SafLager SH-45 im Praxistest – Was die Biotransformationshefe wirklich kann

Ich habe die SH-45 getestet und berichte über meine ersten Berührungspunkte mit diesem Thiol-Transformer.

TLDR

Ich habe die neue SafLager SH-45 von Fermentis getestet – eine thiolisierte Hefe, die fruchtige Aromen in Lagerbiere bringen soll. Das Ergebnis war anders als erwartet. Keine Fruchtbombe, sondern dezente tropische Noten. Hier erfährst du, was funktioniert hat, was nicht und für wen sich die Hefe lohnt.

Biotransformation ist gerade das große Thema in der Hobbybrauer-Szene. Überall tauchen neue Hefen auf, die versprechen, aus normalem Hopfen intensive Fruchtaromen rauszuholen.

Die SafLager SH-45 von Fermentis ist so eine Hefe. Eine untergärige Biotransformationshefe, die Thiole aus dem Hopfen freisetzt und damit fruchtige Lagerbiere ermöglichen soll.

Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema, habe es aber nie richtig direkt angegangen. Diesmal wollte ich es wissen.

Fermentis SH-45 Test

Warum gerade jetzt – und warum eine Lagerhefe?

Bei NEIPAs bekomme ich fruchtige Aromen auch so hin. Da brauche ich keine Spezialhefe.

Aber fruchtige Lagerbiere finde ich interessant. Ein Pilsener mit tropischen Noten, ohne Stopfhopfung, ohne teure Aromahopfen. Das klang nach einem sinnvollen Einsatzgebiet.

Also habe ich mit dem SH-45 ein klassisches Pils-Rezept gebraut.

Das Rezept – bewusst einfach gehalten

Ich wollte sehen, was die Hefe macht. Deshalb habe ich mein Standard-Pilsner-Rezept genommen und nur die Hefe ausgetauscht.

Die Eckdaten:

  • 100% Pilsner Malz
  • 22g Saaz in die Maische
  • 6,6g Magnum zum Bittern (50 Minuten)
  • 22g Saaz in den Whirlpool (30 Minuten)
  • Gesamt: 4 Gramm Aromahopfen pro Liter
  • Vergärung bei 12°C mit der SH-45

Gebraut habe ich mit dem MiniBrew – eine kleine 6-Liter-Charge, weil ich nicht direkt 20 Liter von einem Experiment haben wollte.

Die Maischeführung war klassisch: 20 Minuten Maltose-Rast bei 63°C, eine Stunde Kombi-Rast bei 67°C und 20 Minuten Verzuckerungsrast bei 72°C.

Die Gärung – erste Überraschung

Schon während der Gärung war klar, dass hier etwas anders läuft.

Aus dem Gärspund kam ein Aroma, das ich von Lagerbieren nicht kenne. Fruchtig, tropisch, fast wie bei einem Pale Ale. Allerdings dezent, weil die Charge klein war.

Die Vergärung selbst lief problemlos. Der MiniBrew macht das automatisch – eine Woche bei 12°C, dann schrittweise hoch auf 16°C für den Diacetylabbau, danach runter auf 6°C zum Karbonisieren.

Das Ergebnis – Realität trifft Erwartung

Nach vier Wochen Lagerzeit habe ich das erste Mal verkostet.

Meine Erwartung war: Ein fruchtiges Lagerbier mit deutlichen tropischen Noten, fast wie ein hopfenbetontes Pale Ale.

Die Realität: Ein Pils mit dezenten fruchtigen Akzenten. Blumig-fruchtig, irgendwo zwischen Passionsfrucht und Litschi. Aber keine Fruchtbombe.

Die klassischen Saaz-Aromen sind noch da. Die Fruchtigkeit überlagert sie nicht, sondern ergänzt sie. Es ist eine Mischung geworden.

Das Bier ist sehr clean, gut trinkbar und definitiv anders als ein normales Pils. Aber es ist kein Pale Ale im Lagerbier-Gewand.

Das Bier ist nach 4 Wochen im Glas auch noch recht trüb, wobei ich das jetzt nicht unbedingt nur auf die Hefe zurückführen würde. Das mag hauptsächlich am Zapfen direkt aus dem Minibrew liegen. Der Hefebehälter war randvoll, sodass bestimmt noch restliche Hefe im Minibrew verblieben ist und aufgewühlt wurde.

Für wen lohnt sich die SH-45?

Wenn du ein klassisches Pilsener brauen willst, nimm eine normale Lagerhefe wie die W34/70. Da bekommst du die Aromen, die du erwartest.

Die SH-45 macht Sinn, wenn du:

  • Biere wie Hop House Lager magst
  • Fruchtige Lagerbiere ohne Stopfhopfung brauen willst
  • Mit günstigen Hopfen arbeiten möchtest
  • Dezente tropische Noten suchst, keine Fruchtbombe

Der Vorteil ist: Du kannst mit Saaz und der SH-45 ein fruchtiges Lagerbier brauen, ohne teure Aromahopfen zu kaufen oder zu stopfen. Das ist praktisch für Partybiere.

Aber erwarte keine Revolution.

Was ich beim nächsten Mal anders mache

Das Technical Datasheet von Fermentis empfiehlt explizit Citra, Amarillo und Hallertau Blanc. Diese Hopfen haben nachweislich das höchste Potenzial für Biotransformation mit der SH-45.

Mein nächster Test wird mit einem dieser Hopfen sein. Dann kann ich wirklich vergleichen, ob die Hefe liefert oder ob das Konzept grundsätzlich limitiert ist. Vermutlich nehme ich dann eher den Blanc, da die anderen beiden Sorten ja schon ein sehr dominantes Aroma haben.

Mein Fazit – ehrlich und pragmatisch

Die SafLager SH-45 funktioniert. Sie bringt fruchtige Noten in Lagerbiere, die du mit normalen Hefen nicht bekommst.

Aber sie ist kein Wundermittel. Die Aromen sind dezent, nicht dominant. Und der Hopfen macht einen riesigen Unterschied.

Für mich war der Test wertvoll. Ich habe gesehen, wie eine Biotransformationshefe mein Standardrezept verändert. Jetzt weiß ich, wo die Grenzen liegen und wo das Potenzial ist.

Das Thema Biotransformation wird uns in den nächsten Jahren mehr begleiten. Es kommen neue Produkte, neue Hefen, neue Möglichkeiten. Die SH-45 ist erst der Anfang.

Und wie immer gilt: Ausprobieren ist der einzige Weg, um wirklich zu verstehen, was funktioniert. Selbst mit dem gleichen Rezept, der gleichen Hefe und den gleichen Zutaten wird das nächste Bier wahrscheinlich wieder anders.

Cheers

FAQ – Die wichtigsten Fragen zur SH-45

Autor

  • Tobias Meyknecht, Malzknecht

    Tobias Meyknecht ist der Gründer und Autor von Malzknecht, einem Blog für Hobbybrauer, die tiefer in die Kunst des Brauens eintauchen möchten. Mit über 10 Jahren Erfahrung im Bierbrauen konzentriert sich Tobias auf praktisches Handwerkswissen und experimentelle Brauverfahren.

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