TLDR: Das Wichtigste kompakt
Druckgärung beschleunigt den Prozess, karbonisiert dein Bier natürlich und schützt es konsequent vor Oxidation. Für ein perfektes Ergebnis startest du die ersten zwei Tage drucklos, bleibst unter 1,5 bar und nutzt das Verfahren vor allem für Lager oder IPAs. Bei estrig-fruchtigen Stilen wie Weizen solltest du hingegen auf Druck verzichten, um das Aroma zu erhalten.
In der traditionellen Brauwelt ist es üblich, Bier ohne Druck zu vergären, es vor Ende der Hauptgärung in einen Drucktank umzuschlauchen („Grünschlauchen“) und dort die Nachgärung sowie die natürliche Karbonisierung vollziehen zu lassen. Doch durch moderne Unitanks und die beliebte Gärung im Keg ist das Thema Druckgärung (die Gärung unter Druck von Anfang an) brandaktuell geworden.
Doch lohnt sich das für dich?
- TLDR: Das Wichtigste kompakt
- Vorab: Muss man unter Druck vergären?
- Methode 1: Die Nachgärung im Drucktank (Spunden)
- Methode 2: Die echte Druckgärung (Hauptgärung unter Druck)
- Entscheidungshilfe: Welches System passt zu dir?
- Die Hardware: Was brauchst du wirklich?
- Tipps für die Praxis: Hefe und Druckniveau
- Fazit: Lohnt sich der Umstieg?
Vorab: Muss man unter Druck vergären?
Nein. Mit der klassischen offenen Gärung und anschließender Flaschengärung lässt sich jedes Bier in Spitzenqualität herstellen. Die Druckgärung ist ein Werkzeug, um Prozesse zu beschleunigen und die Qualität (vor allem bei Lagern) konstanter zu halten – aber kein Muss für gutes Bier.
Methode 1: Die Nachgärung im Drucktank (Spunden)
Hierbei wird nur das Ende der Gärung unter Druck vollzogen. Du lässt das Bier im Gäreimer fast ausgären und füllst es mit einer Restextraktmenge (ca. 1-2 °Plato vor Ende) in einen Druckbehälter um.
Kurzanleitung: So gehst du vor
- Hauptgärung: Vergäre dein Bier ganz normal und drucklos in einem Standard-Gärgefäß.
- Umschlauchen: Wenn das Bier etwa 1-2 °Plato vor dem erwarteten Endvergärungsgrad steht, füllst du es in den Drucktank (z. B. ein Keg) um.
- Spundventil setzen: Schließe das Spundventil an. Die Hefe verarbeitet den restlichen Zucker und baut den gewünschten Druck für die Karbonisierung auf.
- Reifung: Das System bleibt geschlossen, bis das Bier geklärt und bereit zum Zapfen ist.
Vorteile Spunden
Nachteile Spunden
Bei der Endvergärung im Drucktank kommt das CO2 von der Hefe und kann durch den Druck direkt zur Karbonisierung verwendet werden. Das erspart einem die Zeit der Nachgärung mit Zucker oder Speise und ermöglicht das Grünschlauchen, was wiederum Vorteile hat.
Du verbrauchst kein CO2 aus einer Flasche und musst dein Rezept nicht anpassen.
Allerdings musst du das Bier dann auch unter Druck abfüllen, beispielsweise mit einem Gegendruckabfüller oder eben direkt zapfen. Das erfordert, neben den zusätzlichen Kosten für den Drucktank, auch weitere Anschaffungen.
Wer sein Bier zum Ende der Gärung hin stopfen möchte, der steht dann zusätzlich vor der Herausforderung, den Hopfen unter Druck in den Drucktank zu bekommen.
Nicht verpassen: Im ultimativen Kegging-Guide erfährst du jetzt mehr über Kegging, Ausrüstung und Prozesse.
