17.01.2020 | Rezeptbewertung

Rezept

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Nun ist es endlich so weit. Das Simcoe IPA ist gebraut und schon beinahe ausgetrunken. Jetzt seid ihr aber erst mal an der Reihe 🙂 ..

Das Simcoe IPA ist wohl eines der bekanntesten Rezepte in der deutschen Hobbybrauer Community. Stöbert man nur kurz durchs Forum und sucht nach IPA Rezepten, taucht das Simcoe IPA in der Regel immer auf und wird von anderen Hobbybrauern empfohlen. Selbst die Suchmaschinen schlagen das besagte Rezept an einer der ersten Positionen vor, wenn man nur nach „Simcoe Hopfen IPA“ oder Ähnliches sucht.

Ein weiteres Indiz: Sucht mal auf maischemalzundmehr.de nach einem Rezept und sortiert absteigend nach „Empfehlung“ von anderen Hobbybrauern. Na klar, das Simcoe IPA steht wieder an erster Stelle. Der gute Siedlerbräu hat mit diesem Rezept im Jahr 2013 wohl genau den Geschmack der Community getroffen.

Character

Das Simcoe IPA entsteht aus einer Stammwürze von 13,7% und einer Bittere von 50 IBU. Die Farbe des Bieres geht in Richtung 9 EBC und der Alkoholgehalt wird rechnerisch in dem Bereich um die 5.7 % vol. liegen.

Als Schüttung kommen 5 Bestandteile zum Einsatz. Der überwiegende Teil basiert auf Pilsner Malz. Münchner Malz wird in diesem Rezept als zweites Basismalz eingesetzt. Es unterstützt die Vollmundigkeit des Simcoe IPAs und senkt die durch das Pilsner Malz doch recht helle Farbe leicht herab. Zusammen mit dem nun folgenden roten Karamellmalz, sorgt diese Schüttung für die stiltypische gold-gelbe Farbe. Außerdem kommt noch helles Karamellmalz und Haferflocken zum Einsatz.

Die Rasten sind nicht außergewöhnlich und sind bei vielen IPAs Standard. Lediglich die 5 Minuten Rast bei 78°C ist meiner Meinung nach nicht notwendig und kann weggelassen werden. Hier einfach nach der Jodprobe auf 78°C heizen und direkt abmaischen. (Mehr dazu hier)

Simcoe

Nun aber zur wohl wichtigsten Zutat in diesem Rezept. Der Simcoe Hopfen wird im Simcoe IPA sowohl beim kochen, als auch später beim Stopfen eingesetzt und dient damit dem Bittern, als auch der Aromagabe. Der Simcoe Hopfen kommt aus den USA und ist einer der beliebtesten Hopfensorten in der Craftbier-Szene. Sein Aroma erinnert an Maracuja, Kiefer und Brombeere und geht daher eher in die Richtung der süßlichen Früchte. Hier gibt es das Aroma-Rad.

Zusätzlich wird beim Stopfen noch der Cascade Hopfen verwendet, welchen ich schon mal beim Sierra Nevada Pale Ale Klon beschrieben habe.

Tipp: Die erste 90 Minuten Gabe ist keine Vorderwürzehopfung! Einfach den Hopfen direkt bei Kochbeginn hinzugeben.

Hefe, Gärung und Reifung

Das Simcoe IPA wird durch die Trockenhefe US-05 vergoren, die für ihre saubere und neutrale Vergärung bekannt ist. Bei 20°C verrichtet sie ihre Arbeit und sorgt laut Rezept für einen sEVG von ca. 82%. Karbonisiert wird das Bier recht dezent mit 4g/l CO2. Wenn ihr die Dosierhilfe verwendet, könnt ihr die Karbonisierung wie hier beschrieben dosieren.

Gestopft wird bei 5-10°C für 5 Tage. Ich stopfe immer ohne Hopfensack. Diversen Quellen habe ich entnommen, dass so die besten Ergebnisse erzielt werden. Vor dem Abfüllen schlauche ich immer durch ein Filter in ein anderes Gefäß. So trenne ich den Hopfen vor dem Abfüllen ab.

Der Brautag des Simcoe IPA

Zunächst wird das Wasser aufbereitet. Hier wurden die Salze grammgenau ausgewogen.

