17.11.2019 | Rezeptbewertung

Das Rezept

Color Beer Icon
Seitdem ich mit dem Hobbybrauen angefangen habe, wollte ich schon immer mal ein Fruchtbier brauen. Vor einigen Jahren hatte ich bereits ein Apfel-Bier verkostet und bin seitdem von der Idee eines Fruchtbiers ganz angetan. London Rain hat auf MMuM ein Rezept veröffentlicht, welches relativ gut bewertet ist. Allein durch die bereitgestellten Fotos, hatte ich schon Lust, dieses Rezept einmal auszuprobieren.

Leider kam aber alles anders als gedacht. Dazu später mehr…

Mädchenbier mit Weizen und Himbeeren. Tolle Farbe und ein herrlicher Durstlöscher für den Sommer.

Die Basis des Rezepts ist eigentlich recht einfach gestrickt. Mit einer Bittere von 12 IBU ist es sehr leicht gebittert und das Fruchtbier hat eine Stammwürze von 12,5%.  Eine 50/50 Mischung, bestehend aus Pilsner– und Weizenmalz, werden zu Beginn bei 72°C eingemaischt. Dann folgt eine 60-minütige Kombirast bei 67°C. Gekocht wird 90 Minuten lang und es ist nur eine Bittergabe direkt zu Beginn geplant. Der Hopfen kann frei gewählt werden, da es hier um keine Aromen geht. Ihr solltet aber schon zum bittern geeignete Hopfen verwenden, also Hoch-Alpha Aromahopfen, oder traditionelle Bittersorten.

Die obergärige Fermentis Safale K-97 macht dann am Ende bei 18-20°C das Bier.

120g/l Himbeeren sind allerdings die wichtigste Zutat. Hier ist es wichtig gefrorene Himbeeren zu verwenden, um das Risiko einer Infektion zu minimieren. Wenn du frische Himbeeren nutzen willst, dann friere sie trotzdem vorher ein. Angeblich brechen so auch die Zellwände auf, was für eine bessere Fruchtzuckerausbeute sorgt [1].

Die Himbeeren werden erst nach der Hauptgärung zugeführt, also gestopft, und für 7 Tage im Gäreimer behalten. Erst dann können die Beeren entfernt und das Fruchtbier in Flaschen abgefüllt werden.

Gelagert wird das Fruchtbier am Ende ca. einen Monat. Prinzipiell kann es sehr frisch verkostet werden.

Mein erster Chaos Sud

Wie alles Begann…

Das Wasser wurde vorher komplett entsalzt und dann auf diese Werte aufgesalzt: [Ca=55ppm] [Mg=10ppm] [Na=0ppm] [Cl=91ppm] [SO4=50ppm].

Leider ging bei diesem Sud einiges in die Hose. Es ist das erste Mal überhaupt, dass ich eine Charge entsorgen musste. Doch was ist geschehen? Um den Brautag zu verkürzen, wollte ich am Abend vorher in meinen Thermoport einmaischen und diesen über Nacht stehen lassen. Der Plan war, dass ich am Brautag morgens direkt mit dem Läutern beginne und dann bis mittags durch bin. Normalerweise nehme ich mir immer viel Zeit fürs Brauen, aber hier hatte ich abends noch eine Verabredung.

Ich habe also das Wasser auf Einmaischtemperatur erhitzt, in den Thermoport gegeben und die Schüttung hinzugefügt. Rechnerisch hätte ich 67° erreichen müssen. Das hat nicht ganz geklappt, aber die Abweichung war noch so gering, dass ich nicht stutzig geworden bin. Also mit heißem Wasser die Temperatur kontrolliert und den Topf über Nacht stehengelassen.

Der nächste Morgen…

Am nächsten Morgen dann die Jodprobe:

Ach du Sch… Pech-Schwarz. Auch die Maische sah total unberührt aus und schmeckte kaum süß. Inzwischen war auch alles recht abgekühlt und kaum noch Platz im Thermoport. Für diese Blog-Posts versuche ich mich immer möglichst am Original-Rezept zu bewegen, daher entschloss ich mich die Charge zu entsorgen und neu zu beginnen. Hier dachte ich noch, es gab einen Rechen- und Messfehler am Vorabend…

Exkurs: So sieht es übrigens aus, wenn man in nur 5 Minuten / generell zu schnell läutert 🙂

Der Treber hat sich sowas von verdichtet und es sind deutliche Krater entstanden. Bitte nicht nachmachen 🙂

Mein Fruchtbier: Zweiter Versuch

Damit das Fruchtbier trotzdem noch was wird, habe ich meine Pfanne mit Rührwerk ausgekramt und noch einmal neu eingemaischt.

Wieder die Kombirast von 67°C wie im Rezept eingestellt und am Ende nach 60 Minuten die Jod-Probe….Negativ… okay.. zu diesem Zeitpunkt wurde ich dann echt sauer. Inzwischen war es dann mittags.

In meinem Ärger entschloss ich mich dann auf 74°C zu gehen und dort bis zur Jod-Normalität zu rasten. Nach 15 Minuten wurde es dann besser und ich wollte das Thermometer wieder einstecken, um auf Abmaischtemperatur zu fahren…

… dann fiel es mir plötzlich auf…..