Methode 2: Die echte Druckgärung (Hauptgärung unter Druck)
Hier findet die gesamte Gärung unter Druck statt. Das Ziel ist oft, bei höheren Temperaturen zu vergären, ohne unerwünschte Nebenprodukte zu erzeugen.
Kurzanleitung: So gehst du vor
- Anstellen: Fülle die Würze in den Druckbehälter und gib die Hefe bei der empfohlenen Starttemperatur zu.
- Druckloser Start (WICHTIG): Lass das Spundventil für die ersten 1–2 Tage komplett offen. Die Hefe benötigt diese Phase ohne Druck, um vital anzukommen.
- Druck aufbauen: Schließe nach 48 Stunden das Spundventil und stelle es auf den gewünschten Zieldruck ein (meist 0,5 bis 1,0 bar). Ich empfehle eine schrittweise Erhöhung von 0,2 bar pro Tag.
- Temperatur erhöhen (optional): Bei untergärigen Bieren kannst du die Temperatur nun schrittweise auf bis zu 20 °C anheben.
- Gärungsende: Sobald sichtlich kein Gas mehr entweicht, kannst du messen oder in Kegs umdrücken. (Für Flaschenabfüllung erst ausgären lassen!)
Vorteile Druckgärung
Nachteile Druckgärung
Das Hauptziel dieser Methode ist es, ein schnelleres Verfahren für den Gär- und Reifeprozess aufzubauen. Durch Druck werden Ester unterdrückt und du kannst die Gärtemperatur erhöhen, was eine schnellere Gärung begünstigt.
Dazu kommt, dass du ab dem Punkt der Hefegabe das Bier nicht mehr mit Sauerstoff in Kontakt bringst. Mit dem Hinblick auf die Oxidation ist das auf jeden Fall ein Vorteil. Außerdem kräusen die unter Druck vergorenen Biere in der Regel nicht so hoch und du kannst mehr Bier vergären.
Eine Druckgärung ist aber für die Hefe ungewöhnlich und stresst sie. So kann es zu Gärproblemen wie einer nicht ankommenden Gärung oder Gärstockungen kommen.
Wichtig zu erwähnen sind die eventuell nötigen Anpassungen am Rezept. Im professionellen Umfeld wird das Bier umgeschlaucht, wenn sich die sog. Schlaucherdecke gebildet hat. Diese enthält Hopfenharze, die klassischerweise nicht ins Bier kommen. Lässt du diese jetzt aber zerfallen, hast du bei gleichem Rezept ein anderes Bier.
Gleiches gilt für die Wahl der Hefe. Unter Druck funktionieren sogenannte Bruchhefen nicht gut, was zu Gärstockungen und niedrigen Endvergärungsgraden führen kann. Außerdem mutieren Hefen unter Druck stärker, weshalb man sie nicht so häufig wiederverwenden kann.
Am Ende sei noch zu erwähnen, dass du nicht jedes Bier unter Druck vergären kannst bzw. solltest. Gerade da, wo du die Hefe-Ester willst, solltest du den Spundapparat besser weglassen. Das wären Hefeweizen, viele britische Biere und auch bei vielen Belgiern ist es wichtig, die Ester ins Bier zu bekommen, um nur ein paar Beispiele genannt zu haben.

Besser brauen mit dem Braukompass
Kuratierte Tipps aus Blogs, Podcasts und YouTube
Entscheidungshilfe: Welches System passt zu dir?
Wenn du gerne in Flaschen abfüllst und kein Problem mit dem Bodensatz hast, dann bleibe am besten dabei. Das ist die günstigste Variante überhaupt und du bekommst genauso gute Biere.
Sobald du aber darüber nachdenkst, dein Bier auch einmal zapfen zu wollen, musst du dir einen Druckbehälter organisieren. Außerdem sind die Vorteile der CO2- und Zeiteinsparung nicht von der Hand zu weisen. Hierfür brauchst du nicht unbedingt einen teuren Unitank.
