Bier brauen im Thermomix: Thermomix mit Malz, Hopfen und Flaschen für einen kleinen Sud

Bier brauen im Thermomix

TLDR: Bier brauen im Thermomix

Mit dem Thermomix kannst du einen kleinen Test-Sud brauen, realistisch etwa zwei Liter, also rund vier Flaschen. Es funktioniert, hat aber klare Grenzen: die Rasttemperaturen lassen sich nur grob halten, das Schrotbild ist nicht ideal, und das Läutern wird zur Bastelei. Für den ersten Versuch in der Küche reicht es allemal. Wenn du regelmäßig in kleinen Mengen brauen willst, ist eine kompakte Anlage der bessere Weg.

Ich habe irgendwann in der Küche brauen wollen, hatte aber keine passende Anlage dafür. Also habe ich genommen, was da stand: den Thermomix. Später habe ich es auch mit dem Monsieur Cuisine probiert. Beides geht, aber beides hat mir am Ende gezeigt, warum ich heute anders braue.

Dieser Beitrag gehört zu meiner Reihe über Small Batch Brewing, also das Brauen in kleinen Mengen. Er zeigt dir ehrlich, was mit dem Thermomix geht, wo die Grenzen liegen und wie du deinen ersten Test-Sud hinbekommst. Wenn du danach dranbleiben willst, ist der 9er die Anlage, mit der du wirklich ohne Aufwand, ohne Sauerei und mit viel Freude in der Küche brauen kannst.

Was der Thermomix beim Brauen leisten kann

Der große Reiz ist, dass du kaum etwas Zusätzliches brauchst. Bis auf die Zutaten steht das meiste schon in deiner Küche. Der Thermomix heizt, rührt und hält Temperatur, und genau das sind die drei Dinge, die du beim Maischen brauchst.

Dazu kommt das Tempo. Ein normaler Brautag zieht sich schnell über acht Stunden. Ein kleiner Sud im Thermomix ist deutlich schneller durch, passt auf die Arbeitsfläche und ist danach in wenigen Minuten gereinigt. Für einen ersten Versuch ist das ein niedrigschwelliger Einstieg.

  • Bis auf die Zutaten ist fast alles vorhanden.
  • Schneller als ein klassischer Brautag.
  • Wenig Platzbedarf, alles spielt sich in einem Gerät ab.
  • Einfache Reinigung nach dem Sud.

Die ehrlichen Grenzen

So praktisch das klingt, du solltest mit realistischen Erwartungen rangehen. Am Ende landen bei mir etwa zwei bis drei Liter Würze im Gärgefäß, davon geht durch Hefe und Trub nochmal rund zehn Prozent ab. Rechne also mit maximal zwei Litern fertigem Bier, das sind rund vier 0,5-Liter-Flaschen.

Etwa zwei Liter Würze aus dem Thermomix-Sud im Messbecher

Die zweite Grenze ist die Temperaturführung. Die Skala springt in Fünf-Grad-Schritten, und ob du bei 60, 65 oder 70 Grad maischst, macht beim Bier einen großen Unterschied, weil die Enzyme nur ein enges Wirkoptimum haben. Im Bereich zwischen 50 und 70 Grad habe ich außerdem deutliche Schwankungen gemessen. Ein separates Thermometer und gelegentliches manuelles Nachstellen sind hier Pflicht.

Dazu kommen Kleinigkeiten: Das Schrotbild aus dem Mixer ist nicht so sauber wie aus einer Malzmühle, und zum Abläutern fehlt dem Thermomix schlicht die passende Vorrichtung. Die Maische ist im Topf, und du musst sie da wieder heraus und in klare Würze verwandeln. Das führt direkt zum größten Ärgernis.

Geschrotetes Malz aus dem Thermomix, das Schrotbild ist gröber als aus einer Malzmühle

Abläutern und Abseihen, die zwei wunden Punkte

Wenn ich die Stellen nennen müsste, an denen die meisten denken, das hätte mir vorher jemand sagen sollen, dann sind es das Abläutern und das Abseihen. Beim Abläutern trennst du nach dem Maischen die Würze vom Treber. Ich habe dafür einfach den Edelstahlsieb genommen. Die Flüssigkeit läuft sofort komplett durch, statt langsam durchzusickern, beim Umschütten plätschert und spritzt es, und Nachgüsse kannst du so kaum sinnvoll geben.

