TLDR
Ich entwickle gerade eine kompakte Brauanlage für 9 Liter Sude, die komplett in die Küche passt und in die Spülmaschine kann. Es ist eine Anlage zum Trainieren, das Brauen wieder in den Fokus zu rücken und die Herstellung des Bieres zu zelebrieren. Das Ziel: Eine Anlage, mit der du häufig brauen, viel experimentieren und das Handwerk wirklich lernen kannst.

Die letzten Jahre habe ich 20 oder 40 Liter gebraut. Große Anlage, viel Automatisierung, wenig händisch Brauen, aber viel Putzen. Am Ende hatte ich zu viel Bier und zu wenig Zeit zum Experimentieren.
Dann kam die Familie und ganze Brautage waren kaum noch drin. Ich brauchte etwas anderes. Ich fing an, mir Gedanken zu machen was mir fehlt. Ich will Bier brauen – das ist doch mein Hobby. Ich will nicht stundenlang Tri-Clamp demontieren, Dichtungen setzen oder Hebel bewegen.
Bier brauen – kompakt mit wenig Aufwand und Ausrüstung, in der Nähe der Familie und nicht den ganzen Tag. Das Malz selber fühlen und selber durch den Maischeprozess führen. Den Restzucker aus dem Malz herausholen und die Würze händisch in den Gäreimer befördern.
Ich will wieder brauen!

Warum ich weniger Automatisierung will
Das klingt erstmal paradox. Die meisten wollen doch mehr Automatisierung, oder?
Aber hier ist das Problem: Bei meiner alten Anlage war ich hauptsächlich am Putzen. Pumpen auseinanderbauen, Schläuche anbringen, nach dem Brauen alles zerlegen und reinigen. Der eigentliche Brauprozess lief automatisiert ab, aber ich hatte kaum noch Kontakt zu den Rohstoffen.
Um die Rohstoffe während des Brauens noch sehen zu können, bauen einige (wie mich eingeschlossen) dann Schaugläser ein 🙂
Ich wollte wieder mit den Händen arbeiten. Das Malz einrühren, die Klumpen auflösen, mich an heißer Würze verbrennen, den Hopfen vom Rand in die Würze kratzen, die Temperatur im Blick behalten und versehentlich über die Zieltemperatur hinweg Maischen. Maischen, ohne PID…
Diese Nähe zum Rohstoff fehlt mir bei Teil- und Vollautomaten komplett.

Der Mini-Brew hat mir gezeigt, dass kleine Sude funktionieren. 6 Liter, schnell gebraut, perfekt zum Mitnehmen und Präsentieren. Aber auch der war zu automatisiert und am Ende musste ich viel Software bedienen, Dinge montieren und so weiter.
Was die neue Anlage anders macht
Meine Anlage wird 9,5 Liter Ausschlagmenge produzieren. Genau ein kleines NC-Keg voll.
Das Setup ist minimalistisch: Ein professioneller Gastro-Topf, ein Neoprenmantel für die Isolierung, ein Korb mit 300 Mikron Mesh, eine Aufhängung und ein Holzlöffel. Das war es. Kein Hahn, keine Pumpe, keine komplexe Technik.
Der Trick liegt in der Konstruktion. Zwischen Korb und Topfwand ist etwa 1,5 cm Platz. Diese Wasserschicht wirkt wie eine thermische Batterie. Wenn ich das Wasser außen erhitze, hält die Temperatur in der Maische extrem stabil. Bei einer 30-Minuten-Rast muss ich gar nicht und bei einer 60-Minuten-Kombirast nur einmal nachheizen, dann kann ich theoretisch weggehen.


Trotz gelegentlichem Rühren!
Das war übrigens Zufall. Ich hatte das nicht so geplant, aber beim ersten Test hat es perfekt funktioniert.
Nach dem Maischen wird der Topf hochgezogen, in eine Halterung gehängt und dann mit etwas Nachgusswasser (aus dem Wasserkocher) übergossen.
Am Ende, nach dem Kochen, stelle ich den Topf einfach in ein Wasserbad mit Eis. Nach zwei Stunden ist die Würze auf 20 Grad. Währenddessen sedimentiert alles und ich kann die Würze über den Rand und ohne Trub in den Gäreimer gießen.
Kein Bierheber, kein zusätzliches Equipment.
Danach kommt alles in die Spülmaschine. Fertig.

Was du damit lernen kannst
Diese Anlage ist für Leute gedacht, die Bierbrauen wirklich lernen wollen. Nicht nur Knöpfe drücken, sondern verstehen, wie sich Temperatur auf die Maische auswirkt, was die Gussführung macht, wie wichtig das Auswaschen des Trebers ist.
Sie ist gemacht für Leute, die keine Lust mehr auf Reinigung haben.
Weil die Sude klein sind, kannst du viel häufiger brauen. Statt einmal im Monat 20 Liter kannst du jede Woche 9 Liter machen. Oder zwei verschiedene Sude an einem Tag fahren und direkt vergleichen.
Mit Aufbau, Brauvorgang und Reinigung bin ich in ca. 2,5 – 3 Stunden fertig. Nach einer Wartezeit fürs Abkühlen, kannst du dann innerhalb von 5 Minuten in den Gäreimer füllen und anstellen.
Du sammelst mehr Erfahrung in kürzerer Zeit. Das ist der eigentliche Vorteil dieser Anlage.
Ich habe einen Rechner programmiert, der alle Maße vom Topf und Korb kennt. Damit kann ich genau berechnen, wie viel Malz reinpasst und was hinten rauskommt. Beim ersten Brautag hat das eins zu eins funktioniert. Beim zweiten auch.
Die Maischeeffizienz liegt zwischen 75 und 80 Prozent. Ohne Umwälzen, nur mit ein paar Mal Rühren. Die Isolierung hält die Temperatur so gut, dass das einwandfrei funktioniert.
Was noch kommt
Das hier ist erst der Anfang. Ich baue nicht nur eine Anlage, sondern ein komplettes System.
Es wird eine App geben, die speziell für diese Anlage entwickelt ist. Volumenberechnung, Rezeptumrechnung, alles optimiert für 9-Liter-Sude.
Langfristig plane ich ein Gesamtkonzept für Leute, die Bierbrauen lernen wollen. Sessions zu bestimmten Rohstoffen, gemeinsames Brauen, Biere untereinander verschicken und vergleichen. Eine Community, die auf der gleichen Anlage braut und sich austauschen kann.
Aber jetzt konzentriere ich mich erst mal auf den Anlagenbau.
Der nächste Schritt
Ich werde in den kommenden Wochen mehr Details teilen. Wie die Isolierung genau funktioniert, welche Herausforderungen bei Starkbieren auftreten, wie die App aussehen wird.
Wenn dich das interessiert, trag dich in meinen Newsletter ein. Dann verpasst du nichts.
Und wenn du Fragen hast oder selbst Ideen für so eine Anlage, schreib mir. Ich bin gespannt, was du denkst.
FAQ

Besser brauen mit dem Braukompass
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