Das Zwei-Tank-Verfahren (Der sichere Weg)
Du vergärst also dein Bier ganz normal im Fermenter mit Gärröhrchen und sobald du die Schlaucherdecke bzw. die Schaumdecke mit den Hopfenharzen siehst, oder ein paar °P vor Ende der HG bist, transferierst du dein Bier in den Drucktank, wo es dann zu Ende gären und aufkarbonisieren kann.
Das nennt sich dann Zwei-Tank Verfahren. Wenn du als Drucktank hier jetzt deine ohnehin benötigten Kegs nimmst, wäre die zusätzliche Investition eher gering.
Vorteil: Du trennst das Bier frühzeitig vom Trub und den Hopfenharzen, was für ein sehr sauberes Geschmacksprofil sorgt.
Das Ein-Tank-Verfahren (Unitank)
Haupt- und Nachgärung finden im selben Gefäß statt.
- Vorteil: Maximal einfach, minimales Infektionsrisiko.
- Tipp: Nutze einen Tank mit konischem Boden, um die Hefe zwischendurch abzulassen, damit das Bier bei der Reifung nicht auf dem Hefesatz liegt.
Die vollständige Hauptgärung unter Druck, also die Druckgärung, ist für Hobbybrauer eigentlich nicht notwendig. Eine Woche längeres Gären tut keinem weh und wer seinen Prozess im Griff hat, bekommt auch keine Probleme mit Ester oder Gärnebenprodukten.
Oxidation ist aber ein Thema und die Nachteile einer Druckgärung sind jetzt auch nicht wahnsinnig schlimm. Falls du also gerne unter Druck vergären möchtest und Geld eine untergeordnete Rolle spielt, dann sind die sog. Unitanks bestimmt genau das, wonach du suchst.
Unterschied Ein- und Zwei-Tank
Im Unitank hast du die Hauptgärung und Nachgärung in einem Tank, beim Zwei-Tank-Verfahren schlauchst du am Ende der HG in den Drucktank um. Beim Zweitank-Verfahren hast du erst bei der Nachgärung den Druckaufbau, während du beim Unitank eine vollständige Druckgärung durchführen kannst.
Die Hardware: Was brauchst du wirklich?
| Gerät | Vorteil | Nachteil |
| Standard Keg (NC/Cornelius) | Günstigste Lösung, passt in jeden Kühlschrank. | Kein konischer Boden (Hefe bleibt drin), schwer zu reinigen. |
| FermZilla / Kunststoff-Unitank | Durchsichtig (man sieht, was passiert), leicht, preiswert. | Nicht so langlebig wie Edelstahl, empfindlich bei der Reinigung. |
| Edelstahl-Unitank (z.B. Brewtools) | High-End, extrem langlebig, perfekte Hygiene, druckbeständig. | Teuer, oft zusätzliche Kühlung (Chiller) nötig. |
Wichtiges Zubehör: Egal welches Gefäß du wählst, du brauchst zwingend ein Spundventil (*). Damit stellst du ein, ab welchem Druck das überschüssige CO2 kontrolliert abgeblasen wird. Du solltest für die meisten Biere einen Zielbereich von 0,8 bis 1,2 bar (je nach Temperatur) anvisieren. Schaue dazu in die Spundtabelle.
(38 cm mittig)
(35,2 mittig)
(38 cm mittig)
(35,2 mittig)

Druckgärung im Keg
Kegs sind auch Drucktanks und werden von einer viel größeren Personenanzahl verwendet, was sie tendenziell günstiger macht. Daher sind Kegs die günstigste Möglichkeit eines Drucktanks, auch weil sie in den Kühlschrank passen und eine separate Kühlung ersparen.
Kegs haben aber den Nachteil, dass sie keinen konischen Boden haben und somit die Hefe nicht entfernt werden kann.
