29.05.2020 | Rezeptbewertung

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Für den Sommer sollte ein leckeres untergäriges Bierchen mit einer hohen Drinkability her. Nach kurzer Überlegung fiel die Wahl auch schon auf ein schönes Export Rezept. Da ich in der Nähe von Dortmund wohne und ein Export immer irgendwie mit Dortmund verbunden wird, passt das schon ganz gut 🙂

Ein Dortmunder Export steht in der Regel für ein etwas malzigeres Lagerbier, mit gewisser Restsüße. Der wahrnehmbare Hopfencharakter ist ebenso stiltypisch wie die prachtvolle gold-gelbe Farbe.

Export Rezept

Wie ihr ja schon von mir kennt, schaue ich vorzugsweise auf Maischemalzundmehr.de nach Rezepten. Das liegt hauptsächlich daran, dass hier viele gute Hobbybrauer ihre Rezepte offenbaren und die meisten auch tatsächlich auch schon mal gebraut wurden.

Leider gibt es im Internet immer wieder Rezept-Quellen, wo der Autor das Bier nicht einmal selber gebraut hat. Das hilft uns nicht weiter.

Wie auch immer, entschieden habe ich mich für das Export Rezept von Tauroplu. Von ihm habe ich bereits das Landbier von Tauroplu und das Altbier – Schumacher Altbier Klon gebraut und beide für gute Rezepte befunden. Daher mache ich mir bei diesem Rezept auch keine großen Sorgen.

Ein Export im Klassischen Stil

Die Basisschüttung besteht aus einer Kombination von Pilsner-, Wiener- und Münchnermalz. Zusätzlich kommen 6% helles Karamellmalz dazu, was das Export etwas vollmundiger macht.

Die Maischearbeit besteht nämlich überwiegend (60 Minuten) aus einer Maltoserast, die vergärbare Zucker erzeugt. Ohne das Karamellmalz wäre das Bier meiner Meinung nach zu schlank.

Hopfen

Gebittert wird teilweise durch Perle in der Vorderwürzehopfung und durch eine Kombination aus dem klassischen Bitterhopfen Magnum, sowie dem Spalter Select.

Das hier der Spalter Select zum Bittern genutzt wird, hat mich etwas verwundert. Er ist eigentlich ein klassischer Aromahopfen, der normalerweise nicht zum Bittern für 70 Minuten gegeben wird. Auch andere Hobbybrauer haben mit dieser Gabe Verständnisprobleme – einer hat sie sogar kurzerhand in eine 5 Minuten-Aromagabe umgewandelt.

Daraufhin habe ich tauroplu im Forum kontaktiert und folgendes aufklären können:

Das Rezept ist in der aktuellen Version auf MMuM korrekt. Micha hat das Rezept einige Male nachgebraut, bevor er es veröffentlichte. Dabei hat er festgestellt, dass die Bitterung durch eine Kombination aus Bitter- und Aromahopfen viel feiner wird.

Da haben wir alle wieder etwas dazu gelernt – und darum geht es ja hier auf dem Blog 🙂

Was machen wir nun mit dem Spalter Select?

Ihr könnt das Rezept so nachbrauen, oder ihr ersetzt den Spalter Select durch einen anderen Hopfen. Das Bier verändert sich dadurch kaum. Ich würde behaupten, dass ich Laie es nicht herausschmecken würde. Wie ihr die Hopfen am besten ersetzt, folgt im nächsten Abschnitt.

Wichtig: Im Rezept ist angegeben, dass es auf eine Nachisomerisierungszeit von 15 Minuten basiert. Wer seine Würze kürzer oder länger abkühlt, der müsste hier das Rezept anpassen. Tools, wie der „kleinebrauhelfer“ errechnen die Hopfengaben automatisch.

Wenn ihr keine Programme verwendet und das Rezept einfach wie bei MMuM nachbrauen möchtet, dann könnt ihr die Hopfengaben durch diesen Rechner anpassen. Es ist etwas umständlicher, funktioniert aber.

Dazu ist aber noch zu sagen, dass dieses Rezept keine späten Hopfenhaben hat. Jeder Hopfen ist mindestens 70 Minuten am kochen, was dazu führt, dass die Ölausbeute im Hopfen während der Nachisomerisierungszeit sehr gering ist. Daher kann die Umrechnung in diesem Rezept meiner Meinung nach vernachlässigt werden.

Alternative Hopfen

Wer die Hopfen nicht parat hat oder gerne Restbestände verwerten möchte, kann die Hopfen wie folgt ersetzen:

Spalter Select

Spielt in diesem Rezept kaum eine Rolle. Ihr könnt ihn weglassen oder einfach mehr Magnum geben. Oder ihr verwendet einen anderen Aromahopfen. Wie oben beschrieben, hat Micha durch diese Gabe eine feine Bittere erzeugt.

