
TLDR: Bier zapfen ohne viel Schaum
Der Zapfdruck muss leicht über dem Sättigungsdruck des Bieres liegen. Lange Leitung oder Verjüngungen durch Anschlüsse sorgen für Druckabfall. Zu wenig Druck führt zum Schäumen! Änderungen des Drucks haben erst nach 5-10 Minuten eine Auswirkung auf das Zapfergebnis.
Bläschenbildung bereits in der Bierleitung deutet auf einen zu geringen Druck hin.
Das größte Problem beim Bier zapfen
Das größte Problem für uns ist ein unkontrollierter Druckabfall im System!
Dein Bier enthält ja CO2, welches bei einem Druckabfall entgast. Das soll ja auch so sein, aber erst im Bierglas. Wenn bereits in der Leitung oder innerhalb des Zapfhahns CO2 entgast, zapfst du größtenteils Schaum.
Wir müssen also dafür sorgen, dass innerhalb des Kegs, der Leitung und im Zapfhahn kein Schaum entsteht.
Aus diesem Grund gibt es den Kompensator Zapfhahn, mit dem du den Druck etwas regeln kannst. Für gewöhnliche Zapfhähne brauchst du hingegen meterlange Beruhigungsschläuche. Das Vermeiden des Druckabfalls ist auch der Grund dafür, dass du nur unter Gegendruck in Flaschen abfüllen kannst.
Nicht verpassen: Im ultimativen Kegging-Guide erfährst du jetzt mehr über Kegging, Ausrüstung und Prozesse.
Bier richtig zapfen
In 3 Schritten zur perfekt eingestellten Zapfanlage, damit du das Bier ohne Probleme aus dem Keg herausbekommst. Dafür ist eine einfache Berechnung nötig, die du aber schnell verstehen wirst und anwenden kannst.

Schritt 1: Welchen Sättigungsdruck hat das Bier?
Ermittle den Sättigungsdruck anhand der Spundungstabelle und sei dir bewusst, dass bei steigender Biertemperatur auch der Druck ansteigt.
| Keg vorgekühlt und gekühlt beim Zapfen? | Verhalten des Drucks |
| Keg ist vorgekühlt und bleibt gekühlt | Sättigungsdruck und Temperatur konstant |
| Keg ist vorgekühlt, wird aber wärmer | Sättigungsdruck erhöht sich mit der Zeit |
| Keg ist nicht vorgekühlt | Sättigungsdruck ist je nach Außentemperatur sehr hoch |
Hast du jetzt ein Keg für deine Party gekauft, dann kennst du den Sättigungsdruck nicht. Das ist aber kein Problem. Du kannst in etwa abschätzen, wie kalt dein Bier ist. Dann nimmst du an, dass das Bier ca. 5g CO2 pro Liter enthält. Das ist ein üblicher Wert für Pilsner. Mit diesen Werten liest du dann den Druck ab.
Beispiel: 4°C kaltes Bier bei 5g CO2 / Liter sind etwa 0,81 Bar Sättigungsdruck.
Schritt 2: Wie ist der Aufbau meiner Zapfanlage?
Für die weitere Berechnung brauchst du noch 2 Faktoren: Den Druckabfall in deinen Leitungen und den Höhenunterschied zwischen Bier und Zapfhahn.
Druckabfall in der Leitung
Es gibt verschiedene Aufbauten und überall verhält sich der Druckabfall in der Leitung anders.
| Weg zwischen Bier und Zapfhahn | Auswirkung Druckabfall |
| Zapfhahn steckt direkt auf dem Keg | Nur Druckabfall am Hahn |
| Kurzer Schlauch (z.B. bis 1 – 2 Meter) | Geringer Druckabfall im Schlauch |
| Langer Schlauch / Beruhigungsschlauch zwischen Keg und Hahn | Durch einen langen Schlauch fällt bereits viel Druck ab |
Je nach Leitungsdurchmesser gibt es einen anderen Druckabfall in der Leitung, aber besonders stark ist er bei einer 4mm Leitung.
