist außerdem, dass im Umkreis von ca. 100 Metern kein männlicher Hopfen wächst. 2022 wurde mein Tradition bestäubt und fast jede dritte Dolde hatte Samen gebildet 🙁 Zu den Sorten und zur Rankhilfe kommen demnächst noch eigene Beiträge.

TOBIS TIPP:

Leute, es macht einfach Spaß. Selbst wenn ihr keinen Bock habt zu ernten und euch den Hopfen lieber einfach kauft, kann der Hopfenanbau wirklich schön sein. So richtig aufwändig ist es gar nicht in meinen Augen.

Eigenen Hopfen zum Brauen

Als Einsteiger nimmst du selbst angebauten Hopfen am besten nur für späte Aromagaben oder zum Hopfenstopfen. Wie viel Alphasäure deine Dolden haben, weißt du nämlich nicht genau. Eine Bittergabe wird damit schnell zur Glückssache. Wer damit kein Problem hat, der trifft einfach Annahmen und legt los.

Hand hält einen Vakuumbeutel mit getrockneten Hopfendolden vor einem Vakuumiergerät zum Einlagern der Ernte

Das Aroma kommt aus den ätherischen Ölen im Hopfen, die beim langen Kochen leider verloren gehen. Daher kommt Aromahopfen erst spät in die Würze, in den Whirlpool oder zum Stopfen ins Jungbier. Was Malz, Hopfen, Hefe und Wasser sonst noch im Bier machen, steht im Beitrag Bier Zutaten.

2021 habe ich meine Ernte getrocknet, in 50g Portionen vakuumiert und eingefroren. Ganz frisch kannst du die Dolden aber auch direkt nach der Ernte in die Würze geben. 2022 habe ich so ein Grünhopfenbier gebraut und das Ergebnis war echt klasse! Mehr dazu steht im Beitrag Grünhopfen Bier.

Mein Hopfentagebuch

2021 und 2022 habe ich im Blog aufgeschrieben, wie es mit meinem Hopfen läuft, mit allen Pannen. Das sind die Einträge:

Fazit zum Hopfenanbau

Mit einem Hopfengarten in der Hallertau kann mein Tradition natürlich nicht mithalten. Spaß macht mir der Hopfenanbau im Garten aber trotzdem! Wer jeden Sonntag Infos für Hobbybrauer haben will, der abonniert einfach meinen Braukompass.

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Danke für dein Interesse und bis zum nächsten Mal,
Tobi

FAQ zum Hopfenanbau

Wo wird in Deutschland Hopfen angebaut?

In 5 Anbaugebieten: Hallertau, Tettnang, Elbe-Saale, Spalt und Bitburg. Mit 37.250 von 43.141 Tonnen kam 2025 der allergrößte Teil aus der Hallertau in Bayern.

Welches ist das größte Hopfenanbaugebiet der Welt?

Die Hallertau in Bayern gilt als größtes Hopfenanbaugebiet der Welt. Als Land liegt Deutschland mit 18.961 Hektar (2025) vor den USA mit 17.057 Hektar.

Wer baut in Deutschland den meisten Hopfen an?

Mit Abstand Bayern. Hallertau und Spalt kamen 2025 zusammen auf 37.865 von 43.141 Tonnen, also ca. 88%. Im Schnitt bewirtschaftet ein Betrieb ca. 20 Hektar. Wer der größte einzelne Hopfenbauer ist, habe ich nicht herausgefunden.

Wie hoch wächst Hopfen?

Im Hopfengarten klettert er ca. 7 Meter hoch, laut dem Verband Deutscher Hopfenpflanzer in nur 70 Tagen. Bei mir im Garten wächst er 2 Meter senkrecht und dann waagerecht an der Gabionenwand weiter, auch wenn das nicht ideal ist.

Kann man Hopfen im Garten anbauen?

Das geht gut. Ich habe seit 2021 einen Hallertauer Tradition im Garten und schon die Ernte aus dem ersten Jahr hätte für 2 Sude gereicht.

Warum werden nur weibliche Hopfenpflanzen angebaut?

Nur die weiblichen Pflanzen bilden die Dolden mit dem Lupulin, das wir fürs Bier brauchen. Werden sie von männlichem Hopfen bestäubt, dann bilden sich Samen und das Bier kann laut einigen Berichten eine harsche Bittere bekommen. Mir ist das 2022 passiert und ich habe am Ende 70% der Dolden entsorgt.

Quellen:

[1] Verband Deutscher Hopfenpflanzer e.V., Pressestatement zu Hopfenernte und Hopfenmarkt 2025, 09.12.2025: deutscher-hopfen.de
[2] BarthHaas, Pressemeldung zum BarthHaas-Bericht 2025/2026, 21.07.2026: barthhaas.com
[3] Verband Deutscher Hopfenpflanzer e.V., Arbeitsschritte im Hopfenjahr: deutscher-hopfen.de
[4] Tageskarte, Hallertau: Hopfenernte im weltweit größten Anbaugebiet beginnt: tageskarte.io
[5] Landkreis Pfaffenhofen, Hopfen und Bier erleben: landkreis-pfaffenhofen.de
[6] Wikipedia, Hallertau: de.wikipedia.org
[7] Nottebohm, T., Hopfenliebe, Eugen Ulmer KG, 2020

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