Magnum

Alle Hochalpha-Sorten. Natürlich alle Bitterhopfen, aber auch Dual Purpose geht klar

Perle

Northern Brewer oder Hallertauer Mittelfrüh

Hefe und Reifung

Hier kommt wieder die klassische W-34/70 zum Einsatz. Sie gilt als einer der beliebtesten Trockenhefen für untergärige Biere und kann problemlos von überall bezogen werden.

Weil ich sie so häufig verwende, habe ich sie mir mal auf NaCl gezogen und kann mir daraus jetzt meine eigenen Starter hochziehen. Dazu kannst du z.B. einfach die anderen Produkte dieses Hefe-Stamms kaufen, die da wären: WLP830 oder Wyeast 2124. Am einfachsten sind allerdings die Päckchen Trockenhefe W-34/70.

Die Gärführung kannst du hier nachlesen.

Nachdem das Bier vergoren ist, muss es noch eine Weile reifen. Lass es mal mindestens 4-8 Wochen kalt stehen, bevor du es trinkst. Je länger du standhaft bist, desto mehr hast du später vom fertigen Export 🙂 Aber eine Flasche nach ein paar Wochen, für die Wissenschaft, ist immer akzeptabel 😉

Falls du Zeitdruck hast, weil du das Bier vielleicht schon bald ausschenken willst, dann plane in Zukunft deinen Brautag etwas besser. Hierzu kannst du in die Tabelle der Reifezeiten schauen, oder aber du guckst regelmäßig auf den automatischen Brauplaner. Der sagt dir nämlich, wann du brauen musst, damit das Bier rechtzeitig fertig ist.

Brautag des Export Rezepts

Als erstes wird das Wasser vollentsalzt und dann wieder aufgesalzt. Ich habe mich für folgende Zusammensetzung entschieden:

[Ca=86ppm] [Mg=0ppm] [Na=0ppm] [Cl=81ppm] [SO4=100ppm] [RA~-3,5]

Wasser aufheizen und dann wird eingemaischt.

Nach 10-15 Minuten wird der pH Test gemacht. Zwischen 5,5 -5,2 (eher 5,5) => Alles noch im Lot

Dann wird abgemaischt:

So eine große Spüle ist echt viel Wert. Das Reinigen der Pfanne ist ein Kinderspiel und verläuft ohne Rückenschmerzen.

 

Anfangs drehe ich die Läutergeschwindigkeit immer auf ein Minimum (siehe Bild). Später läuft es dann schneller.

Dann wird auch schon gekocht. Mehr dürfte auch nicht in die Pfanne 😉

Dann wird abgeseiht.

Export wird abgefüllt

Anschließend wird es zwangskarbonisiert und 1,5 Monate gereift.

Mein Export

Wie oben schon geschrieben, wurde das Wasser wie folgt eingestellt:
[Ca=86ppm] [Mg=0ppm] [Na=0ppm] [Cl=81ppm] [SO4=100ppm] [RA~-3,5ppm]

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Reifezeit: 4-8 Wochen! Weitere Infos: Lagerzeit / Reifezeit

Aussehen: Das Bier ist goldgelb und schön klar. Der Schaum ist mittelmäßig stabil und sehr sehr feinporig. Außerdem haftet er gut am Glas, was optisch toll aussieht.

Aroma: Es duftet malzig und süßlich. Genau so habe ich es mir vorgestellt. Das Hopfenaroma sticht leicht durch die malzige Note und rundet mit der doch etwas bitteren Anmutung das Gesamtaroma toll ab.

Geschmack: Das Export ist erstaunlicherweise gar nicht so trocken, wie ich es vermutet hatte. Es ist eher im Mittelfeld. Die 6% Karamellmalz haben hier sicher einiges zu beigetragen. Bitter ist das Bier auch nicht unbedingt. Klar, etwas merkt man schon, aber es ist bei weitem nicht so extrem, wie man es von IPAs oder vom Pils kennt. Rundum sehr angenehm zu trinken, was auch immer direkt zum nächsten Schluck anregt 🙂

Zusammenfassung: Das Export Rezept von Tauroplu ist ein wirklich gelungenes Bier für jedermann. Es sieht super aus und duftet herrlich süßlich nach Malz. In Kombination mit der Perle-Note ist dieses Aroma perfekt aufeinander abgestimmt. Durch die angenehme Bittere ist dieses Export Rezept auch super für nicht Hobbybrauer – bzw. klassische Pils-Trinker geeignet. Es hat eine hohe Drinkability und kann meiner Meinung nach zu jeder Jahreszeit serviert werden.

 

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