4 mm Leitung = 0,72 bar / m
7 mm Leitung = 0,05 bar / m
10 mm Leitung = 0,01 bar / m
Bei einer Standard 7 mm Keezer Bierleitung von 1,5 Metern hast du also 0,075 bar Druckabfall in der Leitung.
Außerdem fällt an den Ventilen auch noch einmal etwas ab, was man sehr schlecht errechnen kann in meinen Augen. Daher gilt es hier einfach ein Gefühl für das eigene System zu finden.
Hinweis: Zusätzlich führen übrigens viele T-Stücke oder Duotight Adapter und so weiter zu Turbulenzen. Diese können ebenfalls dazu führen, dass unnötig CO2 in der Leitung entgast!
Druckbedarf durch Förderhöhe
Außer beim direkt aufgesteckten Zapfhahn musst du dann zusätzlich noch die Förderhöhe und den dafür nötigen Druck von 0,1 bar pro Meter Höhenunterschied berücksichtigen.
Wenn du also auf der Brauschau dein Bier oben auf einem Tisch ausschenkst und das Fass auf dem Boden steht, dann brauchst du locker noch einmal 0,1 bar mehr an Förderdruck.
Schritt 3: Welchen Zapfdruck brauche ich?
Jetzt kennst du den Sättigungsdruck des Bieres, die Reibungsverluste in der Bierleitung und den zusätzlichen Druck für den Höhenunterschied. Diese Werte werden einfach addiert und am Ende erhöhst du den Wert noch um 0,2 bar, damit du auf der sicheren Seite bist. Das ergibt deinen Betriebsdruck, den du an der CO2 Flasche einstellst.
Betriebsdruck = Sättigungsdruck + Reibungsverlust + Höhenunterschied + 0,2
Keine Angst, du wirst das irgendwann im Blut haben und schon verstehen, wann du den Druck anheben und absenken musst.
Nun aber ein einfaches Beispiel im Keezer / Kegerator: Dein Bier hat bei 5°C und 5,4 g/l CO2 einen Sättigungsdruck von 1,03 bar. Du hast zwischen Keg und Zapfhahn etwa 1,5 Meter Schlauch, was etwa 0,075 bar sind. Die Förderhöhe beträgt nur 20cm, also zusätzlich 0,02 bar.
1,03 + 0,075 + 0,02 + 0,2 ~= 1,3 bar
In diesem Szenario stellst du deine CO2 Flasche auf 1,3 bar ein, wartest 5-10 Minuten und fängst an zu zapfen. Bilden sich Blasen im Schlauch, dann erhöhst du den Druck schrittweise.

Besser brauen mit dem Braukompass
Kuratierte Tipps aus Blogs, Podcasts und YouTube
Der Hobbydruck-Faktor
Soweit war alles theoretisch. Ich finde, man kann es vereinfachen für uns Hobbybrauer, da wir häufig kurze Strecken bis gar keine Schläuche haben und auch nicht über Stockwerke hinweg zapfen müssen.
Daher habe ich alles verpauschaliert und hier als Hobbydruck-Faktor beschrieben:
Aufsteckhahn direkt auf Keg: 0,2 bar
Keezer: 0,3 bar
Kegerator: 0,4 bar
Nimm einfach den Hobbydruck-Faktor und errechne deinen Betriebsdruck über diese einfache Formel:
Betriebsdruck = Sättigungsdruck + Hobbydruck-Faktor
Minimum: 1,2 bar
So braucht man nicht ewig nachdenken und erst wenn es Probleme gibt, sich mit der Detailberechnung beschäftigen. Häufig wird das aber so ganz pauschal funktionieren.
Beispiel: Dein Bier hat 0,81 bar Sättigungsdruck und du zapfst direkt mit Aufsteckhahn aus dem Keg, dann stellst du etwa 1,2 bar ein. Das ist der Mindestdruck, den du mit einem Kompensatorhahn einstellen musst! Ist dein Bier warm und hat einen Sättigungsdruck von 1,8 bar, dann stellst du 2 bar ein.
