TLDR: Haltbarkeit von Bier und Fassbier
Kegs zu reinigen ist kein Hexenwerk, aber du musst es richtig machen. Ich zeige dir den direkten Weg von verschmutztem Keg zu einsatzbereitem Fass – mit den Fehlern, die ich selbst gemacht habe, und den Lösungen, die wirklich funktionieren.
Warum ich mit Oxireiniger gescheitert bin
Als ich mit dem Kegging angefangen habe, dachte ich, Reinigung wäre simpel. Keg zu einem Drittel mit warmem Wasser füllen, Oxireiniger rein, ab und zu schütteln. Fertig.
Das funktionierte nicht. Wenn du starke Verschmutzungen hast – einen festen Heferand nach der Gärung im Keg oder Bodensatz vom Grünschlauch – löst sich das nicht durch Schütteln. Der Oxireiniger verliert nach ein paar Minuten seine Wirkung. Und während du schüttelst, gibt es immer Bereiche, die nicht benetzt werden.
Ich habe das optisch gesehen. Reste blieben drin. Das war der Moment, in dem ich verstanden habe: Ich brauche eine bessere Lösung.
Was wirklich in deinem Keg passiert
Du hast zwei Arten von Verschmutzungen. Organische Verschmutzungen – das ist Hefe, Proteine, alles Biologische. Die bekommst du mit Lauge weg. Dann gibt es mineralische Ablagerungen – Kalk, Bierstein, für die du Säure brauchst.

In der Regel hast du organische Verschmutzungen. Wenn du im Keg vergärst oder grün schlauchst, bekommst du einen Heferand. Der fühlt sich an wie angetrocknete Creme – leicht weich, samtig, aber mit Huckeln drin. Manchmal sind Hopfenpartikel dabei. Es ist eklig, schmierig, und an manchen Stellen wird es richtig hart.

Das Gefährlichste sind Biofilme. Das sind komplexe Mikroorganismen-Gesellschaften, die nur sehr schlecht zu entfernen sind. Einem etablierten Biofilm kannst du oft nur durch Schrubben oder intensive chemische Reiniger Herr werden. Einfaches Schütteln mit Oxireiniger reicht nicht.
Der Sinnersche Kreis – warum du alle vier Faktoren brauchst
Reinigung funktioniert über vier Faktoren: Chemie, Mechanik, Temperatur und Zeit. Das ist der Sinnersche Kreis. Alle vier sind voneinander abhängig und müssen im richtigen Verhältnis stehen.

Wenn du weniger Mechanik hast – also weniger Druck beim Sprühen – musst du mehr Chemie oder längere Zeit einsetzen. Wenn du kaltes Wasser nimmst, arbeiten die Enzyme nicht richtig. Wenn du nur kurz spülst, reicht die Einwirkzeit nicht.
Du kannst nicht einfach einen Faktor weglassen und hoffen, dass es trotzdem klappt. Das ist der Grund, warum mein Schüttel-System versagt hat – ich hatte zu wenig Mechanik, zu wenig Benetzung, zu kurze Einwirkzeit.
Nicht verpassen: Im ultimativen Kegging-Guide erfährst du jetzt mehr über Kegging, Ausrüstung und Prozesse.
Warum ich auf den Kegwasher umgestiegen bin
Dieses manuelle Reinigen hat mich genervt. Du musst das Keg immer wieder umrollen, warten, wieder umrollen. Du kriegst es nicht großflächig mit Reinigungslösung benetzt. Und dann musst du noch mit der Hand und einem Schwamm rein.
Bei NC-Kegs geht das noch, weil die Öffnung groß genug ist. Aber die Kante oben kann scharfkantig sein. Ich habe mich da schon mal gestoßen – hat höllisch wehgetan. Im Winter mit Jacke passt der Arm nicht mehr richtig rein, die Jacke bleibt hängen, reißt ein bisschen auf. Es ist unprofessionell.

