TLDR: Bier brauen in der Wohnung
Bier brauen in der Wohnung funktioniert gut, wenn der Sud klein bleibt und der Dampf nach draußen kann. In meiner alten Wohnung in Münster hatte ich mit 20-22 Liter pro Sud vor allem Ärger mit Dampf und Schlepperei. Heute würde ich dort 10 Liter in der Küche brauen, nicht läutern und ohne Abluft eine kleine Elektroplatte unters gekippte Fenster stellen. Bis 500 Liter im Jahr musst du das Brauen außerdem nicht beim Zoll anmelden und zahlst keine Biersteuer.
Viele Jahre habe ich in einer Wohnung in Münster gebraut, im 3. Stock mit Balkon und Kellerraum. Beim ersten Sud habe ich alles im Wohnzimmer am Fenster aufgebaut und dann recht schnell gemerkt, dass das eigentlich keine gute Idee ist. In diesem Beitrag zeige ich dir, worauf du beim Bier brauen in der Wohnung achten musst und was ich heute anders machen würde.
Kann man Bier in der Wohnung brauen?
Bier brauen in der Wohnung geht sehr gut, wenn die Sudgröße zur Wohnung passt und der Dampf nach draußen kann. Für 10 Liter brauchst du nicht viel mehr als einen großen Kochtopf, einen Gäreimer und etwas Platz im Schrank. Was du an Ausrüstung zum Bier brauen zu Hause brauchst, steht in meinem Ausrüstung Ratgeber. Speziell für die Küche habe ich alles im Beitrag Bier brauen in der Küche aufgeschrieben.
Beim Zoll ist das Brauen für den Eigenbedarf übrigens kein Thema mehr. Seit 2025 darfst du als Hobbybrauer 500 Liter Bier im Jahr steuerfrei brauen. Darunter musst du auch nichts mehr beim Hauptzollamt anmelden. Alle Details zur Biersteuer findest du im Beitrag Zoll und Steuern. Was dein Mietvertrag zum Brauen sagt, kann ich dir dagegen leider nicht beantworten, da ich kein Anwalt bin.
Ich habe in Münster mit einer Induktionsplatte von Hendi, einem 34 Liter Topf, einem geliehenen Einkocher und einem Kunststoffeimer angefangen. Damit habe ich dann 20-22 Liter pro Sud gebraut. Rückblickend war genau diese Sudgröße aber der größte Nachteil in der Wohnung.
Mit kleinen Suden von ca. 10 Liter wird vieles leichter. Es entsteht einfach weniger Dampf und alles passt in einen Raum. Warum ich inzwischen fast nur noch kleine Sude braue, liest du in meiner Rubrik Small Batch Brewing.
Wohin mit dem Dampf beim Würzekochen?
Der Dampf beim Würzekochen muss raus aus der Wohnung! Am besten geht das über eine Abzugshaube mit Abluft nach draußen.

Eine Umlufthaube hilft dir dabei leider nicht, da sie den Wasserdampf einfach zurück in den Raum bläst. Hast du nur Umluft, dann stellst du eine kleine Elektroplatte direkt unters Fenster und lüftest die ganze Zeit.
Beim Würzekochen verdampfen bei mir locker 1,5 Liter Wasser. Dazu kommt noch etwas Dampf beim Maischen und Kühlen. Ganz schön viel, oder?
Ein ganzer normaler Kochtag bringt dagegen nur ca. 0,5-1 Liter Wasserdampf in die Wohnung. Das steht zumindest im Merkblatt zum Heizen und Lüften der Stadt Münster.
Bleibt der Dampf drin, dann steigt natürlich die Luftfeuchtigkeit und es wird überall feucht. Schimmel kann laut demselben Merkblatt schon ab 70% relativer Luftfeuchtigkeit entstehen.
Beim ersten Sud in meiner alten Wohnung stand alles im Wohnzimmer an einem Fenster. Das Fenster musste dann die ganze Zeit offen bleiben. Draußen war schlechtes Wetter und in der Wohnung wurde es immer kälter. Der Dampf ist trotzdem nicht richtig abgezogen, da ich mit dem Topf halt nicht nah genug ans Fenster kam.