Hinweis: Berücksichtige, dass an Kupplungen (z.B. NC/CC Kupplungen) auch ein Druck abfällt. Besonders viel fällt bei mir immer am CO2 Rückschlagventil ab.
Betriebsdruck gleich Sättigungsdruck?!
So, und jetzt wird es ganz wild: Viele Hobbybrauer und auch ich ändern den Zapfdruck gar nicht ab.
Es wäre ja auch viel zu aufwendig, wenn man jedes Mal vor und nach dem Zapfen im Keezer den Druck erhöhen bzw. reduzieren müsste.
Daher gibt es bei mir bei 90% der Biere immer einen Druck für alles. Es ist nicht perfekt und es dekarbonisiert manchmal etwas im Schlauchsystem, aber es ist in dem Ausmaß gar nicht schlimm.
Weizenbiere, Saisons und andere stärker karbonisierte Biere handhabe ich dann allerdings zwangsläufig etwas aufwendiger.
Was heißt das jetzt? Wenn ihr bei eurem System auch mit dem Sättigungsdruck zapfen wollt, sorgt dafür, dass ihr möglichst wenig Reibungsverluste im Schlauch habt und keine Höhenunterschiede überwinden müsst. Zusammen mit einem Kompensatorhahn habt ihr dann das perfekte Setup für die meisten Biere.
Schlussfolgerung zum einfachen Merken
Wissenschaftlich ist das Thema Zapfen sehr komplex, das hast du bestimmt inzwischen gemerkt.
Aber es muss nicht kompliziert sein: Denn du kannst aus all den Infos eine klare Logik schlussfolgern.
- Ist das Bier im Kühlschrank gekühlt? Starte mit 1,2 bar Zapfdruck.
- Ist das Bier ungekühlt? Starte mit 2,2 bar Zapfdruck.
- Bei hoch karbonisierten Bieren (z.B. Weizen) immer +0,5 bar zusätzlich
- Bei schwach karbonisierten Bieren immer 1,2 bar Zapfdruck

Die 3 großen Probleme beim Bier zapfen
Ein Bier vernünftig aus dem Keg herauszubekommen ist gar nicht so einfach. Je nach Situation stößt du auf 3 verschiedene Probleme. Einmal schäumt es zu stark, beim anderen Mal entsteht kaum Schaum und dann schmeckt dein Bier plötzlich schal.
Viele der Ursachen sind auf das falsche Zapfen zurückzuführen, allerdings gibt es auch Fehler, die bereits im Sudhaus entstanden sind.
Es schäumt beim Bier zapfen zu stark
- Zu wenig Druck (nicht zu viel!)
- Kompensatorhahn Mindestdruck 1,2 bar
- Turbulenzen
- Warmes Glas und / oder Zapfhahn
- Hahn nicht vollständig geöffnet
Wenn es schäumt, dreht der Ahnungslose erstmal den Druck herunter, weil er denkt, es würde durch den Druck zu schnell herausschießen.
Das Gegenteil ist der Fall. Um das CO2 im Bier zu behalten, muss der Sättigungsdruck + sonstige Abfälle im System ausgeglichen werden. Dazu wird der Druck erhöht, bis die Blasenbildung im Schlauch aufhört.
Was viele nicht wissen: Der Kompensatorhahn braucht mindestens 1,2 bar, sonst fällt der Druck im Inneren bereits stark ab und es entsteht Schaum.
Wichtig ist, dass ihr bei jeder Änderung mal mindestens 5 – 10 Minuten wartet, bis sich die Änderung auswirkt.
Häufig haben Hobbybrauer-Anlagen auch starke Turbulenzen, wenn z.B. verschiedene Schlauchdurchmesser oder Y-Stücke etc. verwendet werden.