Das Wasser kommt aus dem Hahn und wird durch diesen Mischbettvollentsalzer vollständig entsalzt. Die vorher ausgewogenen Salze werden hinzugegeben und sorgen anschließend für das perfekte Brauwasser für das Simcoe IPA.

Abmaischen in den Thermoport. Zunächst 1 Liter heißes Wasser vorgelegt.

Vorderwürze bei 16°P mit Läuterspindel gemessen. Sieht erfahrungsgemäß gut aus.

Während des Läuterns wurden schon mal die Hopfengaben abgewogen. Zeitlich von links nach rechts sortiert. Man sieht schön die Masse an Hopfen gegen Ende des Kochens 🙂

Ich glaube das war meine Pfannevoll-Messung. (Kann mich an das Bild nicht mehr erinnern, sorry)

Ziel war 13,7°P. Gespindelt habe ich am Ende 13,4°P. Alles bestens 🙂

Nach der Hauptgärung den Hopfen stopfen. Um möglichst wenig Sauerstoff ins Bier einzubringen, habe ich mir angewöhnt, den Hopfen über diese Kelle ganz langsam in das Bier zu legen. Dabei lasse ich eine Seite der Kelle leicht ins Bier eintauchen und den Hopfen von dem Bier langsam umlaufen. Am Ende drehe ich die Kelle langsam auf die Seite und kann sie dann nach oben rausziehen. Es plätschert nichts und ich hoffe das passt so. Die Kelle ist natürlich desinfiziert.

Das Simcoe IPA Resultat

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Wasserwerte: [Ca=102ppm] [Mg=11ppm] [Na=0ppm] [Cl=85ppm] [SO4=177ppm]

Reifezeit: Nach einer Woche Kaltreifung schon lecker. Weitere Infos: Lagerzeit / Reifezeit

Aussehen: Gold-gelb und klar. Der Schaum ist sehr feinporig und beständig. Die Schaumentwicklung ist nicht stark.

GeruchFruchtig nach Maracuja. Allgemein überwiegt ein Zitrus-Aroma. Es sind weder säuerliche noch malzige Noten wahrnehmbar. Nachtrag: Nach 1 Monat ist das Aroma schon deutlich abgeschwächt. Daher immer frisch genießen.

Geschmack: Unerwartet trocken, aber trotzdem sehr rund und ausgewogen. Die Bittere ist gut eingebunden und am Ende weder aufdringlich noch zu gering. Eigentlich genau richtig so.

Fazit: Das Simcoe IPA würde ich genauso wieder brauen. Es ist ein wahrer Genuss und kommt bei jedem gut an. Es wurde mir förmlich aus den Händen gerissen. Das Simcoe IPA eignet sich auch gut als Testbier für Pils-Trinker, die gerne einmal ein Craft-Bier ausprobieren möchten.

Sonstiges:

Ich habe übrigens noch einige andere Rezepte von Maischemalzundmehr nachgebraut und hier dokumentiert. Schaut einfach mal durch…


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Kommentare

Hallo Tobi,
schöne Bewertung!Hast Du auch Gußführung wie beschrieben eingehalten? 1kg Malz/4,3L Wasser?Ist für mich KO Faktor, Pfane zu klein:-) Oder müsste ich Sud halbieren.
Trotzdem will ich mit Simcoe Brauen und zwar Gurgelrutscher von Horstibus. Ich hoffe in Kiefer Aromen, eigentlich bin überrascht mit Deinem Zitrus Fazit. Cascade einfluß?

Gruß,
Pavel

Hallo Pavel,

ich habe den Faktor für die Gußführung auf 4 gesetzt. Also 4 Liter Wasser pro kg Malz. Das ist aber nicht so wichtig. Du kannst ruhig etwas dicker einmaischen oder du machst etwas High-Gravity Brewing 🙂

VG und gut Sud

Hallo Malzknecht. Danke für den Bericht. Toll! Wie viel g Zucker hast du pro Liter genommen? Die 0,5er Dosierhilfe für 0,5 oder geringer?

Hi,

ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber die normale 0,5er Dosierung für eine 0,5er Flasche bestimmt nicht. Inzwischen habe ich aber eine bessere Möglichkeit entdeckt. Im Forum gibt es folgende Excel Tabelle zum Download, mit dem die bestmögliche Dosierhilfe-Dosierung errechnet und vorgeschlagen wird. Das ist glaube ich genau das, was du suchst.