In der Küche hat es danach zwar besser funktioniert, aber wir hatten dort leider nur eine Umluft Abzugshaube. Bei 20-22 Liter ist so viel Luftfeuchtigkeit entstanden, dass die Haube sie gar nicht abziehen konnte. Also wieder Fenster auf!
Ein offenes Fenster ist ja nicht per se schlecht. Bei großen Mengen musst du aber wirklich dafür sorgen, dass der Dampf gut abzieht. Bei 10 Liter ist das in der Regel dann nicht mehr so kritisch.
Aufpassen musst du außerdem beim Aufkochen, da die Würze schnell überkocht. Das macht man in der Regel einmal falsch und dann nie wieder 🙂 In der Wohnung ist das besonders ärgerlich, da die klebrige Würze dann über Herd und Boden läuft.
Riecht die Wohnung beim Brauen?
Mit einer Abzugshaube mit Abluft riecht die Wohnung beim Brauen kaum, zumindest bei mir. Es riecht halt vor allem beim Einmaischen nach Malz und beim Kochen nach Hopfen. Den Geruch beim Einmaischen liebe ich ja sowieso 🙂
Mit Umluft bleibt mehr Geruch in der Wohnung hängen. Dann machst du am besten die Küchentür zu und lüftest über das Fenster. Über die Wohnungstür zieht der Geruch nämlich ins Treppenhaus und die Nachbarn riechen mit 😉
Riechen kann außerdem der Treber, wenn er in der Küche stehen bleibt, da er recht schnell verdirbt. Lasst ihn daher nicht lange rumstehen und bringt ihn direkt nach dem Brauen raus. Wer mag, der backt daraus noch ein Treberbrot.
Wie kühlst du die Würze in der Wohnung?
Bei 10 Liter kühlst du die Würze in der Wohnung am einfachsten im Eisbad in der Spüle. Für einen Eintauchkühler brauchst du dagegen einen Wasserhahn, an den du einen Schlauch anschließen kannst. Den hat aber leider nicht jede Wohnung.
Ziemlich nervig war in meiner alten Wohnung in Münster auch das Kühlen. Ich hatte mir extra einen Eintauchkühler gekauft, den ich heute noch habe. Im Wohnzimmer gab es aber kein Wasser und an den Küchenhahn konnte ich auch nichts anschließen.
Das Einzige, was ging, war der Hahn im Gästebad. Dort habe ich dann den Perlator (also das Sieb vorne am Hahn) abgedreht und einen Gardena Adapter draufgeschraubt.
Der Gäreimer mit der Würze stand dann im Gästebad mit der Kühlspirale darin. Das warme Kühlwasser lief über einen Schlauch in die Toilette, was nicht besonders appetitlich aussah. Einmal ist mir dann auch noch die Gardena Kupplung vom Hahn geflogen. Das Wasser hat sich überall in der Toilette verteilt.
Das war alles echt provisorisch. Heute kühle ich meine 10 Liter einfach im Eisbad in der Spüle, ganz ohne Schlauch.
Wo gärt das Bier in der Wohnung?
Das Bier gärt in der Wohnung am besten an einem ruhigen Platz mit gleichmäßiger Gärtemperatur. Also nicht in der Sonne und nicht neben der Heizung. Obergärige Biere kommen dort mit Zimmertemperatur gut klar. Untergärige Hefen brauchen dagegen ca. 8-12°C, also einen kühlen Keller oder bestenfalls einen umgebauten Kühlschrank als Gärschrank.

In meiner alten Wohnung in Münster stand der Gäreimer im Keller in einem kleinen Kühlschrank. Dafür musste ich ihn jedes Mal vom 3. Stock durchs Treppenhaus nach unten tragen, mit über 20 Liter Würze darin. So einen Eimer kannst du ja nur vor der Brust tragen und das ist echt schwer!
Bei 10 Liter wiegt der volle Gäreimer dagegen nur ca. 11 kg. Den trägst du auch noch gut in den Keller. Wie du dir selbst einen Gärschrank baust, zeige ich dir im Beitrag Gärschrank selbst bauen.
Während der Gärung blubbert es aus dem Gärröhrchen. Vor allem in den ersten Tagen riecht es im Raum auch etwas nach Hefe. Dabei entsteht natürlich auch Kohlendioxid. Laut der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) sind das bei 10 Liter Würze mit 12°P ca. 180 Liter, verteilt über mehrere Tage.