Auch das Glas sollte kühl sein, da sich das Bier beim Eingießen direkt erwärmt und CO2 ausgast. Das Gleiche gilt für den Zapfhahn: Ist dieser vorgekühlt, dann ist auch das erste Bier direkt gut. Andernfalls dauert es etwas, bis sich der Hahn durch das Bier selbst abkühlt und das Zapfergebnis besser wird.
Der Hahn muss ganz geöffnet werden. Andernfalls quetscht sich das Bier durch den Hahn und schäumt ebenfalls. Den Durchfluss nur am Regler des Kompensatorhahns ändern!
Beim Bier zapfen kommt kaum Schaum / Bierschaum schnell weg
- Fett und Verunreinigungen
- Tenside aus dem Spülmittel, auch Klarspüler
- Zu langsam gezapft
- Zu lange Eiweißrast
Grund Nummer 1 ist Fett. Dieses zerstört die Oberflächenspannung der Bläschen in einer super Geschwindigkeit. Achte mal darauf, wenn du nach dem Biss in dein nächstes fettiges Hähnchen einen Schluck aus dem Glas nimmst. Daher immer gut die Gläser reinigen vor dem nächsten Gebrauch!
Das gilt auch für Lippenstift und Fingerabdrücke, die bei falscher Reinigung der Gläser direkt den Schaum verschwinden lassen.
Außerdem können angeblich Tenside-Rückstände vom Spülgang mit einem klassischen Spülmittel dem Schaum schaden, genauso wie Rückstände vom Klarspüler. Immer vor Gebrauch gut spülen.
Hast du kaum Druckabfall im System und zapfst sehr langsam, dann kann es schnell passieren, dass dein Bier gar kein Schaum hat. Was beim Gegendruckabfüller so richtig Spaß macht, ist beim Zapfen nicht gewollt. Schaumtaste betätigen oder eben etwas aggressiver zapfen.
Am Ende kann es aber auch am Fehlen der langen Eiweißketten liegen, die du während einer Eiweißrast abgebaut hast. Auch schlechtes Malz kann angeblich dazu führen, wird aber wohl die Ausnahme sein. Wirf beim nächsten Mal einfach etwas Spitzmalz oder eine Hand voll Weizenmalz in die Schüttung und du wirst ein Wunder erleben 🙂
Bier ist schal
- Zu viel CO2 beim Zapfen entwichen
- Undichtigkeit im System
- Zu langsam getrunken 🙂
Wenn dein Bier beim Trinken keine Kohlensäure hat, dann kann das verschiedene Ursachen haben. Eine ist, dass du beim Zapfen zu viel Schaum erzeugt hast und somit das CO2 entwichen ist. Konzentriere dich auf ein ordentliches Zapfergebnis und dann sollte es gelöst sein.
Selten aber auch möglich ist eine Undichtigkeit in deinem System, sodass sich der Druck im Keg über Tage hinweg gesenkt hat und das gebundene CO2 entwichen ist. Hier hilft dann nur ein neues Zwangskarbonisieren.
Am Ende musst du das gezapfte Bier auch trinken und dabei schneller sein, als das CO2 braucht, um bei Umgebungstemperatur vollständig zu entgasen 😉
Schnelle Tipps für das beste Zapfergebnis
Für den schnellen Überblick gibt es hier jetzt eine kurze Liste mit wichtigen Tipps und Tricks für ein besseres Zapfergebnis:
- Hahn immer komplett öffnen und „Quetschen“ des Bieres verhindern
- Passende Leitungsdurchmesser (7 mm empfohlen, kein 4 mm)
- Kontrolle: Keine Blasenbildung in der Bierleitung = richtiger Druck
- Druck muss zur Temperatur passen
- Zu wenig Druck ist schlimmer als zu viel, aber beides ist schlecht.
