Reife grüne Hopfendolden hängen im Sonnenlicht zwischen Blättern an der Hopfenrebe im Garten

Hopfensorten: Welche es gibt und welche in den Garten passen

TLDR: Hopfensorten

Hopfensorten teilt man grob in Aromahopfen und Bitterhopfen ein. Innerhalb der Aromahopfen gibt es außerdem fruchtige Flavor Hopfen wie Mandarina Bavaria. Weltweit werden 342 Sorten wirtschaftlich angebaut und in Deutschland standen 2026 ca. 50 Sorten auf den Feldern. Für den Garten nimmst du am besten eine robuste Sorte wie den Hallertauer Tradition, die du schon ab Ende August ernten kannst.

Als ich 2021 meinen ersten eigenen Hopfen pflanzen wollte, stand ich natürlich erst einmal vor der Frage, welche Sorte es werden soll. Entschieden habe ich mich dann für den Hallertauer Tradition. In diesem Beitrag zeige ich dir, welche Hopfensorten es gibt und welche davon auch in den Garten passen. Wie der Anbau bei mir abläuft, siehst du auf der Seite Hopfenanbau.

Welche Hopfensorten gibt es?

Hopfensorten werden in der Regel in Aromahopfen und Bitterhopfen eingeteilt. Bitterhopfen haben viel Alphasäure und kommen für die Bittere schon früh in die Würze. Aromahopfen bringen dagegen feine Aromen und kommen erst spät in den Kessel oder zum Stopfen.

Außerdem spricht man von Dual Purpose Sorten, die für beides taugen. Eine Untergruppe der Aromahopfen sind die Flavor Hopfen mit fruchtigen Aromen wie Mandarine oder Melone. Laut dem Verband Deutscher Hopfenpflanzer werden die gerne zum Hopfenstopfen genommen.

Hier eine Auswahl deutscher Hopfensorten mit den Mittelwerten der Gesellschaft für Hopfenforschung in Hüll:

SorteGruppeAlphasäureAroma
Hallertauer TraditionAroma5,6%feinwürzig, hopfig, etwas zitrusartig
Hallertauer MittelfrühAroma3,8%hopfig, blumig, grasig
TettnangerAroma3,5%krautig, hopfig, blumig
SpalterAroma3,6%hopfig, krautig
Spalter SelectAroma4,5%hopfig, krautig, blumig
PerleAroma6,7%hopfig, krautig, blumig
SaphirAroma3,4%blumig, zitrusartig
Mandarina BavariaAroma (Flavor)8,1%fruchtig, zitrusartig
Huell MelonAroma (Flavor)6,5%Honigmelone, Aprikose, Erdbeere
CallistaAroma (Flavor)3,4%Maracuja, Pfirsich, Beeren
ArianaAroma (Flavor)9,7%rote Beeren, süße Früchte
Hallertauer MagnumBitter13,1%harmonische Bittere
HerkulesBitter16,1%harmonische Bittere

Die Alphasäure schwankt übrigens ganz schön von Jahr zu Jahr. Den genauen Wert für deinen Hopfen findest du daher immer auf der Packung. Alle Sorten aus Hüll stehen auch in der Sortenübersicht der Hopfenforschung.

Balkendiagramm der Alphasäure ausgewählter Hopfensorten nach der Gesellschaft für Hopfenforschung, von Saphir mit 3,4% bis Herkules mit 16,1%, farbig nach Aroma, Flavor und Bitter

Was steckt im Hopfen?

Im Hopfen stecken vor allem Bitterstoffe und Hopfenöle. Die sitzen im Lupulin der weiblichen Dolden. Das Lupulin siehst du als gelbes Pulver zwischen den Blättern, wenn du eine reife Dolde aufschneidest.

Für die Bittere sorgen die Alphasäuren, sobald sie beim Kochen der Würze isomerisiert werden. Das Aroma kommt dagegen von den Hopfenölen. Die sind flüchtig und gehen beim langen Kochen verloren, was auch der Grund ist, warum der Aromahopfen erst spät dazukommt.

Wie viele Hopfensorten gibt es?

Weltweit werden 342 Hopfensorten wirtschaftlich angebaut. Das steht zumindest in der Sortenliste des Internationalen Hopfenbaubüros von 2025. Dazu kommen noch viele alte Sorten. Die stehen nur noch in Sortengärten und fehlen daher in der Liste.

In Deutschland standen 2026 laut den Flächendaten des Verbands Deutscher Hopfenpflanzer ca. 50 Sorten auf den Feldern. Am meisten Fläche hat dabei der Bitterhopfen Herkules mit ca. 7.646 Hektar. Das sind schon ca. 43% der deutschen Hopfenfläche.

Aromahopfen aus Deutschland

Die klassischen deutschen Aromahopfen haben wenig Alphasäure und bringen ein feines, eher hopfiges bis blumiges Aroma ins Bier. Dazu gehören z.B. Tettnanger, Spalter und natürlich der Hallertauer Tradition.