Außerdem kommst du nicht bis ganz unten bei den 19-Liter-Kegs. Und das Steigrohr reinigst du so gar nicht. Das ist aber ein Keimherd, wenn es nicht sauber ist.
Ein Kegwasher (*) löst das. Er spritzt unter Druck, benetzt die ganze Innenfläche, hat Adapter für die Kupplungen und reinigt automatisch die Steigrohre. Du musst nicht mehr mit der Hand rein.
Die richtige Reinigungsmittel-Wahl
Für normale Verschmutzungen reicht Oxireiniger – Chemipro Oxi (*) oder ähnliches. Der ist effektiv und sogar ein bisschen desinfizierend. Aber er ist nicht das Allheilmittel.
Bei groben Verschmutzungen oder wenn du auf Nummer sicher gehen willst, brauchst du einen enzymatischen Reiniger. Ich nutze Enzybrew 10 (*). Es hat eine ähnliche Reinigungsleistung wie Bevi Liquid (*) aus der Brauerei-Szene, ist aber deutlich angenehmer in der Handhabung für Hobbybrauer.

Es gibt auch PBW und andere Mittel, aber die sind gefährlicher in der Anwendung. Für Hobbybrauer würde ich immer auf enzymatische Reiniger gehen. Alternativ kannst du auch Spülmaschinenpulver nehmen, das nicht aromatisiert ist – quasi wie ein Oxireiniger. Oder einfach nur Soda. Aber bei stärkeren Verschmutzungen: Enzybrew 10 und fertig.
Temperatur ist nicht verhandelbar
Enzymatische Reiniger funktionieren mit Enzymen. Die brauchen eine bestimmte Temperatur – in der Regel zwischen 45 und 60 Grad Celsius. Bei Enzybrew 10 (*) peile ich immer 55 Grad an.
Enzyme sind nur in einem begrenzten Temperaturbereich wirksam, meist zwischen 20 und 65 Grad. Zu heiß und sie denaturieren, zu kalt und sie arbeiten nicht.
Wenn es Winter ist, würde ich nicht 55 Grad warmes Wasser reinkippen, sondern eher 65 Grad. Dann den Kegwasher starten, das Wasser kühlt sich ab, und dann erst Enzybrew 10 reingeben. Während der 60 Minuten Reinigung sollte die Temperatur mindestens in diesem Bereich bleiben.
Der Spezialfall: Übervergärer-Hefen
Wenn du Saison-Hefen oder Bretanomyces verwendet hast, wird es ernst. Diese Hefen haben das STA1-Gen und können Dextrine zerlegen – also unvergärbare Zucker vergären. Sie sorgen für einen sehr niedrigen, manchmal sogar negativen Restextrakt.
Das Problem: Wenn du die nachher in einem normalen Sud hast, machen die das Gleiche da auch. Sie übernehmen und zerlegen alles. Dein ursprüngliches Bier ist verändert.
Das Allersicherste wäre, ein Keg nur für solche Hefen beiseite zu stellen. Dann markierst du es und nutzt es immer nur für Saison oder Brett. Das gilt auch für Schläuche.

Wenn du das nicht willst, musst du mit chemischer Reinigung ran. Ich mache das so: Enzybrew 10 in den Kegwasher, 60 Minuten waschen. Dann das ganze Wasser raus und nochmal 60 Minuten. Das hat bisher immer funktioniert. Wahrscheinlich würde auch einmal reichen, aber ich gehe auf Nummer sicher.
Wichtig: Beim Auseinanderbauen würde ich bei Übervergärer-Hefen auch alle kleinen Teile separat nochmal in einem alkalischen Reiniger einlegen.
Schritt-für-Schritt: So reinige ich meine NC-Kegs
1. Vorspülen
Groben Schmutz und Hefereste mit heißem Wasser ausspülen. Einfach durchspülen, bis das meiste raus ist.
2. Reinigen mit Kegwasher
Warmes Wasser (45°C – 60°C Grad bei Enzybrew 10 (*), im Winter 65 Grad) in den Kegwasher. Reinigungsmittel dosieren. Keg anschließen, 60 Minuten laufen lassen. Der Kegwasher arbeitet unter Druck und benetzt die ganze Innenfläche plus Steigrohr.
3. Nachspülen
Auch wenn die Mittel sagen, es ist nicht nötig – ich spüle immer nach. Die Reste der Reinigung müssen raus. Einfach mit klarem Wasser durchspülen.
4. Desinfizieren
Ich nutze Chemipro SAN (*) (bzw. Chemipro CIP (*) beim CIP) – das ist sauer und verhindert langfristig auch mineralische Ablagerungen. Einfach nach Anleitung dosieren, durchspülen, fertig. (Besser direkt vor Gebrauch, anstatt sofort nach der Reinigung)
5. Regelmäßig auseinanderbauen
Auch mit Kegwasher solltest du mindestens alle zwei, drei Male die Kupplungen aufmachen und kontrollieren, ob sich was abgesetzt hat. Dichtungen prüfen – die nutzen sich mit der Zeit ab.