Abläutern der Maische mit dem Edelstahlsieb, ohne Tuch

Das eigentliche Verstopfen kommt erst später, beim Abseihen nach dem Kochen. Hier musst du Hopfen und Trub aus der Würze holen, und dafür habe ich ein Küchentuch ins Sieb gelegt. Genau das setzt sich zu, läuft nur noch tröpfchenweise und wird zur echten Sauerei. Mit einem desinfizierten Löffel kannst du vorsichtig rühren, damit es nicht ganz dichtmacht. Bei kleinen Mengen ist das machbar, nach zehn oder zwanzig Suden hast du Routine, aber genau die fehlt beim einmaligen Experiment, und dann ärgert man sich, dass man nichts Vernünftiges dafür hat.

Abseihen nach dem Kochen: Hopfen und Trub setzen das Küchentuch zu

Was du für den Thermomix-Sud brauchst

Viel ist es nicht. Neben den Zutaten für ein kleines Rezept brauchst du vor allem sauberes Behelfs-Equipment und Geduld. Eine ausführliche Grundausstattung findest du in meiner Übersicht zur Brauausrüstung.

Für diese kleinen Mengen empfehle ich den Kauf über Braumischung.de. Bei Lukas kannst du alles grammgenau für den Thermomix kaufen. Alternativ schaue doch gerne bei Brauzutaten.de nach alternativen Rohstoffen.

  • Zutaten für einen kleinen Sud: Malz (am einfachsten fertig geschrotet), Hopfen, Hefe.
  • Ein Gärgefäß, das sich gut reinigen und desinfizieren lässt.
  • Küchensieb und ein sauberes Tuch fürs Läutern und Hopfenseihen.
  • Ein separates Thermometer zum Nachmessen.
  • Oxi-Reiniger zum Desinfizieren, aber niemals Spülmittel (dazu unten mehr).
  • Leere Flaschen zum Abfüllen.

Der Ablauf im Thermomix in Kurzform

Den kompletten Brauprozess mit allen Hintergründen erkläre ich in meiner Brauanleitung in sechs Schritten. Hier die auf den Thermomix angepasste Kurzfassung, mit konkreten Werten aus meinem eigenen Test-Sud.

  • Maischen: rund 1,76 Liter Wasser auf 50 Grad, geschrotetes Malz zugeben, dann 45 Minuten zwischen 60 und 65 Grad halten (nie 70 Grad erreichen), danach 30 Minuten auf 75 Grad.
  • Läutern: Maische durch Sieb und Tuch in einen Topf ablaufen lassen, Würze zurück ins Gerät, auf etwa 2 Liter auffüllen.
  • Kochen: rund 6 Gramm Hopfen (bei mir Callista), etwa 60 Minuten kochen.
  • Seihen und Kühlen: heiße Würze durch das abgekochte Tuch in den Gäreimer (irgendein großes Gefäß mit mind. 3 Liter) filtern, zügig im kalten Wasserbad herunterkühlen.
  • Gärung: bei rund 20 Grad die Hefe zugeben (etwa 3 Gramm Nottingham), 20 bis 22 Grad halten, mindestens zwei Wochen stehen lassen und nicht öffnen.
  • Abfüllen: mit etwas Zucker pro Flasche für die Nachgärung, weitere zwei Wochen bei Zimmertemperatur, dann kalt stellen.

So sieht der Ablauf im Thermomix in Bildern aus, vom Schroten über die Maische-Rast und das Würzekochen bis zum Abmaischen:

Ungeschrotetes Malz fällt zum Schroten in den Thermomix
Thermomix hält 65 Grad während der Maische-Rast
Würzekochen im Thermomix bei 110 Grad

Temperatur richtig führen

Weil die Fünf-Grad-Schritte für sauberes Maischen zu grob sind, arbeite ich mit einem separaten Thermometer und stelle den Thermomix bei Bedarf manuell um. Gerade im unteren Bereich lohnt sich das Nachmessen, weil die tatsächliche Temperatur von der Anzeige abweichen kann. Lieber einmal mehr prüfen als eine ganze Rast daneben zu setzen.

Externes Thermometer zeigt beim Maischen eine andere Temperatur als die Thermomix-Anzeige

Reinigung nach dem Sud

Nach dem Brauen ist die Reinigung angenehm schnell, das ist einer der echten Vorteile am Thermomix. Wichtig ist vor allem eine Sache: Verwende kein Spülmittel. Spülmittelreste sorgen später für extreme Schaumprobleme, beim Kochen wie in der Flasche. Reinige stattdessen mit heißem Wasser und einem Oxi-Reiniger, der desinfiziert zugleich, und spüle danach gründlich mit klarem Wasser nach.

