Bier im NC Keg vergären – und warum ich es heute nicht mehr mache!

Warum ich heute kein Bier mehr im Keg vergäre. Mein vollständiger Erfahrungsbericht.

TLDR: Im NC Keg vergären

Ich habe mehrere Jahre im NC Keg vergoren und bin wieder zum Gäreimer zurückgekehrt. Die Reinigung war mir zu aufwendig, Hopfenstopfen funktioniert nicht vernünftig unter Druck, und du verlierst Volumen durch den nötigen Steigraum. Wenn du NC Kegs bereits hast und Lagerbiere ohne Hopfenstopfen brauen willst, kannst du es ausprobieren. Für alle anderen: Spar dir den Aufwand.

Warum ich überhaupt im Keg vergoren habe

Vor einigen Jahren wollte ich Druckgärung ausprobieren. Das Thema kam immer häufiger in der Hobbybrauerszene auf und ich war neugierig.

Das Problem: Drucktanks aus Edelstahl waren teuer. Fermzilla gab es damals noch nicht. Also habe ich überlegt, in NC Kegs zu vergären.

Der größte Vorteil war simpel – ich hatte die Kegs bereits zu Hause. Wer ohnehin Kegging betreibt, braucht nichts zusätzlich zu kaufen. Das war für mich der entscheidende Punkt.

NC Kegs vs. Standard-Kegs vs. Drucktank

Wenn du vor der Entscheidung stehst, ob du in Kegs vergären willst, musst du dir ein paar Fragen stellen.

Erste Frage: Edelstahl oder Kunststoff?

Wenn dir Kunststoff egal ist, würde ich immer zum Kunststoffdrucktank raten. Die haben in der Regel einen konischen Boden – du kannst die Hefe abziehen, was beim Hopfenstopfen wichtig wird.

Wer aber materialbewusst Edelstahl wählen möchte, muss beim Drucktank viel Geld in die Hand nehmen. Da kommen NC Kegs ins Spiel. Sie sind günstig, du hast sie vielleicht schon und kannst sie für mehrere Zwecke nutzen.

Zweite Frage: NC Keg oder Standard-Keg?

Nur NC Kegs. Bei Standard-Kegs hast du eine kleine Öffnung – du kannst optisch nicht kontrollieren, ob alles weggereinigt wurde. Du kommst nicht vernünftig rein zum Schrubben. Das ist ein echtes Problem.

NC Kegs haben eine große Öffnung. Das macht die Reinigung zumindest theoretisch einfacher. In der Praxis bleibt es trotzdem aufwendig.

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Hefe abziehen – brauchst du das wirklich?

NC Kegs haben keinen konischen Boden. Du kannst die Hefe nicht abziehen wie bei einem richtigen Drucktank.

Ist das ein Problem?

Prozestechnisch ist es häufig egal. Wenn du dein Bier einen Monat auf der Hefe liegen lässt, merkst du das nicht. Wer sein Bier schnell trinkt, kann die Hefe im Keg lassen.

Das Hefe-Abziehen wird nur dann interessant, wenn du die Hefe weiterverwenden und gleichzeitig hopfenstopfen willst. Dann würdest du die Hefe mit Hopfenresten verunreinigen.

Aber – und das ist wichtig – Hopfenstopfen im Keg funktioniert ohnehin nicht vernünftig. Dazu gleich mehr.

Der erste Sud im NC Keg – was du wissen musst

Beim Keg hast du einen Degen drin. Der geht bis zum Boden, damit du möglichst viel Bier rauskriegst.

Bei der Gärung ist das kontraproduktiv. Am Ende hast du eine riesige Hefeschicht unten – die soll da auch bleiben.

Du musst den Degen ausbauen und einen Floating Dip Tube einbauen.

Das ist eine Kugel, die auf der Oberfläche schwimmt. Der Ansaugschlauch bleibt immer leicht unter der Oberfläche. Du ziehst das Bier von oben nach unten ab.

Das habe ich direkt beim ersten Sud gemacht. Ohne Floating Dip Tube kriegst du das Bier nicht vernünftig raus.

Eine Alternative: Du drückst das Bier nach der Hauptgärung in ein anderes Keg um und lässt es dort reifen. Dann kannst du die Hefe auch so abziehen. Aber das ist aufwendiger.

Das größte Problem – Hopfenstopfen

Wenn du im Keg vergärst, machst du das für die Druckgärung. Eine normale Gärung brauchst du nicht im Keg zu machen.

Nach den ersten zwei, drei Tagen der stürmischen Gärung setzt du das Spundventil auf. Du stellst 0,2-0,4 bar ein und baust langsam Druck auf.

Jetzt kommt das Problem: Hopfenstopfen unter Druck funktioniert nicht.