Besser brauen mit dem Braukompass
Kuratierte Tipps aus Blogs, Podcasts und YouTube
Was du auf keinen Fall machen solltest
Niemals mit einem Scheuerschwamm reingehen. Die Oberfläche muss blank und glatt bleiben. Verkratzte Oberflächen bieten Angriffsfläche für Ablagerungen, die du dann nicht mehr wegbekommst.
Kein Chlorreiniger. Den brauchst du beim Hobbybrauen fast nie. Wenn überhaupt.
Nicht einfach nur heißes Wasser reinkippen und schütteln. Dafür reicht die Reinigungsleistung nicht. Wenn es darin kochen würde, über 30 Minuten, dann wäre das okay. Aber mal eben heißes Wasser rein und fertig – das kannst du keinem anbieten. Wir hantieren mit Lebensmitteln.
Tipp: Für mineralische Ablagerungen, die du eher selten hast, kannst du Zitronensäure nehmen. Einfach einlegen, einwirken lassen, fertig.


Reinigung vs. Desinfektion – der Unterschied
Das ist fundamental: Etwas Schmutziges zu sterilisieren bringt dir nichts. Du musst erst organische Verschmutzungen entfernen (Reinigung), bevor du desinfizieren kannst. Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar.
Eine mikrobiologische Belastung ist nicht unbedingt zu riechen oder zu schmecken. Dein Keg kann optisch sauber aussehen, aber trotzdem kontaminiert sein. Deshalb ist die Desinfektion nach der Reinigung wichtig.
Schutzausrüstung nicht vergessen
Trag geeignete Schutzkleidung. Nitril-Handschuhe (*) und eine Schutzbrille (*). Gerade bei enzymatischen Reinigern oder wenn du mit Bevi Liquid oder PBW arbeitest, ist das wichtig. Deine Haut und Augen danken es dir.
Wann reicht einfache Reinigung?
Es kommt darauf an. Wenn du nur Bier im Keg hattest, keine Gärung, keine starken Verschmutzungen – dann reicht oft Oxireiniger im Kegwasher. 30 Minuten, nachspülen, desinfizieren, fertig.
Wenn du im Keg vergoren hast oder grün geschlaucht hast, brauchst du einen starken Reiniger, zum Beispiel einen enzymatische Reiniger. Wenn du Übervergärer-Hefen verwendet hast, solltest du besonders penibel reinigen oder ein separates Keg nutzen.

Du merkst den Unterschied, wenn dein Bier plötzlich umkippt. Es wird sauer, schmeckt komisch, ist schlecht geworden. Das sind Verunreinigungen, die dein Bier zerstören. Ich hatte in zehn Jahren Brauerfahrung nur eine einzige Infektion – und die war nicht so schlimm. Aber das liegt daran, dass ich meine Kegs vernünftig reinige.
Kontamination passiert in deiner Brauerei
Das ist wichtig zu verstehen: In 71% der Fälle von Infektionen, liegt die Ursache bei der Abfüllung, nur 29% sind auf das Sudhaus zurückzuführen. Daher: Kleine Gegenstände wie Füller, Schläuche, Kegs und Flaschen müssen akribisch gereinigt und desinfiziert werden.
Das bedeutet: Deine Keg-Reinigung ist nicht optional. Sie ist der Unterschied zwischen gutem Bier und verdorbenem Bier.
FAQ – Die häufigsten Fragen

Besser brauen mit dem Braukompass
Kuratierte Tipps aus Blogs, Podcasts und YouTube