- Zu niedriger Druck beim Kompensator führt zu Schaum
- Bei kalter Lagerung kann 1,5 bar bereits zu unerwünschter Aufkarbonisierung führen
Die Vorbereitung des perfekt gezapften Bieres
- Ein sauberes, kühles Bierglas (idealerweise bei 6-8°C)
- Kurz vor dem Zapfen mit kaltem Wasser ausspülen
- Zapfanlage auf Betriebstemperatur (3-5°C)
- Sauberer Zapfhahn ohne Bierreste
Wenn kühles Bier auf ein warmes Bierglas trifft, entgast das CO2, weil die Menge an gelöstem CO2 immer ein Verhältnis aus Temperatur und Umgebungsdruck ist.
Das richtige Einschenken des Bieres
- Halte das Glas im 45° Winkel unter den Zapfhahn
- Öffne den Zapfhahn ganz und lass das Bier an der Innenseite des Glases herunterlaufen
- Fülle das Glas zu etwa 2/3 und richte es dann auf
- Lass den Schaum sich kurz setzen und zapfe nochmal nach, bis das Glas zu 4/5 gefüllt ist
- Setze mit der Schaumtaste oder durch kurzes Zapfen die Schaumkrone auf
Kompensatorzapfhahn vs. Kolbenzapfhahn
Der Kolbenzapfhahn ist eine einfache, robuste und kostengünstige Lösung für gekühlte Fässer und schwach karbonisierte Biere. Er arbeitet optimal bei Kühlschranktemperatur mit niedrigem Betriebsdruck von 0,7-1,2 bar.
Der Kompensatorzapfhahn ist die technische Lösung für warme Fässer (20°C) (höheren Sättigungsdruck) und eignet sich auch gut für stark karbonisierte Biere wie Weizenbier, da er mit höherem Betriebsdruck von 1,2-2 bar arbeitet.
Durch die kontrollierte Reduzierung des Volumenstroms verhindert er explosionsartiges Aufschäumen und ist somit extrem flexibel, wenn man auf verschiedene Bedingungen reagieren will.
Weil der Kompensatorzapfhahn für verschiedene Bedingungen (kaltes Bier, warmes Bier, verschiedene Systemaufbauten, hoch karbonisiertes Bier, …) eingesetzt werden kann, ist er absolut empfehlenswert für uns Hobbybrauer.
Einzig und alleine bei gering karbonisierten Bieren ist es etwas umständlicher mit dem Kompensatorzapfhahn, da du das Bier ja zwangsläufig mit einem hohen Druck zapfen musst und so auf Dauer Gefahr läufst, dass dein Bier weiter aufkarbonisiert.
Wer Schaumprobleme hat und noch einen Kolbenzapfhahn verwendet, sollte sich einmal meinen Beitrag zur Kaufberatung von Kompensatorzapfhähnen anschauen.
Warum schäumt Bier überhaupt?
Die Schaumbildung beim Bier ist ein faszinierendes Zusammenspiel von chemischen und physikalischen Faktoren. Der Schaum ist nicht nur optisch ansprechend, sondern wirkt sich auch auf den Geschmack aus.
Es gibt ein paar Punkte, die den Schaum beeinflussen. Diese solltest du kennen, wenn du mit Problemen rund um das Thema Schaum und Bier richtig zapfen kämpfst.
Kohlensäure entbindet
Wenn sich das im Bier gebundene CO2, also die Kohlensäure entbindet, entsteht Schaum. Das ist nicht schlecht, sondern ja genau das, was wir wollen. Sonst könnten wir auch Wein trinken :-P.
Dass unser CO2 sich aus der Flüssigkeit löst, kann verschiedene Gründe haben.
- Mechanisch bedingt
- Höhere Temperatur
- Druckabfall unter Sättigungsdruck
Jeder hat schon einmal ein hoch karbonisiertes Weizenbier in ein Glas eingeschenkt. Du hältst das Glas automatisch schräg, damit das Bier langsam einfließt und sich wenig Kohlensäure entbinden kann. Durch diesen mechanischen Einfluss kann sich also auch CO2 entbinden.