Daher müsst ihr das Bier entweder erst zur Nachgärung ins Keg drücken (Zwei-Tank Verfahren) oder generell einmal umdrücken. Es kann aber auch direkt aus dem Keg gezapft werden, wenn das Bier in Kürze ausgetrunken sein wird.
Druckgärung im speziellen Drucktank
Deutlich teuer wird es mit der Anschaffung eines Unitanks, zumindest wenn ihr ihn aus Edelstahl möchtet. In vielen Fällen braucht ihr neben dem Tank auch noch eine Kühlung, denn viele dieser Unitanks passen nicht in einen Kühlschrank hinein.
Optisch gibt ein solches System natürlich viel mehr her, sie haben einen konischen Boden und das Hopfenstopfen ist häufig einfacher als bei Kegs. Daher investieren immer mehr Hobbybrauer in Unitanks.
Eine günstige Alternative zu den sehr teuren Edelstahl-Unitanks sind die Kunststoff-Unitanks von Fermzilla. Optisch können diese Gärtanks zwar nicht mit den Edelstahl Varianten mithalten, sind aber dafür durchsichtig und passen teilweise sogar in den Kühlschrank hinein.
- Günstiger Drucktank für 30 Liter Bier
- Passt in viele Kühlschränke, selbst in die kleinen Einbaukühlschränke
- Bis 2,4 Bar Druckbeständig, kann also zur Druckgärung oder einfach für die Nachgärung genutzt werden
- Mit Überdruckventil, Thermometer (zum Aufkleben) und Gärspund. Weiteres Equipment, wie ein Druckset (*), kann zusätzlich erworben werden
- Höhe ca. 54 cm mit 12 cm Öffnung und einem Durchmesser von 38 cm in der Mitte
Preis inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten. | Preise zuletzt aktualisiert am 29.01.2026 15:57 Uhr | Die Tabelle enthält Provisionslinks
Tipps für die Praxis: Hefe und Druckniveau
Der kritische Punkt: 1,5 bar
Gehe niemals über einen Druck von 1,5 bar. Zu hoher Druck stresst die Hefe massiv, verringert die Zellzahl und kann dazu führen, dass die Gärung stockt oder Gärnebenprodukte nicht richtig abgebaut werden.
Untergärige Biere (Lager, Pils)
Hefen wie die W 34/70 oder Lallemand Diamond eignen sich hervorragend. Nach 2 Tagen drucklosem Start bei 10–12 °C stellst du das Spundventil auf 1,0 bar und erhöhst die Temperatur auf bis zu 18 °C. Das Bier ist in Rekordzeit sauber durchgegoren.
Obergärige Biere (Ale, IPA)
Hier solltest du ein reduziertes Druckniveau von 0,5 bis 0,7 bar wählen.
- Gut geeignet: Stile wie Pale Ale, IPA, NEIPA, Kölsch oder Alt (z. B. mit US-05 oder BRY-97).
- Nicht empfohlen: Stile, die von der Hefearomatik leben, wie Weizen, Saison und Britische Biere. Der Druck unterdrückt die charakteristischen Ester, wodurch das Bier sein typisches Profil verliert.
Fazit: Lohnt sich der Umstieg?
Wenn du hauptsächlich Lager, Pils oder NEIPAs braust, ist die Druckgärung bzw. das Umdrücken unter Druck ein gewaltiger Sprung in der Qualität (weniger Oxidation, saubereres Profil).
Mein Tipp: Starte günstig zum Testen mit der Gärung im Keg, wenn du bereits eins zur Verfügung hast. Es ist der preiswerteste Einstieg in die Welt der Druckgärung. Wenn du merkst, dass dir der Prozess gefällt, kannst du in einen günstigen Kunststoff-Drucktank oder in einen Edelstahl-Unitank investieren.

Besser brauen mit dem Braukompass
Kuratierte Tipps aus Blogs, Podcasts und YouTube