Du kannst das Keg nicht einfach öffnen und Hopfen reingeben. Der Hopfen würde dir die Ventile zusetzen. Also musst du den Hopfen in einem Sieb oder durchlässigen Behälter reingeben.

Aber dann werden die Aromen nicht richtig extrahiert. Du musst viel mehr Hopfen geben. Und wenn du mehr gibst, liegt alles dicht auf einer kleinen Fläche – die Extraktion wird noch schlechter.

Das nächste Problem: Du willst den Hopfen nicht ewig drin haben. Nach fünf bis zehn Tagen kriegst du grüne, grasige Aromen. Der Hopfen muss raus.

Das heißt, du musst das Bier zwangsläufig in ein neues Keg umdrücken. Wenn du den Hopfen lose reingibst, verstopft dir alles. Wenn du den Druck wegnimmst, schäumt es über.

Es gibt Vorrichtungen mit Magneten – der Hopfen war schon die ganze Zeit drin, du ziehst am Magnet und er plumpst rein. Ist aber auch nicht optimal.

Es gibt auch die Hop-Rocket – ein separates Gefäß, durch das du die Flüssigkeit pumpst. Aber das ist alles total aufwendig.

Wer hopfenstopfen will, sollte nicht im Keg vergären.

Welche Biere funktionieren im Keg?

Druckgärung macht vor allem bei zwei Bierstilen Sinn:

1. Lagerbiere

Untergärige Biere, die clean sein müssen. Durch die Druckgärung kannst du die Esterproduktion und Fehlaromen unterdrücken. Du kannst das Bier theoretisch auch schneller vergären.

Aber – und das ist wichtig – wenn du die Gärung vernünftig im Griff hast, kannst du Lagerbiere auch gut im klassischen offenen Gärtank vergären. Eine interne Fermentis-Studie zeigt, dass Verkoster Biere bei 12°C und bei 20°C nicht unterscheiden konnten.

2. NEIPAs und hochhopfengestopfte Biere

Hier kannst du durch Druckgärung das Oxidationsrisiko minimieren. Die Hefe verstoffwechselt den Sauerstoff, der zur Oxidation führen kann. Du kannst theoretisch direkt aus dem Tank zapfen – kein Sauerstoffeintrag.

Aber: Diese Biere sind stark hopfengestopft. Und Hopfenstopfen im Keg funktioniert nicht.

Am Ende bleiben nur die Lagerbiere über. Und die kannst du auch ohne Druckgärung gut hinkriegen.

Der nervigste Teil – die Reinigung

Das Befüllen ist einfach. Du desinfizierst das Keg, gibst die Würze rein, machst die Hefegabe. Wie beim normalen Gäreimer.

Das Problem kommt nach der Gärung.

In diesem kleinen, engen Behältnis hast du einen harten Heferand. Den musst du wegbekommen.

Mit normalen Keg-Waschern kriegst du den häufig nicht weg. Die mechanische Reinigungsleistung von CIP ist am Boden vom Keg, weil du das Keg ja umgekehrt auf den Keg-Washer stellst. Das ist ja auch gut so, weil du normalerweise den groben Schmutz am Boden vom Keg hast.

In diesem Fall ist der Schmutz (also der Heferand) aber auf der anderen Seite, wo die mechanische Reinigungsleistung vom CIP nicht unbedingt drankommt.

Du musst den Heferand mit der Hand rausbekommen. Mit einem Lappen.

Das Zweite: Du musst alles auseinanderbauen. Die ganzen Ventile. Beim normalen Bier musst du das nicht so häufig machen. Bei der Vergärung setzt sich überall dickes organisches Material fest. Das musst du jedes Mal auseinanderbauen und reinigen.

Für mich war die Reinigung der Punkt, wo ich gesagt habe: Das ist mir zu viel.

Ich bin damals dann wieder zurück zum Speidel-Kunststoffgäreimer. Der war einfach zu reinigen. Ich hatte wieder Bock aufs Brauen.

Die anderen Nachteile

Weniger Volumen

Du musst viel mehr Steigraum für die Kräusen lassen. Beim normalen Bier kannst du das Keg fast voll machen. Bei einer Gärung brauchst du Steigraum.

Bei 10-Liter-Kegs lassen viele Brauer 1 Liter Kopfraum, bei 20-Liter-Kegs 2 Liter. Manche empfehlen sogar 10-30% Kopfraum, abhängig vom Hefestamm.

Normalerweise hast du 19 Liter vollgemacht. Jetzt kannst du nur noch 17 Liter oder weniger reinmachen. Das ist ein echter Bierverlust.

Restextrakt messen

Du kommst nicht mal eben so einfach an die Flüssigkeit dran. Unter Druck musst du einen Zapfhahn oder Picknickhahn anschließen, um ein bisschen Flüssigkeit zu entnehmen. Ist auch ein bisschen komplizierter.