Alternativen: Monsieur Cuisine und Küchenmaschinen

Der Thermomix ist nicht das einzige Gerät, das sich für einen Test-Sud eignet. Der Monsieur Cuisine funktioniert nach demselben Prinzip, und moderne Küchenmaschinen mit präziser Temperaturregelung eröffnen ähnliche Möglichkeiten. Dazu zählen zum Beispiel Moulinex Click Chef, KRUPS Prep&Cook XL, NINJA Foodi SmartLid, KENWOOD Cooking Chef XL oder BOSCH Cookit.

Manche davon regeln die Temperatur feiner als der Thermomix, was beim Maischen hilft. Die grundsätzlichen Grenzen bleiben aber gleich: kleine Mengen und ein umständliches Läutern. Egal welches Gerät du nimmst, es ist ein Einstieg zum Ausprobieren, keine dauerhafte Braulösung.

Wann sich der Schritt auf eine kleine Anlage lohnt

Sobald dir der erste Sud Spaß macht und du öfter brauen willst, wird das ständige Improvisieren zum Bremsklotz. Genau an diesem Punkt bin ich damals auf eine eigene kleine Anlage umgestiegen. Mit dem 9er braue ich direkt auf dem Herd, brauche keinen Thermomix und komme auf bis zu zehn Liter pro Sud. Das Läutern ist gelöst, die Temperatur lässt sich sauber führen, und der ganze Aufwand fühlt sich nicht mehr nach Notlösung an.

Der Thermomix bleibt trotzdem ein guter Startpunkt. Er zeigt dir, ob dir das Brauen liegt, ohne dass du gleich investieren musst. Und wenn du dann Blut geleckt hast, findest du unter Small Batch Brewing, wie kleine Sude dauerhaft funktionieren.

Dein erster Sud aus der Küche

Bier aus dem Thermomix ist kein Wettbewerbsbier, aber es ist dein Bier, gebraut in deiner Küche, mit dem, was da war. Genau das macht den ersten Test-Sud so lohnend. Hast du es schon mit dem Thermomix oder einer anderen Küchenmaschine probiert? Schreib gern in die Kommentare, wie dein Ergebnis geworden ist, ich bin immer neugierig auf die Behelfs-Tricks der Community.

Fertiges selbst gebrautes Bier aus dem Thermomix in Flaschen und Krug

Häufige Fragen

Kann man mit dem Thermomix wirklich Bier brauen?

Ja, für einen kleinen Test-Sud funktioniert es. Der Thermomix übernimmt Heizen, Rühren und Temperaturhalten. Für saubere Rasten und größere Mengen stößt er aber schnell an seine Grenzen.

Wie viel Bier kommt am Ende heraus?

Realistisch etwa zwei Liter fertiges Bier, also rund vier 0,5-Liter-Flaschen. Es ist eine Menge zum Ausprobieren, nicht zum Vorratsbrauen.

Was ist beim Thermomix-Brauen das größte Problem?

Das Läutern. Die Maische muss aus dem Topf, und ohne passende Vorrichtung behilfst du dich mit Sieb und Tuch. Das verstopft leicht und wird eine Sauerei, ist bei kleinen Mengen aber machbar.

Geht es auch mit dem Monsieur Cuisine oder anderen Küchenmaschinen?

Ja. Der Monsieur Cuisine und Geräte wie KENWOOD Cooking Chef oder BOSCH Cookit funktionieren nach demselben Prinzip, teils mit feinerer Temperaturregelung. Die Grenzen bei Menge und Läutern bleiben aber gleich.

Warum darf ich kein Spülmittel verwenden?

Spülmittelreste führen zu extremen Schaumproblemen beim Brauen und in der Flasche. Reinige und desinfiziere lieber mit einem Oxi-Reiniger und spüle gut mit klarem Wasser nach.

Autor

  • Tobias Meyknecht, Malzknecht

    Tobias Meyknecht ist der Gründer und Autor von Malzknecht, einem Blog für Hobbybrauer, die tiefer in die Kunst des Brauens eintauchen möchten. Mit über 10 Jahren Erfahrung im Bierbrauen konzentriert sich Tobias auf praktisches Handwerkswissen und experimentelle Brauverfahren.

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