Kohlendioxid ist schwerer als Luft und sammelt sich unten, z.B. im Keller. Laut BGN sind 0,5-1% in der Atemluft kurzzeitig ohne Beschwerden. Ich rechne mal kurz nach: Ein Zimmer mit 12 Quadratmetern hat ca. 30.000 Liter Luft. Selbst wenn die 180 Liter auf einmal kämen, wären das nur ca. 0,6%.
Da die Gärung über mehrere Tage läuft und zwischendurch gelüftet wird, bist du in einem normalen Zimmer weit darunter. Aufpassen solltest du eher bei großen Mengen in einer kleinen Kammer ohne Fenster oder in einem tiefen Kellerraum.
Dass ein Gäreimer mal überschäumt, passiert einfach und gehört generell zum Bierbrauen dazu. Wie viel Platz im Gärbehälter nach oben bleiben sollte, steht in meinem Gärbehälter Ratgeber.
Tipp: Stell den Gäreimer in der Wohnung am besten in eine flache Wanne, falls er doch mal überschäumt. Dann landet nichts auf dem Boden.
Wie viel Platz brauchst du zum Brauen?
Mit einer kleinen Anlage für 10 Liter brauchst du in der Wohnung wenig Platz, da du sie schnell verstauen kannst. Eine Anlage für 20-30 Liter mit Einkocher und Eimern muss dagegen oft in den Keller.
In meiner alten Wohnung in Münster hatte ich mit meiner Partnerin ca. 80 Quadratmeter. Das hört sich zwar viel an, aber der größte Teil war eigentlich nur ein riesiges Wohnzimmer mit Essbereich. Küche, Bad, Büro und Schlafzimmer waren dagegen sehr klein.
Meine ganze Brauanlage stand im Keller. Vor jedem Brautag habe ich alles hoch in die Wohnung getragen und danach wieder runter. Am Anfang hatte ich trotzdem jedes Mal Lust drauf, da mir das Brauen einfach Spaß gemacht hat.
Auf Dauer würde ich das aber nicht mehr machen. Dazu kam das Reinigen, natürlich gebeugt in der Badewanne. Am Brautag war so immer die ganze Wohnung blockiert und nicht nur ein Raum.
Außerdem brauchst du Platz für das fertige Bier. 20 Liter sind 2 Kisten Bier und die musst du auch erst einmal leer trinken 🙂 Mit 10 Liter hast du eine Kiste mit 20 Flaschen, die auch in einer kleinen Wohnung noch irgendwo Platz findet.
TOBIS TIPP:
Wenn du nur eine Wohnung und wenig Platz hast, dann reduzier das Ganze auf das Minimum. Mach keine großen Ausschlagmengen, mach kleine Ausschlagmengen. Wenn dir das Spaß macht, dann hast du sogar noch einen Vorteil, da du häufiger brauen kannst. Brau lieber häufig kleine Mengen als selten große Mengen, denn dadurch lernst du. Und das passt auch gut zur Wohnung.
Was ich heute anders machen würde
Heute würde ich in der Wohnung von Anfang an mit einer kleinen Küchenbrauanlage für 10 Liter brauen. Den Ablauf würde ich außerdem so einfach wie möglich halten. Hätte es zu meiner Zeit in Münster schon so eine Anlage gegeben, dann hätte ich sie mir wahrscheinlich direkt gekauft.

Mein Plan für die Wohnung sähe heute wie folgt aus:
- 10 Liter Ausschlagmenge, also eine Kiste
- Brauen in der Küche anstatt im Wohnzimmer
- Bei Umluft eine kleine Elektroplatte direkt unterm gekippten Fenster
- Kein Läutern und möglichst wenig Schläuche und Hähne
- Kühlen im Eisbad in der Spüle
- Lieber öfter brauen 🙂
Mit der kleinen Elektroplatte unterm Kippfenster hätte ich keine Sauerei im Wohnzimmer gehabt und kaum Schlepperei. Das hätte, glaube ich, am besten funktioniert.
Läutern würde ich in der Wohnung übrigens nicht mehr. Das Verfahren ist super und es ist auch wichtig, dass man es lernt. In der Wohnung wohnst du aber nicht alleine und mit Schläuchen und verschiedenen Höhen kleckert schnell mal was.