Jetzt wird es aber komplizierter: Denn auch Turbulenzen im Zapfsystem führen zu einem ungewollten Entbinden.
In dem Beitrag zur Karbonisierung von Bier habe ich das Thema Sättigungsdruck und Temperatur ausführlich behandelt. Kurz: Bei einer bestimmten Kombination aus Druck und Temperatur bindet sich eine gewisse Menge CO2 im Bier. Ändert sich einer dieser zwei Faktoren, bindet sich entweder mehr CO2 oder es entgast wieder.
Das beste Beispiel ist das Öffnen einer Bierflasche: Es zischt (Druckabfall) und das CO2 fängt an sich zu entbinden.
CO2 entbindet automatisch, wenn
- bei gleichem Druck die Temperatur vom Bier ansteigt
- bei gleicher Temperatur der Druck abfällt
In Kombination wirkt es sich natürlich noch stärker aus, wobei das Entgasen bei Temperaturanstieg aufgrund der Flüssigkeitsmenge, die sich erst einmal erwärmen muss, deutlich verzögert ist.
Proteine stabilisieren den Schaum
Langkettige Proteine, also das Eiweiß in unserem Malz, sind entscheidend für die Schaumstabilität im Bier. Solange wir diese während der Eiweißrast nicht vollständig abbauen, helfen sie maßgeblich bei dem Aufbau eines ordentlichen Bierschaums.
Wenn CO2 entgast, kann es an diesen langkettigen Proteinen anhaften bzw. diese umhüllen. Durch diese Umhüllung wird die Struktur der Bläschen gestärkt, was dazu führt, dass der Schaum länger stabil bleibt und nicht so schnell zusammenfällt.
Die Proteine bilden eine Art Schutzschicht um die Bläschen, die verhindert, dass sie platzen oder sich zu schnell verbinden, was den Schaum haltbarer macht.
Hopfen & Melanoidine
Hopfen, ein weiterer wichtiger Bestandteil des Bieres, trägt ebenfalls zur Schaumstabilität bei. Die Existenz von Hopfenbitterstoffen führt dazu, dass der Effekt des Umhüllens vom Protein durch das CO2 verstärkt wird.
Ein noch längerer Halt und kräftigerer Schaum sind dann das Ergebnis.
Melanoidine im Bier sind Verbindungen, die während der Bräunungsreaktion beim Kochen entstehen. Auch diese Komplexe führen zu dem gleichen Effekt.
Hygiene-Tipps
Bei richtiger Hygiene ist das Zapfen des eigenen Bieres kein großer Aufwand. An dieser Stelle nur einen kurzen Abriss, da hierzu bestimmt noch einmal ein separater Beitrag folgt.
Kauf dir einen Blasebalg für Zapfhähne. Mit diesem kannst du die Zapfhähne schnell ausspülen und musst nicht immer alles demontieren. Für die schnelle Reinigung nicht angetrockneter Reste reicht heißes Wasser über den Blasebalg.
Nach einer Weile dann die Zapfhähne in Enzybrew 10 einlegen oder das ganze System mit diesem Reiniger durchspülen.
Weitere Infos dazu passen auch gut aus dem Beitrag zum Keg reinigen.
FAQ
Quellen:
- Ich Zapfe: Betriebsdruck
- Braumagazin: Lehnhardt, F., Gastl, M. (2020). Zapftechnik in der Praxis, Teil 2
- Hobbybrauer.de: Spundungstabelle
- Schanksysteme24: Wie viel Bar benötigt man beim Zapfen? (2022)
- Barthhaas: Ein Traum von Schaum (2023)
- Brouwland: Wie erhalte ich die perfekte Schaumkrone? – Bier (2025)
- Hobbybrauer-Kompendium: Eiweißrast
- Gastro Brennecke: Leitungsquerschnitt – Einfluss auf Druck & Bierfluss (2021)

Besser brauen mit dem Braukompass
Kuratierte Tipps aus Blogs, Podcasts und YouTube