Spalter und Tettnanger sind eher krautig und hopfig, der Tettnanger ist dabei etwas blumiger. Beim Saphir beschreibt die Hopfenforschung dagegen blumig-fruchtige und zitrusfrische Noten. Welche davon in ein Pils passen, zeige ich dir im Beitrag Hopfen für ein Pils.

Der Hallertauer Mittelfrüh ist eine alte Landsorte aus der Hallertau. Laut BarthHaas wäre er wegen seiner Anfälligkeit für die Hopfenwelke sogar fast verschwunden.

Der Hallertauer Tradition ist dagegen eine Züchtung aus Hüll und schon seit 1992 auf dem Markt. Laut der Hopfenforschung ist er eine feinwürzige, universell einsetzbare Aromasorte.

Flavor Hopfen: fruchtige Aromahopfen

Flavor Hopfen sind eigentlich ganz normale Aromahopfen mit fruchtigen und exotischen Aromen, die sich deutlich vom klassischen Hopfenaroma unterscheiden. Offiziell gibt es aber nur Aroma und Bitter und in allen aktuellen Statistiken laufen Flavor Hopfen bei den Aromasorten. Am besten kommen sie bei späten Gaben und beim Stopfen zur Geltung.

Den Begriff gibt es auch erst seit ca. 2011. Er kam mit dem Craft Bier Trend aus den USA, wo der Anteil solcher Sorten an der Hopfenfläche laut der Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft von 13,6% im Jahr 2010 auf 59% im Jahr 2015 gestiegen ist. Am Hopfenforschungszentrum Hüll in der Hallertau hat Anton Lutz schon 2006 die ersten gezielten Kreuzungen in diese Richtung gemacht, mit Cascade als Mutter.

2012 kamen dann schließlich Mandarina Bavaria, Huell Melon, Hallertau Blanc und Polaris auf den Markt, 2016 folgten Callista und Ariana. Von 2013 bis 2018 führte die Landesanstalt die Flavor Hopfen sogar in einer eigenen Tabelle. Inzwischen nennt sie diese nur noch Aromasorten mit speziellen Eigenschaften.

Polaris ist übrigens ein Sonderfall. Er wurde als fruchtiger Hopfen mit sehr viel Alphasäure gezüchtet und von der Hopfenforschung als Dual Purpose Sorte beschrieben. In der Statistik läuft er heute aber bei den Bittersorten.

Glas Bier mit der Hopfensorte Mandarina Bavaria neben drei Mandarinen auf einem Holztisch

2020 habe ich mal ein IPA mit Mandarina Bavaria und Huell Melon gebraut. Versprochen hat das Rezept ein Aroma von Mandarinen und Erdbeeren. Klingt erst einmal ganz spannend.

Die Mandarine lag dann auch klar im Vordergrund und die Erdbeere war leicht zu erkennen. Melone habe ich dagegen gar nicht wahrgenommen. Insgesamt war mir das Hopfenaroma für ein IPA zu schwach und eine Kalthopfung hätte das Rezept in meinen Augen noch vertragen.

Bitterhopfen

Mit Bitterhopfen bekommst du schon mit wenig Hopfen viel Bittere, da sie ja einfach viel Alphasäure haben. Bekannte deutsche Bittersorten sind z.B. Herkules mit ca. 16% Alphasäure und Hallertauer Magnum mit ca. 13%.

Hopfenpellets von zwei Hopfensorten neben Malz und Röstmalz in Schalen auf einem Holztisch

Zum Bittern habe ich gerne Herkules genommen, am Anfang auch mal Magnum. Taurus oder Merkur kann man aber genauso gut nehmen.

Hopfensorten aus anderen Ländern

Viele bekannte Hopfensorten kommen aus Tschechien, England und den USA. Für ein böhmisches Pils kommst du am Saazer aus Tschechien kaum vorbei und aus England kommen z.B. East Kent Golding und Fuggle.

Amerikanische Sorten wie Cascade, Citra oder Mosaic bringen dagegen das typische IPA Aroma nach Zitrus und tropischen Früchten. Cascade wird übrigens auch in Deutschland angebaut.

Centennial hat laut dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium 9-12% Alphasäure und ein zitrusartig blumiges Aroma. Zusammen mit Amarillo und Mosaic haben wir damit 2020 unser White IPA gehopft. Das hat auf der HBCON dann in der Kategorie Kveik den 1. Platz gemacht 🙂

Welche Hopfensorte für den Garten?

Für den Garten nimmst du am besten eine robuste Sorte, die nicht zu spät reif wird und als Jungpflanze leicht zu bekommen ist. Meinen Hallertauer Tradition habe ich 2021 als Jungpflanze bei Eickelmann bestellt. Wie du den Hopfen als grüne Wand nutzt, zeige ich dir im Beitrag Hopfen als Sichtschutz.