TOBIS TIPP:
Was häufig passiert, ist ein offener Hahn am Bottich. Den vergisst man schnell mal zuzumachen. Ist mir schon ganz oft passiert. Dann kippst du die Würze rein und in der Zwischenzeit läuft sie unten durch den Hahn wieder raus. Sauerei ist sogar der größte Fehler, den du in der Wohnung machen kannst, da du da häufig auch gute Böden hast.
Wer von euch einen Balkon hat, der kann natürlich auch dort brauen. Auf dem Balkon hatte ich in Münster sogar die beste Zeit beim Brauen. Leider war er nicht überdacht und bei Regen musste der ganze Brauapparat in den Strandkorb 🙂
Wichtig ist, dass du die Anlage in der Wohnung nicht aufs Maximum treibst. Lieber schön vereinfacht, sodass du immer noch etwas Handwerk hast, aber nicht jeden Prozessschritt wie in der Brauerei.
Für so einen vereinfachten Ablauf habe ich später den 9er gebaut, eine kompakte Küchenbrauanlage mit Korb, bei der das klassische Läutern wegfällt. Für mehr als 10 Liter ist der 9er allerdings nicht gemacht, was für die Wohnung aber völlig reicht. Den kannst du inzwischen auch bei mir kaufen.
Fazit zum Brauen in der Wohnung
Die Wohnung in Münster war eigentlich groß genug, nur meine Anlage war zu groß. Bier brauen in der Wohnung macht in meinen Augen mit kleinen Suden auf Dauer am meisten Spaß. Alles zum 9er findest du auf der 9er Seite.
Wer jeden Sonntag kuratierte News für Hobbybrauer haben will, der abonniert einfach meinen Braukompass. Dazu gibt’s meine 5 Lieblingsrezepte als E-Book. Danke fürs Lesen und allzeit gut Sud,
Häufige Fragen
Welche Sudgröße passt für eine kleine Wohnung?
Für eine kleine Wohnung würde ich 10 Liter Ausschlagmenge nehmen, also ca. eine Kiste Bier. Dabei entsteht weniger Dampf und der volle Gäreimer wiegt nur ca. 11 kg. In Münster habe ich 20-22 Liter gebraut und das war mir in der Wohnung auf Dauer zu viel.
Kann Bierbrauen Schimmel in der Wohnung verursachen?
Wenn du regelmäßig braust und dabei nie lüftest, dann kann das auf Dauer passieren. Beim Würzekochen verdampfen bei mir nämlich locker 1,5 Liter Wasser und Schimmel kann schon ab 70% Luftfeuchtigkeit entstehen. Mit einer Abzugshaube mit Abluft oder einer Platte direkt am offenen Fenster bleibt der Dampf aber nicht in der Wohnung.
Wo stelle ich den Gärbehälter in der Wohnung hin?
Ich würde ihn an einen ruhigen Platz ohne Sonne und weit weg von der Heizung stellen. Obergärige Biere vergären dort bei Zimmertemperatur, untergärige brauchen ca. 8-12°C im Keller oder Kühlschrank. Eine flache Wanne darunter hilft, falls der Gäreimer überschäumt.
Ist Kohlendioxid bei der Gärung in der Wohnung gefährlich?
Bei 10 Liter entstehen laut BGN ca. 180 Liter Kohlendioxid, verteilt über mehrere Tage. In einem normal gelüfteten Zimmer kommst du damit nicht an die 0,5-1% heran, die laut BGN kurzzeitig ohne Beschwerden sind. Vorsicht ist eher bei großen Mengen in kleinen Kammern ohne Fenster oder in tiefen Kellern nötig.
Kann ich auf dem Balkon Bier brauen?
Auf dem Balkon hat das Brauen bei mir in Münster sogar am besten funktioniert, da der Dampf dort einfach wegzieht. Wichtig ist nur ein Dach oder ein Plan für Regen. Bei mir musste die Ausrüstung dann in den Strandkorb.
Wohin mit dem Treber nach dem Brauen?
Den Treber würde ich nicht lange in der Küche stehen lassen, da er schnell verdirbt und dann riecht. Ob er bei dir in die Biotonne darf, regelt deine Gemeinde. Alternativ kannst du aus einem Teil davon ein Treberbrot backen.
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