Ventile auseinanderbauen

Bei der Vergärung schäumt es hoch in die Ventile rein. Überall setzt sich organisches Material fest. Du musst das jedes Mal auseinanderbauen und reinigen. Beim normalen ausgegorenen Jungbier hast du das nicht.

Was funktioniert gut

Nicht alles ist kompliziert.

Temperaturkontrolle

Das ist kein Problem. Es gibt extra Tauchhülsen. Du baust den Degen aus und steckst die Tauchhülse rein. Das funktioniert gut.

Befüllen

Einfach mit einem Bierheber da reinfüllen. Oder mit einem Schlauch reinlaufen lassen. Das passt alles.

Die Kosten – lohnt sich das?

Wenn du NC Kegs bereits hast, ist die Investition überschaubar. Du brauchst eine Floating Dip Tube – das war’s im Grunde.

Aber wenn du noch nichts hast, wird es teuer: Für 2 gebrauchte NC Kegs zahlst du etwa 80 Euro. Dazu neue Dichtungen (10 Euro), Druckminderer und CO2-Flasche (mindestens 100 Euro), Adapter (20 Euro), Schläuche (20 Euro) und Kompensatorhahn (50-80 Euro). Zusammen fast 300 Euro als Minimalausstattung.

Meine ehrliche Meinung: Wenn du noch keine Kegs hast, würde ich dir niemals zum Kegkauf raten, nur um unter Druck zu vergären.

Die einzige Ausnahme: Du willst absolut keinen Kunststoff im Haus haben und die anderen Edelstahl-Drucktanks sind dir zu teuer. Dann bleibt nur der Weg über ein Keg.

Warum ich heute nicht mehr im Keg vergäre

Ich vergäre aktuell gar nicht mehr im Keg. Mir ist das persönlich zu aufwendig.

Ich habe jetzt einen ZKG-Drucktank. Den nutze ich hauptsächlich zum Aufkarbonisieren am Ende – nicht für die komplette Druckgärung.

Ich vergäre ganz normal offen und packe dann irgendwann das Spundventil drauf. Ich stelle den Druck für die Karbonisierung ein. Das spart CO2 und ist deutlich einfacher.

Wenn du mal dies, mal das braust und je nach Bier eine andere Gärausrüstung überlegen musst, hast du irgendwann keinen Bock mehr. Dann bleibst du bei einem Standard – und der funktioniert auch super.

Ich kenne niemanden, der langfristig im Keg vergärt.

Das ist ein Test, um Druckgärung auszuprobieren. Vielleicht ist das auch langfristig was für dich. Aber die meisten steigen irgendwann um.

Wann macht Keg-Gärung Sinn?

Wenn du NC Kegs bereits hast und viele Lagerbiere braust – Pils, Helles – und du ausprobieren willst, was der Unterschied zwischen offener Gärung und Druckgärung ist, dann kannst du es mal probieren.

Kauf dir eine Floating Dip Tube und probier es aus. Wenn dir die Druckgärung Spaß macht, kannst du weiterhin darin vergären.

Aber sei dir bewusst: Du hast Bierverlust durch den Steigraum. Die Reinigung ist aufwendig. Hopfenstopfen funktioniert nicht vernünftig.

Für mich persönlich ist das Vergären in Kegs Quatsch.

Nicht die Druckgärung als solches – die kann bei bestimmten Bieren Sinn ergeben. Aber das Vergären speziell in Kegs ist aus meiner Sicht nicht sinnvoll.

Häufige Fragen

Autor

  • Tobias Meyknecht, Malzknecht

    Tobias Meyknecht ist der Gründer und Autor von Malzknecht, einem Blog für Hobbybrauer, die tiefer in die Kunst des Brauens eintauchen möchten. Mit über 10 Jahren Erfahrung im Bierbrauen konzentriert sich Tobias auf praktisches Handwerkswissen und experimentelle Brauverfahren.

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2 Gedanken zu „Bier im NC Keg vergären – und warum ich es heute nicht mehr mache!“

  1. Ich vergäre im Fermzilla, aber im Allrounder (nicht konisch) und bin begeistert. Kann es nur empfehlen und würde immer wieder damit anfangen. Ich fülle mittels Wintap in Flaschen oder halt in NC-kegs ab. Letztere kann man recht gut via Schwerkraft abfüllen, dann braucht man kein CO2 einzusetzen. Nachteil ist einfach nur das es sehr lange dauert, da man die Höhendofferenz nicht wirklich gut hinbekommt um das Bier schneller fliesen zu lassen.
    Wenn ich hopfen-stopfen wollen würde, würde ich wohl in ein NC-Keg, in das ich den Hopfen vorlegen würde evtl. im Säckchen, umdrücken. Danach dann wieder in ein leeres NC-Keg um den Hopfen abzuscheiden.

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