>>> Download <<<

Viele Grüße

Hallo,

warum werden die Hopfengaben zum Ende der Kochzeit mehr? Laut Rezept sind diese doch immer gleich oder verstehe ich hier etwas falsch?

Gruß
Stephan

Hi Stephan,

gut aufgepasst 🙂 Ich habe damals bei der Rezeptübernahme einen Fehler gemacht und die 33,3% Hopfengaben nicht per Gewicht verteilt (so wie es auf MMuM steht) sondern per IBU. Jede Gabe sollte also 33,3% des Gesamt IBU sein, was am Ende, durch die kurze Kochzeit, nur durch eine große Menge Hopfen funktioniert.

Da es aber Single Hop ist, dürfte das keine großen Auswirkungen haben. Es war auf jeden Fall super lecker 🙂
VG

Hallo!
Ich habe das Rezept nachgebaut und zum ersten Mal gestopft. Alles lief prima und der Geschmack ist einfach wunderbar. Nun habe ich aber wohl etwas falsch verstanden, oder einen Fehler gemacht: Die Nachgärung nach dem Abfüllen kommt nicht in Gang.
Wie beschrieben habe ich da Bier nach der Hauptgärung auf 6 Grad runtergekühlt und gestopft. Nach 5 Tagen in anderen Behälter ungeschlacht und dann abgefüllt. Vorher Zucker zur Karbonisierung in die Flaschen getan. Nun meine ich irgendwo gelesen zu haben, dass man zur Nachgärung nicht wieder die Temperatur erhöhen soll. Also habe ich die abgefüllten Flaschen wieder in den Kühlschrank bei ca. 7 Grad gestellt. Da sich aber keine Nachgärung einstellte und sich kein Druck aufbaute, vermutete ich, dass die Hefe bei der Temperatur ihren Dienst versagt hat und hab die Flaschen wieder aus dem Kühlschrank genommen in der Hoffnung, dass die Karbonisierung bei nun etwa 20 Grad wieder anspringt. Tut sie aber nicht! Hab gerade wieder eine Flasche probiert. Ergebnis: super toller Geschmack, null Druck, null Schaum. Bier oben super klar, aber unten Ablagerungen, die das zweite Glas trüb machen. Kann ich noch was retten?

Hallo Dido,

super, dass dir schon das Jungbier schmeckt! 🙂

Den Fehler hast du ja bereits selber erkannt. Die Hefe arbeitet nur bei einer bestimmten Temperatur, und zwar bei Zimmertemperatur. Bei der Hauptgärung noch sehr wichtig zu beachten, ist die Temperatur bei der Nachgärung allerdings eher Nebensache. Dennoch soll die Temperatur der Hefe im Arbeitsbereich liegen, was bei der US-05 15-22°C sind.

Jetzt ist da nur noch die Frage, warum die Nachgärung nicht startet. Wenn du ein Flaschenmanometer im Einsatz hast, dann kannst du den Druck ja einfach ablesen. Hast du keins, dann lasse es mindestens 2 Wochen bei Zimmertemperatur stehen. Am besten du drehst jede Flasche noch einmal auf den Kopf und schwenkst ganz langsam den Bodensatz auf.

Ich kann dich aber beruhigen. Die Hefezellen sind weder tot, noch ist das Bier für den Ausguss. Durch die Kaltphase ist die Hefe nur sedimentiert und braucht im aktuellen Zustand für die Vergärung einfach zu lange.

Also nochmal kurz: Bodensatz aufschwenken und Flaschen bei Zimmertemperatur 2 Wochen stehenlassen. Wenn es dann besser ist, aber noch nicht perfekt, lass es noch mal eine Woche stehen.

VG und viel Erfolg

Hallo Tobi,
Vielen Dank für Deinen Tipp, den ich umgesetzt habe. Heute kann ich sagen: Alles ist gut, hab jetzt schon 1,8bar auf den Flaschen und das Bier ist jetzt schon einfach traumhaft. Beim nächsten Sud wage ich mich mal an die von Dir beschriebene Wasseraufbereitung. Dazu muss ich mich aber noch intensiv einlesen, weil das für mich noch böhmische Dörfer sind.
Ganz lieben Dank noch mal
Gruß
Dietmar

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