Junge Hopfenpflanze der Hopfensorte Hallertauer Tradition mit Pflanzenschild vor einer Gabionenwand

Robust heißt, dass die Sorte gegen Krankheiten wie die Hopfenwelke oder den Mehltau widerstandsfähig ist. Die Gesellschaft für Hopfenforschung bewertet für jede Sorte einzeln, wie widerstandsfähig sie ist:

SorteWelkeFalscher MehltauEchter MehltauReife
Hallertauer Traditionmittelgutmittelmittelfrüh
Tettnangergutgeringmittelfrüh
Spaltergutgeringmittelfrüh
Spalter Selectgutgutgeringmittel
Saphirmittelgeringmittelmittelfrüh
Mandarina Bavariamittelmittelgutspät
Callistagutgutgutmittelspät
Arianagutgutgutspät
Hallertauer Mittelfrühgeringgeringmittelfrüh
Cascadegeringmittelmittelmittelspät

Gegen Falschen Mehltau ist der Tradition laut der Hopfenforschung gut widerstandsfähig, gegen Welke und Echten Mehltau nur mittel. Eickelmann bescheinigt ihm aber eine hohe Widerstandskraft gegen Krankheiten und Schädlinge und hält ihn für den Hausgebrauch für bestens geeignet. Bei mir hatte er im ersten Jahr zwar Läuse, aber keinen Mehltau.

Auf dem Papier sind Callista und Ariana sogar noch robuster. Sie werden allerdings erst mittelspät bis spät reif. Bei einer spät reifen Sorte kommst du mit der Ernte ins feuchte Herbstwetter und dann gibt’s schnell Probleme mit Schimmel an den Dolden.

Die Hopfenforschung stuft den Tradition als mittelfrüh ein. Ernten kannst du ihn trotzdem schon ab Ende August.

Von Sorten wie Citra, Mosaic oder Galaxy würde ich im Garten die Finger lassen. Viele davon sind patentiert und schwer zu bekommen. Außerdem brauchen sie ein anderes Klima als bei uns in Mitteleuropa und sind oft auch anfälliger.

Es gibt aber auch amerikanische Sorten als Jungpflanze, Centennial beschreibt Eickelmann z.B. als widerstandsfähig. 2026 sind bei mir ein Centennial und außerdem ein Gimoli eingezogen.

Gimoli ist eine Zwergsorte und wird laut Eickelmann nur ca. 4 Meter hoch. Damit passt er auch bei wenig Platz oder in Tröge und Kübel.

Jungpflanzen der Hopfensorten Gimoli und Centennial von Eickelmann in Töpfen

Wichtig ist auf jeden Fall, dass du eine weibliche Jungpflanze kaufst und kein männlicher Hopfen in der Nähe wächst. Bei Eickelmann gibt es übrigens nur weibliche Jungpflanzen. Mein Tradition wurde 2022 bestäubt und hatte danach Samen in den Dolden 🙁 Worauf du beim Wildhopfen achten musst, steht im Beitrag Wildhopfen zum Brauen.

Den eigenen Hopfen nimmst du dann am besten nur für späte Gaben oder zum Hopfenstopfen, da die Alphasäure von Jahr zu Jahr schwankt. Wie du die Pflanze einsetzt, steht im Beitrag Hopfen pflanzen im Garten.

Fazit zu den Hopfensorten

Beim Brauen kannst du dir die Hopfensorte einfach nach Bierstil und Aroma aussuchen. Für den Garten zählt dagegen vor allem die Robustheit. Da ist der Hallertauer Tradition in meinen Augen die sichere Wahl für den Einstieg. Wer jeden Sonntag Infos für Hobbybrauer haben will, der abonniert einfach meinen Braukompass.

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Danke für dein Interesse und bis zum nächsten Mal,
Tobi

FAQ zu Hopfensorten

Wie viele Hopfensorten gibt es?

Weltweit werden laut dem Internationalen Hopfenbaubüro 342 Sorten wirtschaftlich angebaut (Stand 2025). In Deutschland standen 2026 ca. 50 Sorten auf den Feldern.

Was ist der Unterschied zwischen Aromahopfen und Bitterhopfen?

Bitterhopfen wie Herkules haben mit ca. 16% viel Alphasäure und kommen früh in die Würze. Aromahopfen haben weniger Alphasäure und bringen feine Aromen. Daher kommen sie erst spät dazu oder zum Stopfen.

Welche Hopfensorte ist für den Garten am besten?

Für den Einstieg nimmst du am besten eine robuste Aromasorte, die nicht zu spät reif wird. Ich habe 2021 den Hallertauer Tradition gepflanzt, den du schon ab Ende August ernten kannst.

Kann man eigenen Hopfen zum Bittern nehmen?

Möglich ist das schon, aber die Bittere wird dann zur Glückssache. Ein Tradition kann in einem guten Jahr bei 7% Alphasäure liegen und im nächsten vielleicht nur bei 4%.

Welche Hopfensorte passt ins Pils?

Für ein norddeutsches Pils passen Spalter oder Tettnanger, für ein böhmisches Pils der Saazer. Mehr dazu steht im Beitrag Hopfen für ein Pils.

Autor

  • Tobias Meyknecht, Malzknecht

    Tobias Meyknecht ist der Gründer und Autor von Malzknecht, einem Blog für Hobbybrauer, die tiefer in die Kunst des Brauens eintauchen möchten. Mit über 10 Jahren Erfahrung im Bierbrauen konzentriert sich Tobias auf praktisches Handwerkswissen und experimentelle Brauverfahren.

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