28.07.2018 | Rezeptbewertung

Das Rezept

Color Beer Icon
Auf der Suche nach einem Rezept für ein belgisches Blonde Ale, bin ich durch MMuM auf das Bruder Spülwasser aufmerksam geworden. Die Kommentare und Bewertungen deuten auf ein sehr leckeres Bierchen hin, außerdem wird mit einem schnellen Brautag geworben. Der Autor flying ist ein sehr erfahrener Hobbybrauer und unglaublich aktiv im Hobbybrauer Forum. Das Rezept ist bereits 2011 veröffentlicht worden und ist bei MMuM sehr beliebt. Ich muss zugeben, der Name Bruder Spülwasser ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn man das Rezept liest, steigt die Lust und die Erwartung an den Brautag. 🙂

Belgisches Blondes a la Trappist. Der Haustrunk der Mönche.

Charakterisiert ist dieses Blonde durch eine Stammwürze von 14,4%, eine Bittere von 29 IBU, 13 EBC und ein theoretischer Alkoholgehalt von 6,5%. Gemaischt wird mit Pilsner und Münchner Malz, jedoch wird ein gewisser Teil der Stammwürze durch den Grafschafter Karamellsirup gewonnen. Das hat den Hintergrund, dass dieses Bier sehr hoch vergären soll und der Sirup durch seine vollständige Vergärung diesem Ziel genau in die Karten spielt. Wichtig zu erwähnen ist, dass der Sirup nicht eingemaischt wird, sondern einfach zum Würzebruch, also nach ca. 20 Minuten, zum Kochen hinzugegeben wird. Das Aroma des Sirups wird dabei nicht auf das Bier übertragen. Die Gärtemperatur der Wyeast #3787 Trappist High Gravity liegt bei 24°C.

Koriandersamen

Koriander Samen

Die Koriandersamen einfach mörsern und ohne anzurösten dem Kochen zugeben. Sie haben nach dem Mörsern ein angenehmes Orangenaroma. In diesem Rezept soll das Orangenaroma keineswegs dominant sein, sondern höchstens dezent im Hintergrund.

Abweichung vom Plan

Aus Gründen eines vollen Kühlfachs und fehlender Hopfensorten, wurde der Tradition durch Hallertauer Mittelfrüh und der Saazer durch Tettnanger getauscht. Einen wirklichen spürbaren Unterschied zwischen Tradition und Mittelfrüh gibt es nicht (Diskussion). Der Tausch des doch sehr speziellen Saazers durch Tettnanger ist dann wohl die größere Abweichung vom Rezept. Sie sind zwar sehr ähnlich, aber doch nicht identisch (Quelle).

Der Brautag

Der Läuterprozess ist in diesem Rezept vielleicht etwas ungewohnt. Er nennt sich „batch sparging“ und ist verhältnismäßig einfach umzusetzen. Einfach gesagt, lässt man nach der Läuterruhe die Vorderwürze komplett ablaufen und gibt keine Nachgüsse. Somit laufen die Treber komplett trocken. Im Anschluss schüttet man den kompletten Nachguss auf die Treber und rührt diese auf. Dann wieder normal läutern, bis die Treber erneut trocken sind. Das wars 🙂 In diesem Rezept sind 10l Nachguss mit einer Temperatur von 80°C angegeben. Ich habe letztendlich zu wenig Nachguss gehabt und würde die Menge beim nächsten Brautag um ca. 2 Liter erhöhen.

 

Mein Blonde Ale Resultat

Nach 4 Wochen Reifezeit, ist das Blonde fertig und kann verköstigt werden. Natürlich hatte ich schon vorher probiert, aber diese Rezession basiert auf eben genau diese Zeit des Wartens.

Aussehen: Das Blonde hat eine schöne orange-goldene Farbe und ist trüb. Der Schaum ist sehr feinporig, aber weder stabil, noch haftet er besonders gut.
Geruch: Es duftet in einer Kombination aus Banane, Zitrus und Orange. Letztes ist sehr dezent und kommt meiner Meinung nach von der späten Koriander Gabe. Eine sehr gute Kombination. Der Geruch ist außerdem leicht süß und geringfügig malzig.
Geschmack: Der Antrunk ist leicht rezent. Das Bier schmeckt leicht brotig, was meiner Meinung nach genau richtig und stiltypisch ist. Außerdem ist es weder zu vollmundig, noch zu schlank und daher genau ausgewogen. Im Allgemeinen ist das Bier sehr süffig, aber Vorsicht: Der hohe Alkoholgehalt ist nicht unbedingt spürbar 😉

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Wie bereits angesprochen ist die Schaumstabilität nicht besonders gut. Der Schaum fällt selbst bei aggressivem Eingießen nach kurzer Zeit zusammen. Außerdem haftet er kaum am Glas. Auch andere ausgespülte Gläser ergaben keine Besserung. Nachdem ich mich durch meine Literatur gelesen und alle möglichen Ursachen durchgespielt hatte, fiel mir der wohl wahrscheinlichste Grund auf: Das Bier enthält zu viel Fett.

„Ein weiterer Schaumkiller ist Fett. Das kann zum einen Fett im Glas sein, aber Fett kann auch durch ungewöhnliche Zutaten […] ins Bier kommen.“
(S.412 Buch „Bier Brauen“ von Jan Bücklmeier)

Demnach treten ab einem Fettgehalt von 1 mg/l Schaumprobleme auf. Der eingesetzte Grafschafter Karamellsirup enthält bis zu 500mg Fett /100g Sirup. Somit sind in meinem Bier bis zu 2500mg Fett. Das wären 192mg/l Fett im Bier und somit deutlich über dem, was Jan als Grenzwert beschreibt.

Update: Nach Feedback von René (Rezeptautor alias flying), ein kurzes Update zu meiner Vermutung: Meine Annahme wird relativiert, da sich der errechnete Fettgehalt auf die Würze bezieht. Die Hefe verstoffwechselt einiges an Fett, daher ist im fertigen Bier später weniger Fett enthalten. Allgemein können mehrere Faktoren der Grund für das Schaumproblem sein. René vermutet, dass eine davon meine schwache Karbonisierung ist. Das wird beim nächsten Mal auf jeden Fall geändert (5g/l mindestens). Danke für das Feedback 🙂

Abgesehen von dem Schaumproblem ist dieses Blonde hervorragend. Es schmeckt so frisch und ist trotz des hohen Alkoholgehalts für mich ein sehr schönes Sommerbier. Auch der Dame und anderen Verkosten gefällt es. Karbonisiert habe ich es mit 4,5g/l, was eigentlich etwas zu gering ist, aber ich finde es passt hier perfekt.

 

Willst du auch ein eigenes Etikett erstellen? Dann schaue dir mein Tutorial an: Tutorial 1

Du bist Einsteiger und möchtest erst einmal mit einem Rezept beginnen, dass auf jeden Fall gelingt? Dann schaue dir das Triticum Wormatia an: Rezeptbewertung Triticum Wormatia

Bildquellen:

[1] Food image created by Welcomia – Freepik.com


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