Es war zwar ein warmer Sommertag, aber 39 Grad auf dem Brautisch hatten wir bestimmt nicht… Ich dachte ich sehe nicht richtig. Daraufhin habe ich schnell ein anderes Thermometer aus der Küche geholt und siehe da… 12°C Unterschied.

Ich hatte die ganze Zeit die Temperatur 12°C geringer gefahren, als gedacht. D.h., dass die Übernachtmaische und auch der zweite Versuch bei 55°C gerastet haben. Erst durch meine 74°C (also 62°C) kam die Verzuckerung in den Gang.

Der Rest lief dann wie gewohnt. Am Ende habe ich dann aber trotzdem die gewünschten 12,5°P erreicht, auch wenn ich jetzt wohl eine andere Zucker-Zusammensetzung habe, als die für dieses Fruchtbier vorgesehen war.

Das Fruchtbier wird gestopft

Die Gärung verlief problemlos. Durch die falschen Rasten habe ich überwiegend vergärbare Zucker erzeugt. Das führte nun am Ende logischerweise zu einem deutlich höheren Endvergärungsgrad von 85% (Plan war 73%), also 1,8°P Restextrakt :-).

Die Himbeeren aus der Kühltruhe geholt und dem Bier zugeführt.

Damit ich dem zukünftigen Fruchtbier nicht unnötig Sauerstoff hinzuführe, habe ich dieses Nudelsieb genommen und versucht es einigermaßen zu desinfizieren. Dazu habe ich es von beiden Seiten 10 Minuten kochend heißem Wasserdampf ausgesetzt.

Die Himbeeren kamen dann über das Nudelsieb in das Bier. Dieses lässt sich sehr langsam eintauchen, wodurch das Bier langsam die Früchte umschließt. Am Ende braucht man es nur noch drehen, wodurch die Früchte, ohne zu plätschern in das Bier gelangen.

Abfüllen in Flaschen

Nach 7 Tagen der kalten Stopfung, habe ich zunächst das Fruchtbier mit einem Bierheber von den Früchten separiert. Ihr glaub gar nicht, was für ein Geruch auf mich zu kam, als ich den Deckel das erste Mal öffnete 🙂 Fruchtig .. lecker … ! Übrigens, es entsteht durch die Beeren neuer Alkohol, also die Gärung setzt wieder ein. Bloß nicht verschließen, sondern das normale Gär-Equipment nutzen.

 

Wichtiger Tipp:

An dieser Stelle noch ein wichtiger Tipp fürs Abfüllen: Filtert das Bier noch irgendwie nach dem Bierheben. Es gelangen kleinere Fruchtstücke durch den Bierheber und verstopfen euch die Spitze des Abfüllröhrchens. Das führt dazu, dass es nicht verschließt, die Flasche überläuft und viel Bier auf dem Boden verteilt wird. 😉

Mein „It’s a girl“ Fruchtbier

Vorweg: Wie oben beschrieben, habe ich mich nicht an das Rezept halten können. Hier bewerte ich also nicht das Rezept von London Rain, sondern mein eigenes Ergebnis. Sobald ich meine Vorräte leer habe und ich wieder Lust auf ein Himbeer-Bier habe, werde ich dieses Rezept noch einmal brauen. Dann aber richtig 🙂

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Fruit Icon
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Wasserwerte: [Ca=55ppm] [Mg=10ppm] [Na=0ppm] [Cl=91ppm] [SO4=50ppm]

Reifezeit: nach 4 Wochen recht lecker, aber auch nach 2 Monaten noch stabil und sehr gut.

Aussehen: Rot 🙂 Es ist extrem rot und hat sich gut geklärt. Ich hätte nie gedacht, dass die Farbe so wird. Der Schaum ist OK, aber nicht perfekt. Er fällt schnell ein und bleibt kaum haften.

Geruch: Aromatisch fruchtig kommt dieses Fruchtbier daher. Keine IPA bzw. Hopfen Fruchtnoten wie man sie kennt, sondern irgendwie anders. Vielleicht daher, weil’s hier ein typisches und bekanntes Himbeeraroma ist. Es riecht auch leicht säuerlich.

Geschmack: Wenn man das Bier zunächst gerochen hat und dann probiert, haut es einen um. Es ist überhaupt nicht das, was man erwartet. Der Geruch suggeriert ein süßes Getränk. Geschmacklich ist dieses Fruchtbier aber sehr trocken. Auch ist meine Version leicht säuerlich. Die Bittere ist kaum wahrnehmbar und der Abgang erinnert mich an den eines schwachen Sauerbiers.

Fazit:

Allgemein ist dieses Fruchtbier nicht bei jedem gut angekommen. Mir gefällt es eigentlich sehr gut. Ich kann es zwar nicht den ganzen Abend trinken, aber es taugt sehr gut für die gelegentliche Abwechslung. Durch die niedrigen Rasten (bedingt durch das defekte Thermometer) sind überwiegend vergärbare Zucker entstanden, wodurch das Fruchtbier sehr trocken wurde. Für einige einfach zu trocken.

Sonstiges:

Ich habe übrigens noch einige andere Rezepte von Maischemalzundmehr nachgebraut und hier dokumentiert. Schaut einfach mal durch…

Quellen:

[1] Brücklmeier, J (2018). Bier Brauen, Eugen Ulmer KG, S.370


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